Michael Stich schrieb 1991 deutsche Tennisgeschichte. Im Wimbledon-Finale besiegte er Boris Becker und krönte das beste Jahr seiner Karriere.
Wenn über deutsche Wimbledon-Helden gesprochen wird, fällt meistens zuerst der Name Boris Becker. Kein Wunder: „Bum-Bum-Boris“ gewann den Rasenklassiker gleich 3-mal, wurde 1985 mit nur 17 Jahren zum jüngsten Wimbledon-Sieger der Herren und prägte eine ganze Tennisgeneration. Doch der letzte deutsche Wimbledon-Sieger bei den Herren war nicht Becker, sondern Michael Stich.
Im Sommer 1991 schrieb Stich eines der größten Kapitel der deutschen Tennisgeschichte. Es war sein Jahr, sein Durchbruch, sein Moment auf der ganz großen Bühne. Lange stand der Hamburger im Schatten von Becker, der in Deutschland bereits zur Sportikone geworden war. Stich galt als hochveranlagter Spieler, technisch stark, elegant, aber nicht als das Gesicht des deutschen Tennis. 1991 änderte sich das.
Schon bei den French Open erreichte Stich das Halbfinale und arbeitete sich erstmals in die Top 10 der Weltrangliste vor. Wenige Wochen später folgte in Wimbledon der endgültige Durchbruch. Auf dem Rasen des All England Club spielte Stich das Turnier seines Lebens und gewann seinen ersten und einzigen Grand-Slam-Titel im Einzel.
Der Weg zum Titel war alles andere als einfach. Im Viertelfinale traf Michael Stich auf Jim Courier, der wenige Wochen zuvor die French Open gewonnen hatte. Stich ließ sich davon nicht beeindrucken und setzte sich klar in 3 Sätzen (6-3 / 7-6 / 6-2) durch. Danach wartete im Halbfinale der Titelverteidiger, Weltranglistenerste und Topfavorit Stefan Edberg.
Dieses Halbfinale wurde zu einem der ungewöhnlichsten und spannendsten Matches der Wimbledon-Geschichte. Stich gewann gegen Edberg mit 4:6, 7:6, 7:6, 7:6. Besonders bemerkenswert: 3 der 4 Sätze wurden im Tiebreak entschieden, Edberg gab im gesamten Match kein einziges Aufschlagspiel ab und verlor trotzdem. Genau solche Spiele machen Wimbledon-Geschichte.
Im Endspiel kam es dann zum deutschen Jahrhundertduell: Michael Stich gegen Boris Becker. Ein Grand-Slam-Finale mit 100 Prozent deutscher Beteiligung, dazu noch auf dem berühmtesten Tennisplatz der Welt. Becker ging als klarer Favorit in dieses Duel. Er hatte Wimbledon bereits 3-mal gewonnen, stand zum wiederholten Mal im Finale und wollte seinen nächsten Titel feiern.
Doch es kam anders. Stich spielte ruhig, präzise und nahezu fehlerlos. Er setzte sich mit 6:4, 7:6, 6:4 durch und gewann damit den größten Titel seiner Karriere. Es war sein erster und einziger Grand-Slam-Titel im Einzel und bis heute der letzte Wimbledon-Triumph eines deutschen Herrenprofis.
Kategorie: | Erfolge: |
Grand-Slam-Titel Einzel | Wimbledon 1991 |
ATP-Titel Einzel | 18 Titel |
Höchste Weltranglistenposition | Platz 2 im Jahr 1993 |
ATP Tour World Championships | Sieger 1993 |
Grand Slam Cup | Sieger 1992 |
Grand-Slam-Titel Doppel | Wimbledon 1992 mit John McEnroe |
Olympia | Gold im Doppel 1992 mit Boris Becker |
Davis Cup | Sieger mit Deutschland 1993 |
Michael Stich wurde in Pinneberg geboren und wuchs in Elmshorn in Schleswig-Holstein auf. Früh galt er als großes Talent, auch wenn er medial lange nicht die Aufmerksamkeit bekam, die Boris Becker in Deutschland genoss. Stich entwickelte sich über eine saubere Technik, starke Grundschläge und ein exzellentes Netzspiel zu einem der komplettesten Spieler seiner Generation.
Seinen endgültigen Durchbruch schaffte er 1991 mit dem Wimbledon-Titel. Danach blieb er in der Weltspitze. 1993 gewann er die ATP Tour World Championships, 1994.
Trotzdem blieb Wimbledon 1991 der Höhepunkt seiner Karriere. Es war der Moment, in dem er sich aus dem Schatten von Becker löste und selbst zu einer deutschen Tennislegende wurde.
Spieler/in: | Wettbewerb: | Wimbledon-Titel: | Jahre: |
Boris Becker | Herren-Einzel | 3 | 1985, 1986, 1989 |
Michael Stich | Herren-Einzel | 1 | 1991 |
Steffi Graf | Damen-Einzel | 7 | 1988, 1989, 1991, 1992, 1993, 1995, 1996 |
Angelique Kerber | Damen-Einzel | 1 | 2018 |
Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Triumph von Michael Stich richtet sich der deutsche Blick nun auf Alexander Zverev. Der Hamburger hat in diesem Jahr mit seinem ersten Grand-Slam-Titel bei den French Open 2026 Geschichte geschrieben und geht nun mit neuem Selbstvertrauen nach Wimbledon. Nach diesem Durchbruch hat Zverev spürbar Blut geleckt: Er weiß jetzt, dass er auch die ganz großen Turniere gewinnen kann.
Die Ausgangslage ist spannend. Carlos Alcaraz fehlt in Wimbledon weiterhin wegen einer Handgelenksverletzung. Jannik Sinner bleibt als Titelverteidiger und Weltranglistenerster ein großer Favorit, doch nach seinem schwierigen French-Open-Verlauf und ohne optimale Vorbereitung auf Rasen könnte auch für Zverev eine Tür aufgehen.
Der Rasen ist allerdings nicht Zverevs Lieblingsuntergrund. In Wimbledon hat er bislang noch nicht den ganz großen Lauf hingelegt. Dazu kommt eine besondere Herausforderung: Zverev sprach offen darüber, dass er eine Grasallergie hat und deshalb mit Medikamenten antreten muss. Trotzdem ist er gut ins Turnier gestartet und will nun zeigen, dass sein French-Open-Titel kein einmaliger Ausreißer war.
Trotz allem ist Zverev jetzt in einer neuen Phase seiner Karriere. Der erste Grand-Slam-Titel hat ihm eine Last genommen. Jetzt geht es darum, ob er auch auf Rasen den nächsten Schritt machen kann. Für das deutsche Tennis wäre ein tiefer Lauf in Wimbledon historisch. Seit Michael Stich 1991 hat kein deutscher Herrenprofi mehr den Titel geholt. Zverev hat die Qualität, diese Geschichte neu zu schreiben, auch wenn der Weg auf dem heiligen Rasen alles andere als einfach wird.
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