Jannik Sinner ist bei den French Open sensationell in Runde 2 ausgeschieden, Carlos Alcaraz fehlt verletzt, Novak Djokovic ist veraltet und damit öffnet sich für Alexander Zverev wohl die größte Grand-Slam-Chance seiner Karriere.
Die French Open sind auf einen Schlag wieder völlig offen. Jannik Sinner, die Nummer 1 der Welt und der klare Favorit auf den Titel, ist am Donnerstag sensationell schon in der 2. Runde ausgeschieden.
Dabei sah zunächst alles nach einem lockeren Sieg aus: Sinner gewann die ersten beiden Sätze 6:3, 6:2 und führte im dritten bereits 5:1. Dann bekam der Italiener in der Pariser Hitze körperliche Probleme, nahm eine Medical Timeout, verlor komplett den Rhythmus und ließ Juan Manuel Cerundolo tatsächlich noch zurück ins Match kommen. Der Argentinier drehte die Partie mit 7:5, 6:1, 6:1 in den letzten 3 Sätzen und sorgte für den größten Schock des bisherigen Turniers.
Damit hat sich die Lage im Herrenfeld radikal verändert. Carlos Alcaraz fehlt in Paris verletzungsbedingt mit einer Handgelenksverletzung ohnehin komplett, und nun ist auch Sinner weg. Das bedeutet: Die beiden Spieler, die in den letzten Monaten alles gewonnen haben, sind aus dem Weg. Genau deshalb richtet sich der Blick jetzt sofort auf die Nummer 3 der Welt, Alexander Zverev. Für ihn ist das nicht einfach nur eine gute Gelegenheit, sondern womöglich die beste verbliebene Grand-Slam-Chance seiner Karriere.
Zverev ist seit Jahren nah dran, aber eben nie ganz durchgekommen. Er hat große Titel gewonnen, Olympiagold geholt, ATP Finals gewonnen und sich auf der Tour längst als absoluter Spitzenspieler etabliert. Aber im wichtigsten Moment hat es bei Grand Slams bislang nie gereicht.
Gerade deshalb ist dieses Roland-Garros-Turnier so brisant. Auf Sand fühlt sich Zverev traditionell am wohlsten, in Paris stand er 2024 bereits im Finale, und diesmal ist das Feld deutlich offener als noch vor wenigen Wochen. Wenn eine Gelegenheit wie diese nicht reicht, wird man zwangsläufig fragen müssen, wann genau sie denn überhaupt noch kommen soll.
Jahr: | Turnier: | Begegnung | Ergebnis: |
2020 | US Open | Dominic Thiem | 6:2, 6:4, 4:6, 3:6, 6:7 |
2024 | French Open | Carlos Alcaraz | 3:6, 6:2, 7:5, 1:6, 2:6 |
2025 | Australian Open | Jannik Sinner | 3:6, 6:7, 3:6 |
Dass Zverev in den vergangenen Monaten oft wie der „ewige Dritte“ wirkte, hat viel mit den direkten Duellen gegen Sinner zu tun. Der Italiener hat die letzten 8 Duelle in Serie gegen Zverev gewonnen. Besonders schmerzhaft war erst vor wenigen Wochen das Finale von Madrid, in dem Sinner Zverev mit 6:1, 6:2 regelrecht auseinandernahm.
Genau deshalb verändert Sinners Aus dieses Turnier so stark. Zverev muss nun nicht mehr auf den Spieler schauen, an dem er zuletzt immer wieder gescheitert ist. Die größte mentale und spielerische Hürde ist plötzlich weg. Und damit steigt automatisch auch der Druck. Denn wenn der dominierende Mann der Saison nicht mehr im Feld steht, wird aus einer guten Auslosung schnell eine Pflichtchance.
Natürlich ist Zverev nicht der Einzige, der jetzt neu rechnen wird. Novak Djokovic ist mit 39 Jahren zwar nicht mehr der physisch dominante Spieler früherer Jahre, aber er ist weiter im Turnier und jagt noch immer seinen 25. Grand-Slam-Titel. Gerade in einem offenen Feld bleibt Djokovic automatisch gefährlich, schon allein wegen seiner Erfahrung und seiner Fähigkeit, sich in Grand-Slam-Wochen von Runde zu Runde zu steigern.
Neben Zverev und Djokovic gibt es weitere Spieler, die nun ganz anders auf Paris blicken dürften. Casper Ruud gehört dazu, schon allein wegen seiner Sandplatzqualität und seiner 2 Finals in Paris. Wenn das Feld offener wird, ist er automatisch wieder ein ernsthafter Faktor. Auch der junge Spanier Rafael Jodar bekommt plötzlich noch mehr Aufmerksamkeit. Er hatte schon zum Auftakt mit seinem ersten Hauptfeldsieg in Paris Eindruck gemacht und gilt als eines der spannendsten Talente auf Sand.
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