Peking wird zum Epizentrum des Damentennis. Es bleiben nur noch wenige Chancen, sich ein Ticket für die Finals in Riad zu sichern. Wer trotzt dem Druck, wer bricht ein?
Wenn die Tennissaison in die entscheidende Phase geht, steigt naturgemäß die Spannung ins Unermessliche. Der September bringt nicht nur herbstliche Temperaturen, sondern mit den China Open auch eines der prestigeträchtigsten Turniere auf Hartplatz. In seiner 19. Auflage gilt es als Herzstück des asiatischen Swings. Diesmal ist die Bühne größer denn je: 96 Spielerinnen, ein Preisgeld von fast neun Millionen Dollar und 1.000 Weltranglistenpunkte für die Siegerin. Kurz gesagt: Wer in Peking performt, schreibt seine Geschichte für 2025.
Das China Open erstreckt sich über stolze zwölf Tage, vom 24. September bis zum 5. Oktober. Zwei Tage Qualifikation eröffnen den Reigen, bevor das Hauptfeld an den Start geht. Die Top 32 der Setzliste genießen ein Freilos und haben somit eine erste Verschnaufpause, während die restlichen 64 Spielerinnen sofort alles geben müssen. Wer sich bis in die zweite Turnierhälfte kämpft, darf sich am 2. Oktober auf die Halbfinals freuen. Das große Finale unter Flutlicht steigt am 5. Oktober.
Eigentlich sollte die Frage „Wer spielt?” leichter zu beantworten sein als „Wer nicht?”. Zwar fehlen mit Aryna Sabalenka, der Nummer eins der Welt, und Madison Keys zwei Hochkaräterinnen. Doch der Rest des Who’s who hat fest zugesagt. Das Feld wird von Iga Swiatek angeführt, die in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt hat, dass sie auf Hartplatz ebenso gnadenlos agieren kann wie bei den French Open. An ihrer Seite spielen die US-Open-Siegerin Coco Gauff, das russische Wunderkind Mirra Andreeva und die konstant starke Jessica Pegula.
Auch die Gastgeber dürfen sich freuen: Zheng Qinwen kehrt nach einer längeren Pause seit Wimbledon zurück und möchte vor heimischem Publikum ihre Schlagkraft unter Beweis stellen. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Wimbledon-Siegerin Elena Rybakina und Italiens Energiebündel Jasmine Paolini.
Und dann gibt es noch jene Spielerinnen, die Geschichte schreiben könnten. Paula Badosa meldet sich zurück und Naomi Osaka, die in New York das Halbfinale erreicht hat, will beweisen, dass sie endgültig wieder dazugehört. Mit von der Partie ist auch Montreal-Siegerin Victoria Mboko, die das Feld gehörig durcheinanderwirbeln könnte.
Wer glaubt, dass es bei den Top-Namen aufhört, irrt sich gewaltig. Das Feld ist gespickt mit früheren Grand-Slam-Siegerinnen, die jederzeit explodieren können: Dazu gehören Jelena Ostapenko, Sofia Kenin, Emma Raducanu, Bianca Andreescu und Barbora Krejcikova. Jede von ihnen hat bereits bewiesen, dass sie an einem guten Tag die Besten schlagen kann. Für Überraschungen ist also gesorgt.
Mit einem Preisgeld von 8.963.700 Dollar sind die China Open das viertwertvollste WTA-1000-Turnier. Nur Madrid, Miami und Indian Wells liegen darüber. Die Siegerin erhält 1.124.380 Dollar und ebenso wichtige 1.000 Rankingpunkte. Wer das Finale erreicht, sichert sich immerhin noch 650 Zähler. In einer Saisonphase, in der jeder Punkt über die Teilnahme an den Finals entscheiden kann, hat jede Runde Gewicht. Selbst der Einzug ins Achtelfinale bringt noch 120 Punkte und könnte damit den Unterschied machen.
Wer kann die Lücke nutzen, die Sabalenka hinterlässt? Kann Swiatek ihre Favoritenrolle bestätigen oder schafft es eine Außenseiterin wie Mboko, die Tenniswelt zu verblüffen? Wie weit trägt das chinesische Publikum Zheng Qinwen durch das Turnier? Und nicht zuletzt: Wird Naomi Osaka auf der großen Bühne tatsächlich wieder zur Dauerbedrohung?
Noch bevor die erste Kugel geschlagen wurde, wirkt das Turnier wie eine Vorschau auf die Finals in Riad. Jede Partie könnte zum Charaktertest werden, jeder Sieg könnte die Initialzündung für die letzten Wochen des Jahres sein. Klar ist: Das China Open ist kein Zwischenschritt. Es ist ein Showdown, ein Lackmustest und möglicherweise schon die erste Vorentscheidung um die Krone der Saison.
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