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Tennis
  1. TENNIS

Wer setzt den Lauf in Cincinnati fort?

Jasmine Paolini und Veronika Kudermetova sind zwei Spielerinnen, die in Cincinnati für Furore sorgen. Doch wessen Lauf wird enden und wessen Traum wird kurz vor dem Finale platzen?

Wem gehört die Bühne in Cincinnati? Jasmine Paolini oder Veronika Kudermetova? Zwei Spielerinnen, die mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in dieses Halbfinale gehen, treffen aufeinander, und das Versprechen eines packenden Duells liegt in der Luft.

Paolini hat in dieser Woche nicht einfach gewonnen, sie hat ganze Gewitterfronten überstanden. Coco Gauff und Barbora Krejcikova, beide Grand-Slam-Championinnen, mussten nach Niederlagen gegen die Italienerin das Turnier verlassen. Mit 2:6, 6:4, 6:3 gegen Gauff schaffte sie bereits ihr drittes Comeback gegen eine Top-10-Spielerin und das allein in diesem Jahr. 62 unerzwungene Fehler und 16 Doppelfehler der US-Amerikanerin mögen ihren Teil dazu beigetragen haben, doch Paolini war hellwach, geduldig und eiskalt, wenn es darauf ankam.

Die 29-Jährige surft derzeit auf einer Welle italienischer Tennis-Euphorie. Während Sara Errani ihr als Doppelpartnerin von der Seitenlinie aus zujubelt, sorgt Jannik Sinner parallel bei den Herren für historische Schlagzeilen. Erstmals in der Open Era stehen sowohl eine Italienerin als auch ein Italiener gleichzeitig im Halbfinale von Cincinnati.

Und doch: Auch Paolinis Weg war nicht ohne Stolpersteine. Drei ihrer vier Halbfinalteilnahmen in diesem Jahr endeten mit Niederlagen, allerdings gegen niemand Geringere als Aryna Sabalenka und Iga Świątek. Gegen Spielerinnen dieses Kalibers darf man verlieren. Umso wertvoller ist der aktuelle Lauf, der mit fünf Siegen in Folge ihr längstes Erfolgsstreben seit fast zwei Jahren markiert. Schon zweimal stand sie in einem WTA-1000-Finale und holte beide Male den Titel: 2023 in Dubai und in diesem Jahr in Rom. Warum also nicht auch in Cincinnati?

Die Antwort darauf könnte Veronika Kudermetova liefern. Die Russin hat sich völlig ungesetzt in dieses Halbfinale vorgekämpft und dabei reihenweise Favoritinnen wie Belinda Bencic, Clara Tauson und Magda Linette aus dem Weg geräumt. Ihre größte Waffe ist der Aufschlag. Nur Elena Rybakina hat im Turnier mehr Asse geschlagen. Noch beeindruckender ist ihre Quote beim zweiten Aufschlag: Über 61 Prozent der Punkte hat sie damit gewonnen, das ist die beste Ausbeute aller Halbfinalistinnen.

Dass Kudermetova gefährlich werden kann, weiß Paolini genau. Zweimal sind die beiden bereits aufeinandergetroffen, zweimal gewann die Russin. Doch das liegt vier Jahre zurück, ausgerechnet in Cincinnati. Seither haben sich beide Karrieren neu sortiert. Kudermetova, 28, war einst Teil der Top 10, ehe sie abrutschte. Nun klopft sie wieder an: Mit einem Sieg stünde sie wieder in den Top 25, mit dem Titel sogar in den Top 20.

Im Halbfinale treffen somit zwei Geschichten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Hier die Spätstarterin Paolini, die mit 29 Jahren plötzlich zum Aushängeschild einer goldenen italienischen Generation geworden ist, und dort die ehemalige Hoffnungsträgerin Kudermetova, die auf ihre zweite Chance drängt.

Wer hat die besseren Karten? Paolinis Vielseitigkeit ist unbestritten. Grand-Slam-Finals auf Sand und Rasen in einer Saison erreichen nur Spielerinnen, die ihr Spiel auf jedem Belag neu erfinden können. Dazu kommt ihre Erfahrung im Gewinnen großer Titel. Doch Kudermetovas Aufschlagspiel ist ein Risiko, das Paolini nicht unterschätzen darf. Schon kleine Nachlässigkeiten könnten ausreichen, um den Rhythmus zu verlieren.

Vielleicht ist am Ende die mentale Verfassung entscheidend. Paolini wirkt derzeit beflügelt, fast so, als könne sie gar nicht verlieren. „Newsflash: Sie ist gerade extrem selbstbewusst“, hieß es nach ihrem Erfolg im Viertelfinale. Ein Gefühl, das sie in Energie umwandelt. Kudermetova hingegen hat ihre letzten neun Matches gegen Spielerinnen aus den Top 10 verloren. Bricht dieser Bann nun oder hält Paolini ihre Siegesserie aufrecht?

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