Giovanni Trapattoni hat den internationalen Fußball als Spieler und vor allem als Trainerlegende mit Stationen in Italien, Deutschland, Portugal, Irland und beim Vatikan maßgeblich geprägt.
Wer in Deutschland den Namen Giovanni Trapattoni hört, denkt oft zuerst an die Wutrede von 1998, doch der Mann, den man in Italien ehrfürchtig „il Trap” nennt, ist viel mehr als ein Zitatlieferant. Trapattoni ist eine der prägendsten Figuren des europäischen Fußballs: ein disziplinierter Stratege, der fast überall Titel holte, wo er auf der Trainerbank Platz nahm.
Giovanni Luciano Giuseppe Trapattoni wurde 1939 in Cusano Milanino nahe Mailand geboren. Der frühe Tod seines Vaters zwang ihn bereits mit 14 Jahren, zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Eine Karriere in der Druckerei schien greifbar, doch ein Trainer hielt ihn beim Fußball. Zum Glück. Denn Trapattoni entwickelte sich nicht nur zu einem soliden Verteidiger beim AC Mailand, sondern später auch zur Trainerlegende von Juventus Turin, Inter Mailand und dem FC Bayern München.
Mit Juventus Turin gewann er den Scudetto gleich sechsmal, mit Inter Mailand ein weiteres Mal. Dazu kommen Triumphe im Landesmeistercup, drei UEFA-Cup-Siege sowie Meisterschaften in Deutschland, Portugal und Österreich. Bis heute gilt er als einer der erfolgreichsten italienischen Trainer aller Zeiten.
Sein Weg nach Deutschland führte ihn 1994 zunächst zum FC Bayern München. Als erster italienischer Trainer in der Bundesliga betrat Trapattoni mit 57 Jahren Neuland, sprachlich wie sportlich. Seine Mühe mit der deutschen Grammatik ist legendär, doch seine Professionalität stand nie in Frage.
1997 führte er die Bayern zur Deutschen Meisterschaft, holte den DFB-Pokal und gewann die Herzen der Fans. Trotz aller Erfolge war ihm bewusst: Die Sprachbarriere war eine seiner größten Herausforderungen. „Mehr war einfach nicht möglich”, sagte er bei seinem Abschied in bestem Trapattoni-Deutsch.
Unvergessen bleibt natürlich sein emotionaler Ausbruch im März 1998, als er nach einer Niederlage gegen den FC Schalke 04 auf einer Pressekonferenz explodierte. „Was, erlaube, Strunz?”, „Spieler wie eine Flasche leer”, „Ich habe fertig”, seine Aussagen wurden Teil der Popkultur. Was oft belächelt wurde, zeigte jedoch auch Trapattonis tiefes Engagement und seine Erwartungshaltung in Bezug auf Disziplin und Leistung.
Nach seiner Zeit beim FC Bayern wurde Trapattoni zum Weltenbummler unter den Trainern. Er trainierte Florenz, war italienischer Nationalcoach, holte mit Benfica Lissabon nach elf Jahren die Meisterschaft und führte gemeinsam mit Lothar Matthäus Red Bull Salzburg zum Titel. Selbst mit 72 Jahren übernahm er noch einmal eine große Aufgabe: Als Nationaltrainer führte er Irland zur Europameisterschaft, eine historische Leistung für die „Boys in Green”.
Dabei blieb er seiner Linie immer treu: diszipliniert, religiös, loyal. Selbst die Nationalmannschaft des Vatikanstaats betreute er gelegentlich, eine wohl einzigartige Randnotiz in einer von Pokalen geprägten Karriere. Für Trapattoni war Fußball nie nur Beruf, sondern Berufung.
Seine Frau Paola wünschte sich zum Ende seiner Karriere mehr Zeit zu Hause. So klang Trapattonis Laufbahn leise aus, irgendwo zwischen Toskana und Cusano Milanino, aber nie ohne Fußball im Herzen.
Giovanni Trapattoni steht für eine Ära im Weltfußball: Er war als Spieler erfolgreich, als Trainer ein Taktikfuchs und als Mensch charmant und leidenschaftlich. Ob als Legende bei Juventus Turin, als Pionier in der Bundesliga, als Mentor in Irland oder als Symbolfigur des internationalen Fußballs. Trapattonis Einfluss reicht weit über seine Zitate hinaus. Er war nie ein Mann vieler Worte, aber wenn er sprach, hörte die Fußballwelt zu.
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