Mit 45 Jahren, sieben Grand-Slam-Titeln und einem Geheimnis auf den Lippen kehrt Venus Williams ausgerechnet in Washington auf die Tennisbühne zurück. Doch was treibt sie an? Was können wir erwarten?
Die Rückkehr einer Legende fühlt sich selten so leichtfüßig an. Venus Williams, Ikone, Pionierin und Rätsel in einer Person, steht nach 16 Monaten Pause, gesundheitlichen Rückschlägen und einer Karriere, die längst alles bewiesen hat, wieder auf dem Court. Und doch ist sie zurück. „Why not?“, sagt sie mit einem Lächeln. Dieser Satz bringt das ganze Comeback auf den Punkt.
Venus gibt sich keine große Bühne für große Erklärungen. In Washington, beim WTA 500 Mubadala Citi DC Open, schlägt sie zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder auf. Kein „Ich will’s nochmal wissen“, kein Abschiedsturnier mit Fanfaren. Sondern ein simples: „Ich liebe das Spiel, besonders auf Hartplatz, das ist mein Zuhause.“
Warum D.C.? Die Antwort ist pragmatisch. Sie kennt die Stadt, hat hier für die Washington Kastles gespielt und lokale Projekte unterstützt. Zudem hat sie den Turnierdirektor selbst angerufen, um sich nach der Wildcard zu erkundigen. „Ich habe in den letzten Jahren viele Angebote abgelehnt. Aber diesmal? Ich hatte trainiert. Ich war bereit“, erzählt sie.
Wer meint, Venus’ Auftritt sei ein letztes Aufbäumen, liegt falsch. Sie hat Pläne, die sie jedoch nicht verrät. „Ich weiß, was ich will, aber ich muss nicht alles sagen. Ich bin im Moment, und wer weiß, vielleicht kommt noch mehr.“ Es klingt nicht nach Sentimentalität. Es klingt nach jemandem, der sich nicht verabschieden will, weil er nie ganz weg war.
Nach nur 37 Matches in sechs Jahren, davon zwei im Jahr 2024, ist der Körper ein entscheidender Faktor. Und trotzdem glaubt sie noch an sich. „Ich bin immer noch dieselbe Spielerin. Ich schlage hart, das ist mein Spiel. Jetzt geht es nur noch darum, den Ball im Feld zu halten.“
Wer wissen will, wie Venus Williams heute Erfolg definiert, erhält keine Antwort in Zahlen. Sondern mit Haltung. „Spaß haben, den Moment genießen, an mich glauben, das ist der Sieg.“ Kein Druck, kein „Muss“. Nach gesundheitlich schweren Monaten klingt das fast wie ein innerer Neuanfang. Sie will kämpfen, aber zu ihren Bedingungen.
Wenn Venus über den Platz läuft, folgen Schatten. Die Schatten ihrer eigenen Karriere: fünf Wimbledon-Titel, zwei US-Open-Siege, 16 Major-Doppeltitel und vier olympische Goldmedaillen. Und dann ist da noch dieser unsichtbare Schatten, der größer ist als sie selbst: ihre Wirkung auf Generationen junger schwarzer Spielerinnen.
Hailey Baptiste, Clervie Ngounoue und Taylor Townsend nennen die Williams-Schwestern allesamt als Inspiration. Venus ist sich dieser Rolle bewusst, hat sie aber nie angestrebt. „Ich wollte nur spielen. Dass es so viel größer wurde als ich selbst, das hätte ich nie gedacht.“ Jetzt, wo sie sieht, wie ihre Nachfolgerinnen eigene Wege gehen, spricht sie von „Eis auf dem Kuchen, Kirschen obendrauf und Nüssen dazu, einfach wunderschön“.
Die Antwort bleibt wie so oft bei Venus vage. Vielleicht ist dieses Comeback der Auftakt zu einem kleinen Sommer der Nostalgie. Vielleicht ist es aber auch nur ein einmaliges Leuchten. Doch wer Venus Williams in Washington erlebt hat, weiß: Das Feuer brennt noch. Leise, aber entschlossen.
Sie spielt gegen die 22-jährige Peyton Stearns, die zu den Aufstrebenden gehört, ein Match der Generationen. Ein symbolischer Auftakt. Venus spielt nicht für Trophäen. Sie spielt aus Liebe zum Spiel. Für das Gefühl, sich selbst zu überwinden. Für all das, was Tennis ihr gegeben hat und was sie uns allen zurückgibt.
Wenn die Frage bleibt, warum sie das alles noch einmal auf sich nimmt, Sonne, Schweiß, Schmerzen, dann reicht ihre Antwort: „Why not?“
Wett-Credits nach Abrechnung von Wetten im Wert der qualifizierenden Einzahlung zur Nutzung verfügbar. Gewinne schließen den Einsatz von Wett-Credits aus. Es gelten die AGB, Zeitlimits und Ausnahmen.