Iga Swiatek ist ins Finale von Cincinnati gerauscht, doch ausgerechnet Jasmine Paolini könnte ihr gefährlich werden. Hat die Italienerin das Zeug, die Übermacht der Polin zu brechen?
Wer die Halbfinals von Cincinnati gesehen hat, bekam gleich zwei Geschichten in einer Nacht serviert: Zum einen die alte Gewissheit, dass Iga Swiatek selbst aus brenzligen Situationen einen Ausweg findet, zum anderen die neue Hoffnung, dass Jasmine Paolini sich von großen Namen nicht einschüchtern lässt. Nun treffen beide im Endspiel aufeinander und die Frage liegt in der Luft: Setzt sich Routine und Dominanz durch oder erleben wir die Überraschung des Sommers?
Elena Rybakina begann ihr Halbfinale furios, servierte präzise und führte schnell mit 5:3, sodass es aussah, als könnte Swiatek den ersten Satz aus den Händen gleiten lassen. Doch wer die Polin kennt, weiß: Genau hier beginnt oft ihre wahre Stärke. Sie rückte beim Return einige Schritte zurück, zwang Rybakina zu längeren Ballwechseln und drehte die Partie komplett. Am Ende stand ein 7:5, 6:3, mit dem Swiatek ihre 13. Finalteilnahme bei einem WTA-1000-Turnier perfekt machte.
Dass sie nun schon zum dritten Mal in den letzten vier Turnieren das Endspiel erreicht hat, spricht Bände. Und die Statistik wird für Paolini nicht angenehmer: In bislang fünf Duellen hat Swiatek jedes einzelne gewonnen, zehn der elf Sätze gingen an die Polin.
Swiatek reist nicht nur als vierfache French-Open-Siegerin und sechsfacher Grand-Slam-Champion in dieses Finale, sondern kann auch mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. 50 Siege gegen Top-10-Spielerinnen hat sie bereits gesammelt und in Cincinnati hat sie bisher keinen einzigen Satz verloren. Mit dem Triumph über Rybakina hat sie sich zudem den Platz bei den WTA Finals in Riad gesichert und kehrt in den Rankings auf Position zwei zurück. Ein perfekter Aufbau für die unmittelbar bevorstehenden US Open.
Gerade solche scheinbar makellosen Voraussetzungen bergen jedoch eine Gefahr: den Moment der Nachlässigkeit. Gegen Paolini, die keinerlei Druck verspürt, könnte dieser teuer werden.
Sie geht mit dem Selbstvertrauen einer Spielerin ins Finale, die in diesem Turnier bereits Schwergewichte beseitigt hat. Coco Gauff und Barbora Krejcikova, beide zweifache Grand-Slam-Siegerinnen, mussten gegen sie die Segel streichen. Auch Maria Sakkari und Ashlyn Krueger konnte sie ausschalten. Im Halbfinale setzte sie sich in drei Sätzen gegen Veronika Kudermetova durch.
Das Muster ist klar: Paolini marschiert unbeirrt weiter, egal wie groß der Name ihrer Gegnerin ist. Mit 29 Jahren erlebt sie ihre bislang beste Saison, hat ihre Siegquote im Vergleich zum Vorjahr gesteigert und glänzt vor allem bei den großen Turnieren. 20 Siege auf WTA-1000-Ebene hat in diesem Jahr nur Swiatek und Sabalenka vorzuweisen, sowie die junge Mirra Andreeva.
Was braucht es, um Swiatek zu stoppen? Paolini selbst gibt die Antwort: „Ich muss mein Spiel auf ein wirklich hohes Niveau bringen, aggressiv beginnen, gut servieren und jeden einzelnen Punkt fokussiert spielen.“ Das klingt simpel, ist in der Realität jedoch ein Kraftakt. Swiateks Vorhand dominiert traditionell ihre direkten Duelle und ihre Bewegung gilt als Benchmark auf der Tour.
Doch Paolini bringt zwei Qualitäten mit, die gefährlich sein können: den Mut, ohne zu zögern anzugreifen, und die Erfahrung, in großen Finals die Nerven zu bewahren. Zweimal stand sie zuvor in einem WTA-1000-Finale, zweimal verließ sie den Platz als Siegerin. Ihre persönliche Finalbilanz könnte also der psychologische Knackpunkt sein.
Alles spricht für Swiatek und genau darin liegt die Würze. Denn Paolini hat schon mehrfach bewiesen, dass sie sich in der Rolle der Außenseiterin wohlfühlt. Sollte es ihr gelingen, Swiatek früh aus dem Rhythmus zu bringen und deren Defensive nicht zum Einsatz kommen zu lassen, könnte Cincinnati tatsächlich Schauplatz einer großen Wende werden.
Am Montagabend wissen wir mehr. Setzt Swiatek ihre Dominanz fort und nimmt den nächsten Pokal mit nach Hause? Oder schreibt Paolini ein Kapitel, das ihr endgültig den Platz im Kreis der ganz Großen sichert?
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