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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Stricker vor Davis Cup angespannt

Während Dominic Stricker im Davis Cup um Selbstvertrauen kämpft, formt Daniil Medvedev sein Team neu. Zwei Karrieren im Umbruch, zwei Geschichten voller Fragen: Wer schafft den ersehnten Neuanfang?

Es gibt Momente, in denen Karrieren an einem Scheideweg stehen. Eine solche Phase erlebt derzeit Dominic Stricker. Der junge Schweizer, der einst als Hoffnungsträger gefeiert wurde, steht nach Verletzungen, Veränderungen in seinem Umfeld und einer sportlichen Durststrecke plötzlich dort, wo er nie hinwollte: außerhalb der großen Bühne. Rang 244 in der Weltrangliste ist ein harter Absturz für den ehemaligen Junioren-Champion der French Open. Und doch könnte das bevorstehende Davis-Cup-Duell in Biel gegen Indien der Beginn eines Turnarounds sein.

Stricker selbst spricht von „keiner leichten Phase”. Worte, die schwer wiegen, wenn man bedenkt, dass er bereits mit 23 Jahren mit hohen Erwartungen zu kämpfen hat, mit denen andere erst viel später konfrontiert werden. Verletzungen rissen ihn immer wieder aus dem Rhythmus, gleichzeitig zerbrach das vertraute Gefüge. Die Familie, die bislang alles regelte, ist nicht mehr Teil des Teams. Stattdessen gibt es ein neues Management, einen neuen Coach und ein neues Umfeld. Alles auf Anfang und doch herrscht so viel Unruhe.

Gerade deshalb erscheint der Davis Cup wie ein rettender Anker. Hier geht es nicht nur um Ranglistenpunkte oder persönliche Siege, sondern um das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Stricker weiß, dass ein Erfolg mit den Teamkollegen, angeführt von Kapitän Severin Lüthi und Jérôme Kym, auch sein eigenes Selbstvertrauen zurückbringen könnte. Der Ausfall von Leandro Riedi schmerzt, doch vielleicht liegt in dieser Lücke auch die Chance für Stricker, wieder in die Führungsrolle zu wachsen.

Während der Schweizer also auf eine neue sportliche Stabilität hofft, kämpft Daniil Medvedev auf der anderen Seite der Tenniswelt mit seinen eigenen Dämonen. Der Russe, der einst eine feste Größe unter den Top Ten war, hat seit über zwei Jahren keinen Titel mehr gewonnen. Die Fans erinnern sich noch gut an seinen emotionalen Ausbruch bei den US Open. Ein weiterer Beweis, dass die Nerven blank liegen.

Doch Medvedev wäre nicht Medvedev, wenn er nicht handeln würde. Kaum war die Trennung von Langzeitcoach Gilles Cervara vollzogen, stand mit Thomas Johansson bereits ein neuer Trainer an seiner Seite. Johansson, selbst Grand-Slam-Sieger, soll frischen Wind bringen. Die Überraschung folgte jedoch auf dem Trainingsplatz: Plötzlich tauchte auch Rohan Goetzke auf, ein erfahrener Coach, der bereits mit Richard Krajicek zusammengearbeitet hat. Ob er länger bleibt oder nur Impulse setzt, ist offen. Doch allein die Bilder machten klar: Medvedev will nichts dem Zufall überlassen.

Der Zeitpunkt für diesen Umbruch ist brisant. Drei Turniere in China stehen an, darunter die prestigeträchtigen Stationen in Peking und Shanghai. Bereits beim 250er in Hangzhou werden erste Antworten erwartet. Wird Medvedevs neues Trainerteam die richtigen Stellschrauben finden? Oder bleibt es bei der Suche nach dem verlorenen Rhythmus?

So unterschiedlich die Geschichten von Stricker und Medvedev auch wirken mögen, sie haben eine Gemeinsamkeit: Beide stehen im Jahr 2025 für das Gefühl, dass im Tennis nichts sicher ist. Ein junger Spieler, der den Anschluss zurückgewinnen will. Ein erfahrener Champion, der sich neu erfinden muss. Beiden fehlt derzeit das, was Sportler am dringendsten brauchen. Vertrauen in den eigenen Weg.

Und genau das macht die kommenden Wochen so spannend. Stricker kämpft um die Zugehörigkeit zum Team und eine Rückkehr in die Topregionen des Rankings. Medvedev sucht nach Antworten und dem Glauben, dass er wieder große Titel gewinnen kann. Ob in Biel oder in China. Für beide geht es jetzt nicht nur um Siege, sondern auch um ein Stück ihrer sportlichen Identität.

Eins ist sicher: Wer sie scheitern sehen will, sollte genau hinschauen. Denn gerade in Phasen des Zweifels entstehen oft die größten Geschichten.

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