Zum zweiten Grand Slam des Jahres hat Jannik Sinner im dritten Versuch zum ersten Mal Carlos Alcaraz dieses Jahr geschlagen und so den Titel in Wimbledon gesichert.
Momentan gibt es im Tennis eigentlich nur Alcaraz oder Sinner, wenn es um Grand Slam-Turniere geht und dabei war gerade in den letzten Monaten immer Alcaraz dem Italiener ein Schritt voraus. Umso wichtiger war der Sieg des Italieners in London. Sinner kam in das Finale als Underdog. Der Italiener hatte noch nie groß auf dem Grün gepunktet, währenddessen gewann Alcaraz schon letztes Jahr in Wimbledon. Dazu gewann der Spanier das direkte Duell in Rom und in Paris. Doch in London hielt Sinner an seiner Führung fest. Nach einem holprigen Start holte er sich erst den Ausgleich und marschierte dann zum Sieg mit 4:6, 6:4,6:4 und 6:4. Es ist seine erste Krone in Wimbledon, die ihn auch in der Rangliste weiterhin den ersten Platz sichert.
Nach der Partie sagte dabei ein emotionaler Sinner: „Es ist vor allem emotional, weil ich in Paris eine sehr schwere Niederlage erlitten habe. Aber letzten Endes ist es egal, wie man bei wichtigen Turnieren gewinnt oder verliert. Man muss einfach verstehen, was man falsch gemacht hat und versuchen, daran zu arbeiten, und genau das haben wir getan. Wir haben versucht, die Niederlage zu akzeptieren und einfach weiterzuarbeiten. Das ist sicher einer der Gründe, warum ich diese Trophäe hier in der Hand halte.“
Das Duell nahm sofort Fahrt auf: Alcaraz diktierte die ersten Ballwechsel mit seinem druckvollen Vorhand-Kick, setzte Sinner im dritten Spiel per Stoppball unter Zugzwang und holte sich das frühe Break, das ihm den Auftaktsatz sicherte. Danach schaltete der Südtiroler jedoch einen Gang höher. Er rückte näher an die Grundlinie, nahm dem Spanier Zeit, traf 83 Prozent erste Aufschläge im zweiten Durchgang und verwandelte bei 5:4 seinen ersten Breakball mit einem krachenden Rückhand-Passierball. Die Partie kippte spürbar: Sinner fand nun regelmäßig die Linie mit der langen Vorhand, während Alcaraz’ Fehlerquote stieg, allein im dritten Satz 14 unerzwungene Fehler bei langen Rallyes über zehn Schläge.
Der Schlüssel lag im Return. Immer wenn Sinner den zweiten Aufschlag des Spaniers attackierte, bog der Punkt in seine Richtung. Im entscheidenden vierten Satz wehrte der Weltranglistenerste bei 2:2 einen Breakball mit einem Service-Winner ab, zeigte danach aber Nervenstärke: Er nutzte seine eigene Chance im siebten Spiel, als Alcaraz eine Vorhand ins Netz setzte. Mit 15 Assen, 34 Winnern und nur 18 unerzwungenen Fehlern hielt Sinner den Druck konstant hoch und servierte nach drei Stunden zehn Minuten zum Titel aus. Als der letzte Ball des Spaniers weit segelte, ballte Sinner die Faust und sank auf die Knie.
Auf die Rasensaison folgt eine kurze Übergangsphase, in der parallel auf zwei Belägen gespielt wird: Die Tour kehrt noch einmal auf Sand zurück, wechselt aber gleichzeitig schon auf Hartplatz, die ersten Generalproben für die US-Open-Serie. Jannik Sinner und Carlos Alcaraz legen derweil eine wohlverdiente Pause ein. Wann man beide wieder im selben Tableau sehen wird, ist offen; frühestens könnte das beim Masters-1000 in Montréal/Toronto passieren, realistischer aber wohl beim darauffolgenden Event in Cincinnati.
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