Im Finale von Wimbledon hat Iga Swiatek ihren ersten London-Titel gewonnen und das mit einem unaufhaltsamen 6:0 und 6:0 gegen Amanda Anisimova.
Iga Świątek hat ihren lange unerreichbar wirkenden Wimbledon-Traum mit einer fast unwirklichen Demonstration verwirklicht: In nur 57 Minuten fegte die 24-Jährige Amanda Anisimova mit 6:0 und 6:0 vom Centre Court. Nie zuvor in der Open Era war ein Damenfinale an der Church Road derart einseitig verlaufen; den letzten „Double-Bagel“ hatte es dort 1911 gegeben. Die Polin streckte den Venus Rosewater Dish in den grauen Londoner Himmel, reckte anschließend die Finger zur Sechs – so viele Grand-Slam-Pokale besitzt sie nun – und sprach von einem „surrealen Moment, den wohl niemand erwartet hat“.
Dass sie sich als Rasenkönigin feiern lassen würde, schien bis vor wenigen Wochen abwegig. Ihr bestes Wimbledon-Resultat war ein Viertelfinale 2023 gewesen, oft wirkte ihr topspinlastiges Spiel auf dem flachen Belag zu hoch, die Bewegungen unsicher. Nach der Halbfinal-Niederlage in Roland Garros gegen Aryna Sabalenka trainierte sie deshalb zwei Wochen lang auf den Courts des Rafa-Nadal-Centers in Mallorca, feilte am Aufschlag und arbeitete an kürzeren Antritten. Das Resultat: neun Siege auf Grün in diesem Sommer – mehr als in allen vorherigen Rasensaisons zusammen – und eine neue Selbstverständlichkeit in den schnellen Punkten.
Durchs Turnier pflügte Świątek dann nahezu fehlerfrei. Bis zum Viertelfinale hatte sie erst einen Satz abgegeben; gegen Liudmila Samsonova verteidigte sie einen kurzen Wackler im zweiten Durchgang und siegte 6:2, 7:5. Zwei Tage später überrollte sie die wiedererstarkte Belinda Bencic 6:2, 6:0 und erreichte ihr erstes Wimbledon-Endspiel, während Anisimova im Parallelhalbfinale die Nummer eins Sabalenka ausschaltete. Schon dort war erkennbar, dass Świątek mit zunehmender Überschau agierte: Sie suchte früh den Platz in der Feldmitte, rückte häufiger nach vorn und gewann in beiden Matches über 80 Prozent ihrer Punkte hinter dem ersten Aufschlag.
Im Finale allerdings war die Balance zwischen Angriff und Präzision beinahe klinisch. Świątek traf 78 Prozent erste Aufschläge, machte 90 Prozent der Punkte hinter dem zweiten und erzielte zwölf direkte Vorhand-Winner, viele davon früh im Ballwechsel. Anisimova, selbst eine Rückkehrerin nach ihrer mentalen Auszeit 2023, erstarrte unter der Wucht: 28 unerzwungene Fehler, nur sieben Winner, kaum Zeit für taktische Korrekturen. Nach 23 Minuten stand das erste 6:0, wenig später das zweite. Als das Ergebnis feststand, wirkte die Amerikanerin gleichermaßen enttäuscht und verblüfft; Świątek dagegen gestattete sich erst nach dem Handschlag einen schluckenden Atemzug, als hätte sie selbst nicht ganz fassen können, wie schnell ihr schwierigster Major erledigt war. T
Mit dem Sieg hat die Warschauerin eine historische Marke erreicht: Sie ist erst die achte Spielerin der Open Era, die Grand-Slam-Titel auf allen drei Belägen hält, und die erste seit Serena Williams, die einen Major-Endspiel-Start von 6:0 hinlegt. Außerdem war es ihr 100. Sieg in einem Grand-Slam-Match, ein Meilenstein, den zuvor nur wenige in solchem Tempo erreichten.
Im Presseraum zeigte sich Świątek emotionaler als auf dem Platz. Sie dankte ihrem Team und stichelte zugleich gegen die polnische Presse, die sie nach dem Paris-Aus hart kritisiert hatte: „Ich hoffe, man lässt mich jetzt endlich in Ruhe arbeiten.“ In Richtung ihrer Fans versprach sie, den Rasen fortan jedes Jahr „mit anderen Augen“ zu betreten.Ob der Triumph eine Wachablösung bedeutet, bleibt abzuwarten, doch der symbolische Wert ist enorm. Die einzige Lücke in ihrem Palmarès ist nun Melbourne; holt sie 2026 die Australian Open, vollendet sie den Karriere-Grand-Slam.
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