Drei Stunden Drama, zwei Tiebreaks und am Ende pure Nervenstärke: In Cincinnati setzte sich Aryna Sabalenka gegen Emma Raducanu durch und schrieb damit Tennis-Geschichte.
Es gibt Spiele, die nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch wegen ihrer Entstehung in Erinnerung bleiben. Das Achtelfinalticket von Aryna Sabalenka beim Cincinnati Open war so ein Fall. Drei Stunden und neun Minuten, ein Nervenkrimi über die volle Distanz und zwei Tiebreaks, die kaum spannender hätten sein können. Am Ende stand ein 7:6 (3), 4:6, 7:6 (5) gegen die kämpferische Emma Raducanu.
Was einst als Schwäche galt, ist längst ihre Paradedisziplin. Sabalenka hat in diesem Jahr 18 von 19 solchen Kurzentscheidungen gewonnen. Ein Wert, den in der Open Era bisher keine Spielerin in einer Saison erreicht hat. Auch gegen Raducanu war es wieder die Abgeklärtheit in den entscheidenden Momenten, die den Unterschied machte. Der erste Satz? Zu Beginn gab es ein Break-Festival, dann war ab 5:5 nur noch Hochspannung angesagt. Sabalenka zog im Tiebreak mit 6:1 davon, verwandelte den dritten Satzball und erhöhte ihre Bilanz in Eröffnungs-Tiebreaks 2025 auf 11:0.
Doch wer dachte, die Britin würde nach diesem Start resignieren, sah sich getäuscht. Unter den wachsamen Augen ihres neuen Coaches Francisco Roig, der jahrelang im Team von Rafael Nadal war, blieb sie aggressiv. Nach sechs ausgeglichenen Spielen im zweiten Satz erspielte sie sich drei Breakbälle und nutzte den letzten mit einem druckvollen Return. Mit einem krachenden Ass zum Satzgewinn feierte sie nicht nur das 1:1 in den Sätzen, sondern auch ihren ersten Satzgewinn überhaupt gegen Sabalenka.
Der Entscheidungssatz begann unspektakulär mit sieben souveränen Aufschlagspielen, bis zum achten Spiel. Dort entwickelte sich ein epischer Schlagabtausch mit sage und schreibe 13 Einstandspunkten, vier abgewehrten Breakchancen und einem First Serve von Raducanu, der Sabalenka endgültig zum Verzweifeln brachte. Mit geballter Faust und Blick zur Box setzte Raducanu ein Statement: Sie wollte diesen Sieg.
Und tatsächlich: Über das gesamte Match hinweg sammelte sie sogar mehr Punkte als ihre Gegnerin (125:122). Doch Tiebreaks sind ihre eigene Welt, in der aktuell Aryna Sabalenka regiert. Im finalen Showdown spielte die Weltranglistenzweite ihre ganze Erfahrung aus, setzte aggressive Returns, riskierte viel und wurde belohnt.
Mit nun 49 Saisonerfolgen und fast 100 Stunden Matchzeit hat sie so viel Zeit auf dem Platz verbracht wie keine andere Spielerin auf der Tour in diesem Jahr. Gegen Raducanu war es bereits der dritte Sieg im dritten direkten Duell, und das innerhalb der letzten 18 Monate. Dass sie bei all der Belastung noch immer solche Endspiele in sich trägt, spricht für ihre Fitness und mentale Stärke.
Am Mittwoch wartet mit Jessica Bouzas Maneiro eine Gegnerin, die in der ersten Runde Taylor Townsend klar in zwei Sätzen (6:4, 6:1) besiegte. Die Spanierin ist in Cincinnati bislang ohne Satzverlust, doch gegen Sabalenkas Tiebreak-Stärke wird es schwer.
Trotz der Niederlage darf Raducanu Positives mitnehmen. Es war vielleicht ihr bestes Match seit dem Triumph bei den US Open 2021, voller Mut, Energie und taktischer Disziplin. Der Sieg gegen eine Top-5-Spielerin blieb ihr zwar verwehrt (Bilanz nun 1:11), doch mit Roig an ihrer Seite könnte der Weg zurück in die erweiterte Weltspitze realistisch sein.
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