Die Bundesliga bog am Samstag mit Vollgas auf die Zielgerade ein, doch wer dachte, die Entscheidungen seien gefallen, wurde eines Besseren belehrt.
Der Champagner war kaltgestellt, doch am Ende blieb er ungeöffnet: Der FC Bayern München verpasste die vorzeitige Meisterschaft, weil RB Leipzig in letzter Sekunde zurückschlug. Dabei hatte es zunächst nach einem Happy End für die Münchner ausgesehen. Nach einem 0:2-Halbzeitrückstand kämpften sie sich eindrucksvoll zurück. Innerhalb von 60 Sekunden drehten Eric Dier und Michael Olise das Spiel, Leroy Sané brachte die Gäste sogar in Führung. Die Fans feierten bereits ekstatisch, als Yussuf Poulsen in der vierten Minute der Nachspielzeit eiskalt zuschlug. Endstand: 3:3 und Bayer Leverkusen darf weiter hoffen.
Borussia Mönchengladbach und die TSG Hoffenheim lieferten ein Spiel für die Highlight-Reel. Acht Tore, vier Führungswechsel und ein gefühlter Herzschlag pro Minute: Das 4:4 im Borussia-Park hatte alles, was den Fußball so unberechenbar und elektrisierend macht. Die Gladbacher wollten ihre Heimserie ausbauen, die Hoffenheimer dem Abstiegsgespenst entkommen. Für beide Mannschaften stand viel auf dem Spiel, und das merkte man auch auf dem Platz. Am Ende gab es zwar nur einen Punkt für beide, aber der Eindruck: Dieses Spiel war eine Werbung für den deutschen Fußball.
Mit einem Doppelpack eröffnete Jens Stage den Spieltag für Werder Bremen - und doch reichte es nicht zum Sieg bei Union Berlin. Der Däne traf bereits in der 2. und 15. Minute und stellte damit die Weichen früh auf Sieg. Doch wie so oft in dieser Saison bewies Union Comeback-Qualitäten. Erst verkürzte Tom Rothe, dann glich Lazlo Benes kurz vor Schluss aus. Werder ist zwar seit sechs Spielen ungeschlagen, doch im Rennen um Europa war das 2:2 zu wenig. Union hingegen bleibt die Mannschaft der Stunde: Acht Spiele ohne Niederlage sprechen eine deutliche Sprache.
Fast hätte es geklappt, doch gegen den VfB Stuttgart reichte es für den FC St. Pauli nicht zum endgültigen Befreiungsschlag. In einem umkämpften Spiel machte ausgerechnet ein ehemaliger St. Paulianer den Unterschied: Nick Woltemade traf in der 88. Minute zum 1:0 für Stuttgart. Zuvor hatte der Stürmer bereits vom Elfmeterpunkt verschossen, doch diesmal behielt er die Nerven. Für St. Pauli ist der Klassenerhalt dennoch in greifbarer Nähe. Fünf Punkte Vorsprung bei noch zwei ausstehenden Spielen und das bessere Torverhältnis sind gute Karten, aber noch keine Garantie.
Der Samstag zeigte einmal mehr, warum die Bundesliga so beliebt ist: dramatische Wendungen, späte Tore, offene Rennen. Die Meisterfrage ist vertagt, der Abstiegskampf tobt und selbst im Mittelfeld wird um jeden Punkt gekämpft. Eines ist sicher: Diese Saison wird bis zum letzten Spieltag nichts für schwache Nerven.
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