Manchmal braucht es in München keine Niederlage, um Feuer unterm Dach zu machen, es reicht, wenn Thomas Müller nicht verlängert wird. Nun hat Herbert Hainer Sportdirektor Max Eberl den Rücken gestärkt.
Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern und nach außen hin immer die Ruhe selbst, stellte sich in bester Münchner Manier hinter seinen viel diskutierten Sportdirektor Max Eberl. Während draußen wieder über Macht, Transfers und Müller diskutiert wird, versucht Hainer das, was in München mittlerweile selten geworden ist: den Ball flach zu halten.
„Ich wüsste nicht, warum es nicht so sein sollte“, antwortete Hainer auf die Frage, ob Eberl auch nächste Saison noch im Amt sein werde. Übersetzt heißt das in Bayern: Der Job ist sicher - solange die Ergebnisse stimmen. Denn auch wenn Hainer demonstrativ zur Ruhe mahnt: Wer schon einmal eine Stadionwurst an der Säbener gegessen hat, weiß: Erfolg ist in München keine Option, er wird erwartet. Und die muss Max Eberl liefern. Punkt.
„Jetzt sollten wir ihn in Ruhe arbeiten lassen“, sagt Hainer. Ein Satz, den man so wohl auch schon von Brazzo, Kovac und Ancelotti gehört hat, kurz vor dem Abschied.
Doch ganz ohne Hausaufgaben kommt Eberl nicht davon. Die Bayern haben ein Problem, von dem sie lange nichts wussten: Das legendäre Festgeldkonto zeigt offenbar Schrumpfungserscheinungen. Hainer formuliert es so: „Wir haben kein prall gefülltes Festgeldkonto mehr“. Also muss der Kader verkleinert, die Gehälter gekürzt und das Konto wieder aufgefüllt werden. Klingt wie eine Diät für Millionäre.
Aber wie das so ist, wenn man sparen muss: Der Blick geht trotzdem sehnsüchtig über den Zaun. Und dort, bei Bayer Leverkusen, wächst mit Florian Wirtz ein Spieler heran, von dem man in München träumt. Hainer lässt sich nicht in die Karten schauen, sagt aber: „Ein exzellenter Fußballer.“ Auf bayerisch könnte das heißen: „Den würden wir schon nehmen, aber pssst!“
Wirtz wäre ein möglicher Erbe von Thomas Müller. Und schon sind wir beim nächsten Reizthema. Müller, Identifikationsfigur, Pressingmaschine, Schnodderschnauze mit Hirn, sein auslaufender Vertrag wird nicht verlängert. Eine Entscheidung, die Erdbeben in der Fan-Seele auslöste. Und als wäre das nicht genug, plauderte Ehrenpräsident Uli Hoeneß kürzlich noch munter drauflos, Müller sei von der Entscheidung „überrascht“ worden.
Mit anderen Worten: Eberl und Sportdirektor Christoph Freund servierten dem Weltmeister von 2014 die Nachricht, ohne dass dieser überhaupt wusste, dass die Speisekarte schon geschrieben war. Bayern eben. Zwischen Laptop-Fußball und Stammtischpolitik ist eben noch Platz für ein bisschen Drama.
Hainer hingegen ist um Schadensbegrenzung bemüht. Das Verhältnis zwischen Müller und dem Verein sei intakt, sagt er und kündigt an, sich persönlich dafür einzusetzen, dass Müller nach seiner aktiven Karriere eine Rolle im Verein bekommt. „Er ist sehr eloquent“, schwärmt Hainer, „und zu 100 Prozent ein Bayer“. Übersetzt: Die Tür zur Ehrentribüne bleibt offen und vielleicht auch die zur sportlichen Führung, irgendwann, wenn sich der Rauch verzogen hat.
Es knistert also wieder in München, zwischen Sparkurs, Personalkarussell und Legendenpflege. Max Eberl darf weitermachen, Müller vielleicht irgendwann zurückkehren, und das Festgeldkonto bekommt hoffentlich auch bald seine Vitaminspritze. Nur eines ist sicher: Ruhe wird beim FC Bayern auch in Zukunft Mangelware bleiben.
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