Nach einer Woche voller Aufschlagprobleme meldet sich Coco Gauff in Cincinnati eindrucksvoll zurück und sorgt zusammen mit dem starken US-Team für Spannung pur im Turnier.
Gerade einmal eine Woche ist es her, dass Coco Gauff in Montreal mit 42 Doppelfehlern aus dem Turnier ausschied. In Cincinnati schien sich die Geschichte kurz, sehr kurz, zu wiederholen: Gleich drei Doppelfehler in einem einzigen Spiel ließen die Pulsuhren im P&G Center Court höher schlagen. Doch Gauff wäre nicht Gauff, wenn sie nicht die Fähigkeit hätte, mitten im Match das Ruder herumzureißen.
Mit kühlem Kopf und dem Selbstbewusstsein einer US-Open-Siegerin von 2023 verwandelte die an Position zwei gesetzte Amerikanerin einen wackligen Start in einen klaren 6:3-, 6:2-Erfolg gegen Wang Xinyu und das in nur 70 Minuten. Dabei nutzte sie alle fünf Breakchancen, die die Chinesin ihr bot, und rettete selbst fünf von sieben Breakbällen. Bemerkenswert: Nach den frühen Doppelfehlern spielte sie den Rest des Matches ohne einen einzigen weiteren.
Am Dienstag wartet nun Dayana Yastremska, gegen die Gauff drei der bisherigen vier Duelle gewonnen hat. Ein leichter Gegner? Keineswegs. Yastremska kam mit einem hart erkämpften 6:4, 2:6, 6:2-Sieg über Viktoriya Tomova ins Match und dürfte sich von Gauffs Favoritenstatus nicht einschüchtern lassen.
Doch nicht nur Gauff sorgt in Cincinnati für Stars-and-Stripes-Momente. Die USA haben derzeit acht Spielerinnen in den Top 50 der WTA-Weltrangliste und gleich fünf davon stehen in der dritten Runde. Am Samstag hatten Amanda Anisimova (Nr. 5), Madison Keys (Nr. 6) und die mit einer Wildcard ausgestattete Taylor Townsend die US-Serie eingeläutet. Am Sonntag gesellten sich neben Gauff auch Ashlyn Krueger dazu. Die 21-Jährige bewies in einem 6:4, 0:6, 6:3-Sieg über Anastasija Sevastova große mentale Stärke, nachdem sie den zweiten Satz deutlich verloren hatte.
Auch Jessica Pegula, ehemalige Doppelpartnerin von Gauff, bewies Nervenstärke. Die an Position vier gesetzte Spielerin schlug Kimberly Birrell mit 6:4, 6:3 und trifft nun auf Magda Linette (Nr. 31), die Rebecca Sramkova nach einem engen ersten Satz mit 7:6 (4), 6:0 aus dem Turnier nahm. Mit inzwischen 37 Siegen in dieser Saison liegt Pegula im WTA-Vergleich hinter Aryna Sabalenka (47 Siege) und Iga Swiatek (44 Siege) auf dem dritten Platz. Das macht sie zu einer gefährlichen Dauerkonkurrentin bei jedem Turnier.
Eine kleine Sensation lieferte die deutsche Qualifikantin Ella Seidel ab. Die 20-Jährige aus Hamburg, aktuell nur auf Rang 124 der Welt, eliminierte die an Nummer acht gesetzte Emma Navarro mit 6:4, 1:6, 6:4 und feierte damit einen der größten Siege ihrer Karriere. Für sie ist es eine Einladung, sich auf der großen Bühne zu beweisen. Ihre nächste Gegnerin wird die Siegerin der rein amerikanischen Partie zwischen Caty McNally und McCartney Kessler sein.
Dass Gauff derzeit wieder auf dem Vormarsch ist, liegt nicht nur an ihrer körperlichen Stärke, sondern auch an ihrer Fähigkeit, mental in den entscheidenden Momenten zu punkten. Sie weiß, wie es sich anfühlt, große Titel zu holen: In Cincinnati wurde sie vor zwei Jahren zur jüngsten Siegerin überhaupt und krönte sich wenig später zur US-Open-Siegerin. Dass sie sich auf Hartplätzen wohler fühlt als auf Gras, ist kein Geheimnis. Die bisherigen Duelle mit Wang fanden beide auf Rasen in Berlin statt, eines 2022, eines in diesem Jahr und endeten unentschieden. Diesmal nutzte Gauff den Hardcourt-Vorteil jedoch konsequent.
Das Turnier verspricht in den kommenden Tagen noch reichlich Dramatik. Mit einem halben Dutzend weiterer US-Spielerinnen in den späteren Matches am Sonntagabend könnte Cincinnati zum Heimfestival für die amerikanische Tennis-Elite werden. Die Fans dürfen sich auf brisante Duelle, nationale Rivalitäten und vielleicht den einen oder anderen emotionalen Durchbruch freuen, sei es von einer Favoritin wie Gauff oder einem Shootingstar wie Seidel.
Eines steht jedenfalls fest: Wer hier in Cincinnati den Titel holt, geht mit breiter Brust in die heiße Phase der Saison und wirft bereits einen Schatten auf die großen Herausforderungen, die spätestens bei den French Open und den US Open warten.
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