Warum werden Radprofis jederzeit kontrolliert? Hier finden Sie die wichtigsten Antworten rund um Dopingtests im Radsport.
Kaum eine Sportart wird so intensiv auf Doping kontrolliert wie der Radsport. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit. Große Skandale rund um EPO, Blutdoping und den Fall Lance Armstrong haben das Vertrauen in den Sport nachhaltig erschüttert. Als Reaktion wurden die Kontrollen in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer weiter verschärft. Heute gilt der Profiradsport als eine der am strengsten überwachten Sportarten der Welt.
Aktuell sorgt der Fall Jonas Vingegaard bei der Tour de France erneut für Diskussionen. Der Däne wurde in der Nacht vor einer Etappe gegen 2 Uhr morgens zu einer Dopingkontrolle geweckt. Nicht die Kontrolle selbst, sondern der Zeitpunkt sorgte für Kritik unter mehreren Fahrern. Die Debatte zeigt, wie schwierig der Spagat zwischen wirksamen Kontrollen und ausreichender Regeneration während einer dreiwöchigen Rundfahrt sein kann.
Doch wie funktionieren Dopingtests im Radsport eigentlich? Wer führt sie durch? Wann werden Fahrer kontrolliert? Welche Strafen drohen? Und warum müssen Profis ihren Aufenthaltsort jederzeit angeben?
Über viele Jahre galt der Radsport als die Sportart mit den größten Dopingproblemen. Besonders in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren erschütterten zahlreiche Skandale den Profisport.
Zu den bekanntesten Fällen gehören:
Lance Armstrong, dem alle sieben Tour-de-France-Siege aberkannt wurden.
Die Festina-Affäre bei der Tour de France 1998.
Operación Puerto, einer der größten Blutdoping-Skandale der Sportgeschichte.
Die Fälle Riccardo Riccò, Michael Rasmussen und Alberto Contador.
Diese Ereignisse führten dazu, dass die internationalen Verbände ihre Anti-Doping-Regeln grundlegend überarbeiteten. Ziel war es, Manipulationen deutlich schwieriger zu machen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Mehrere Organisationen arbeiten gemeinsam an der Bekämpfung von Doping.
Dazu gehören:
WADA (World Anti-Doping Agency) – legt die weltweiten Anti-Doping-Regeln fest.
UCI (Union Cycliste Internationale) – der internationale Radsportverband.
International Testing Agency (ITA) – organisiert und führt zahlreiche Kontrollen bei internationalen Wettbewerben durch.
Nationale Anti-Doping-Agenturen wie die NADA in Deutschland.
Alle arbeiten nach dem weltweit gültigen Anti-Doping-Code der WADA.
Die einfache Antwort lautet: Jederzeit.
Kontrollen sind möglich:
vor einem Rennen
direkt nach einem Rennen
während eines Trainingslagers
zuhause
im Urlaub
während der Saison
außerhalb der Saison
Unangekündigt.
Viele Kontrollen erfolgen völlig überraschend. Dadurch soll verhindert werden, dass verbotene Substanzen rechtzeitig abgesetzt oder verschleiert werden können.
Im Profiradsport werden hauptsächlich zwei Arten von Proben genommen.
Urinprobe:
Mit Urinproben können zahlreiche verbotene Substanzen nachgewiesen werden, darunter Anabolika, Stimulanzien oder EPO.
Blutprobe:
Blutproben dienen vor allem dazu, Veränderungen im Blutbild festzustellen. Sie spielen insbesondere beim Kampf gegen Blutdoping und EPO eine entscheidende Rolle.
Je nach Situation können beide Proben gleichzeitig verlangt werden.
Eine der größten Veränderungen im Anti-Doping-Kampf ist der sogenannte Biologische Pass. Dabei suchen die Kontrolleure nicht nur nach verbotenen Substanzen.
Stattdessen werden über Jahre hinweg verschiedene Blutwerte und biologische Parameter jedes Fahrers gespeichert.
Verändern sich diese Werte ungewöhnlich stark, kann dies bereits ein Hinweis auf Doping sein, selbst dann, wenn keine verbotene Substanz mehr nachweisbar ist. Dadurch wurde modernes Blutdoping deutlich schwieriger.
Viele leistungssteigernde Mittel sind nur für kurze Zeit nachweisbar.
Deshalb müssen Kontrolleure jederzeit die Möglichkeit haben, Fahrer kurzfristig zu testen. Genau aus diesem Grund erfolgen viele Kontrollen unangekündigt, manchmal sogar sehr früh am Morgen oder spät am Abend.
Nur so soll verhindert werden, dass Sportler ihre Einnahme verbotener Mittel an bekannte Kontrollzeiten anpassen können.
Alle Fahrer im registrierten Testpool müssen ihren Aufenthaltsort regelmäßig melden.
Über das elektronische ADAMS-System geben sie an, wo sie sich befinden und benennen täglich ein Zeitfenster von einer Stunde, in dem sie garantiert erreichbar sind.
In diesem Zeitraum dürfen Kontrolleure unangekündigt erscheinen und sofort eine Dopingprobe verlangen.
Dieses sogenannte Whereabouts-System zählt zu den strengsten Kontrollmaßnahmen im internationalen Spitzensport.
Ein einmaliges Verpassen einer Kontrolle führt nicht automatisch zu einer Sperre.
Kommt es jedoch innerhalb von zwölf Monaten zu drei Melde- oder Kontrollverstößen, gilt dies bereits als Anti-Doping-Regelverstoß.
In diesem Fall droht eine Sperre von 12 bis 24 Monaten, obwohl kein positiver Dopingtest vorliegen muss.
Nach einer Kontrolle wird zunächst die sogenannte A-Probe untersucht. Fällt diese positiv aus, wird der Fahrer informiert und kann die Analyse der B-Probe verlangen. Bestätigt auch diese den Verdacht, beginnt ein Disziplinarverfahren. Erst danach wird über eine mögliche Sperre entschieden.
Je nach Fall können außerdem Ergebnisse gestrichen, Titel aberkannt und Preisgelder zurückgefordert werden.
Die Strafe hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Entscheidend sind unter anderem:
welche Substanz gefunden wurde
ob vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt wurde
ob es sich um einen Wiederholungsfall handelt
ob der Sportler mit den Ermittlern kooperiert
Bei vorsätzlichem Doping beträgt die Standardsperre heute häufig vier Jahre. In besonders schweren Fällen kann sie noch deutlich länger ausfallen.
Im Vergleich zu den 1990er- und frühen 2000er-Jahren hat sich der Radsport erheblich verändert.
Durch den Biologischen Pass, regelmäßige Blutkontrollen, unangekündigte Tests und das Whereabouts-System ist das Entdeckungsrisiko deutlich gestiegen. Experten sind sich deshalb einig, dass systematisches Doping heute wesentlich schwieriger ist als noch vor zwanzig Jahren.
Trotzdem kommt es auch heute immer wieder zu positiven Dopingtests. Das zeigt, dass der Kampf gegen verbotene leistungssteigernde Mittel weiterhin notwendig bleibt.
Wett-Credits nach Abrechnung von Wetten im Wert der qualifizierenden Einzahlung zur Nutzung verfügbar. Gewinne schließen den Einsatz von Wett-Credits aus. Es gelten die AGB, Zeitlimits und Ausnahmen.