Hertha BSC zählt zu den 16 Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Heute kickt der Klub in der zweiten Liga.
Hertha BSC, offiziell „Hertha, Berliner Sport-Club“, ist ein traditionsreicher Fußballverein aus der deutschen Hauptstadt Berlin und zählt zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga. Die Entscheidung, Hertha BSC in die neu geschaffene höchste Spielklasse aufzunehmen, war 1963 nicht nur sportlich, sondern auch politisch geprägt. In einer für Deutschland und insbesondere Berlin schwierigen Zeit war die Bundesliga-Gründung ein Symbol für ein modernes, wiedervereintes Fußball-Deutschland, und die Hauptstadt sollte durch einen eigenen Vertreter in der höchsten Spielklasse repräsentiert werden.
Bei der Gründung der Bundesliga im Jahr 1963 stand die Auswahl der 16 Startvereine im Brennpunkt zahlreicher Diskussionen. Hertha BSC hatte sportlich nicht unbedingt zur Spitze Westdeutschlands gezählt, spielte aber in der Oberliga Berlin eine zentrale Rolle. Die Aufnahme des Klubs war vor allem politisch motiviert: Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 war West-Berlin weitgehend isoliert. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte mit Hertha BSC als Bundesligist der geteilten Stadt ein Stück Normalität und Zugehörigkeit zu Westdeutschland vermitteln. Auch galt Berlin als Metropole und sollte in der neuen Liga vertreten sein.
Sportlich hatte sich Hertha BSC durch mehrere Berliner Meisterschaften empfohlen und war im Berliner Fußball eine feste Größe. Die Bestrebung, den Fußball in der Hauptstadt zu stärken und zu schützen, war in den Überlegungen des DFB von zentraler Bedeutung. Schließlich fiel die Wahl durch die letzte ausgespielte (West-)Berliner Meisterschaft auf die Hertha und nicht auf die Stadtrivalen Tennis Borussia oder Tasmania 1900.
Die erste Saison der Bundesliga begann für Hertha BSC mit großen Hoffnungen. Die Mannschaft spielte ihre Heimspiele im traditionsreichen Olympiastadion. Die Erwartungen der Öffentlichkeit und die Euphorie in der Stadt waren groß, doch auf dem Platz zeigte sich bald, dass die Berliner nicht mit den Spitzenmannschaften mithalten konnten.
Hertha BSC beendete die Premieren-Saison 1963/64 auf Rang 14 von 16 Teams und entging damit nur knapp dem Abstieg. Besonders auffällig war die schwache Defensivleistung: Mit 65 Gegentoren in 30 Spielen stellte die Hertha die drittschwächste Defensive der Liga hinter Absteiger Saarbrücken (72) und Kaiserslautern (69). Die Mannschaft bestand zum Großteil aus lokalen Spielern, von großen Verpflichtungen oder Stars war Hertha BSC damals weit entfernt. Die Zuschauerzahlen im Olympiastadion waren dennoch respektabel, weil viele Berliner ihren Klub als Symbol der freien Stadt unterstützten.
Ein dunkles Kapitel folgte bereits kurz nach der Debüt-Saison: Aufgrund finanzieller Unregelmäßigkeiten und Bestechungsvorwürfen wurde Hertha BSC nach der Saison 1964/65 die Lizenz entzogen und man musste absteigen. Die Bundesliga wollte jedoch einen Berliner Vertreter behalten, weshalb Tasmania Berlin als Ersatz aufstieg.
Nach dem Zwangsabstieg kämpfte Hertha BSC jahrelang um die Rückkehr ins Oberhaus. Erst 1968 gelang der sportliche Wiederaufstieg, und die Alte Dame etablierte sich in den folgenden Jahren wieder in der Bundesliga. Besonders in den 1970er-Jahren feierte der Verein sportliche Höhepunkte: Hertha spielte mehrfach um die Meisterschaft mit und wurde 1970 und 1971 jeweils Dritter. 1975 sprang unter Trainer Georg Keßler und Spielern wie Wolfgang Sidka oder Erich Beer der starke zweite Tabellenplatz und damit das beste Berliner Ergebnis seit Bundesliga-Gründung heraus. Zudem erreichte man 1977 und 1979 jeweils das Finale im DFB-Pokal.
International zeigte Hertha BSC ebenfalls Ambitionen. 1979 erreichte der Klub das Halbfinale im UEFA-Pokal und schied denkbar knapp gegen Roter Stern Belgrad aus. In dieser Zeit entwickelte sich Hertha BSC zu einer festen Größe im deutschen Fußball, auch wenn es nie ganz zum Gewinn der Meisterschaft reichte.
Die 1980er-Jahre waren von wechselndem Erfolg geprägt. Hertha stieg mehrfach ab und musste sich sogar zeitweise in der drittklassigen Amateur-Oberliga Berlin behaupten. Erst in den 1990er-Jahren stabilisierte sich der Verein erneut, unter anderem durch den Einstieg von Investoren und die Modernisierung der Vereinsstrukturen.
Mit dem Aufstieg 1997 begann eine neue, ambitionierte Phase. Trainer wie Jürgen Röber und Spieler wie Michael Preetz, Marcelinho oder Arne Friedrich führten Hertha zu mehreren Teilnahmen am europäischen Wettbewerb, darunter die UEFA Champions League und der UEFA-Pokal. Ein Höhepunkt war die Qualifikation für die Königsklasse 1999/2000, in der Hertha BSC unter anderem gegen den FC Barcelona und den FC Chelsea spielte.
Aktuell befindet sich Hertha BSC in einer Phase der Umstrukturierung und sportlichen Herausforderungen. Nach dem zwischenzeitlichen Abstieg in die 2. Bundesliga 2010 und dem Wiederaufstieg entwickelte sich Hertha zur Fahrstuhlmannschaft, die regelmäßig zwischen 1. und 2. Liga wechselte. Die gesteckten Ziele – sich dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren und mittelfristig gar europäisch zu spielen – wurden bis heute nicht durchgängig erreicht.
Besonders in den letzten Jahren geriet der Verein durch hohe Investitionen, Wechsel in der Führungsetage und sportliche Misserfolge immer wieder in die Schlagzeilen. Die groß angekündigte „Big City Club“-Strategie, die Hertha dauerhaft an die Spitze führen sollte, scheiterte bislang an fehlender Kontinuität und Identität. Auch finanzielle Schwierigkeiten belasteten den Verein, dennoch blieb das Zuschauerinteresse groß und das Stadion meist gut besucht.
Die aktuelle Mannschaft setzt verstärkt auf junge, talentierte Spieler aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum. Mit einer neuen Führung und sportlichen Leitung wird verstärkt versucht, den Verein nachhaltig und solide aufzustellen, um langfristig wieder an bessere Zeiten anzuknüpfen.
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