Die Geschichte des Gründungsjahres 1904 über die Anfänge der Königsblauen und ihren Aufstieg vom Arbeitermilieu in den deutschen Fußball.
Es war ein kühler, leicht bewölkter Nachmittag im Mai 1904, als eine kleine Gruppe arbeitsamer Jungen in Gelsenkirchen einen mutigen Schritt wagte: Sie beschlossen, einen eigenen Verein zu gründen. Die Kinder, alle zwischen zwölf und vierzehn Jahren alt, versammelten sich im Garten bei Heinrich Kullmann in der Hauergasse, im Schatten der Zeche Consolidation. In diesem Moment lag die Zukunft des heutigen Traditionsvereins im scheinbar spielerischen Entwurf ihrer ersten Idee.
Was damals alles nur eine Idee war, entwickelte sich bald zu einem konkreten Wunsch: Gegen den legendären „Spiel und Sport 1896“, den sogenannten „Lackschuh-Verein“, wollten sie antreten. Das Derby in ihrer Vorstellung sollte bald Realität werden. William Gies, der Anführer der Bande, fasste die Vision zusammen: „Wenn wir es wirklich im Sport zu etwas bringen wollen, dann müssen wir einen Verein gründen! Alle, die dabei sein wollen, schreibe ich in mein Notizbuch.“ Das Notizbuch, die Geburtsurkunde ihres Traumes, ist längst verloren, doch die Idee lebte weiter.
Schnell war klar, dass man für den Anfang einen Namen braucht. Gies und seine Freunde notierten: „Westfalia Schalke“. Die jungen Männer, später immer wieder „die ersten Schalker“ genannt, entschieden sich für die Farben rot und gelb. Das war die Geburtsstunde eines Vereins, der von privater Initiative, Arbeitergeist und vom Wunsch nach Gemeinschaft geprägt war.
Die jungen Schalker kickten auf einem Feld am Haus Goor, einem heruntergekommenen Herrenhaus an der Grenzstraße. Obwohl das Spielfeld alles andere als stadiontauglich war, war die Begeisterung groß. Ein großes Ziel: Eines Tages gegen den Verein „Spiel und Sport 1896“ zu spielen und das erste Derby zu gewinnen. Doch damals gab es noch keine offiziellen Wettbewerbe für solche Vereine. Die ersten echten Erfahrungen kamen erst, als die Mannschaft 1912 den Schritt wagte, sich dem bürgerlichen „Turnverein Schalke 1877“ anzuschließen. Damit durften die jungen Fußballer endlich offiziell am Spielbetrieb teilnehmen. Dabei änderten sich auch die Vereinsfarben: Blau-Weiß wurde zur neuen Identität.
Der Erste Weltkrieg brachte die Mannschaft zwar vorübergehend zum Schweigen, doch die Spieler und Männer aus dem Arbeitermilieu ließen sich nicht entmutigen. Bereits 1915 gründete eine neue Gruppe den Verein „Westfalia Schalke“ und die Teams der alten Vereine kickten ein Jahr lang parallel. Frühere Freundschaften im Spiel wurden bald zu festen Bündnissen und 1916 fusionierten die Mannschaften sogar zu den „Vereinigten Kriegsmannschaften Schalke“. Nach Kriegsende wollten sie sich wieder trennen, doch die historischen Verbindungen waren zu stark. 1919 bildeten sie den „Turn- und Sportverein 77“ – kurz: TuS Schalke 77. Hier begannen sich die ersten Talente zu entwickeln, die das qualitativ bessere Spiel brachten.
Mit Spielern wie den Brüdern Hans und Fred Ballmann, die in England aufgewachsen waren, wurde die Mannschaft revolutioniert. Ihre Spielweise, der so genannte „Schalker Kreisel“, bei dem schnelle Pässe, Positionswechsel und Spielkontrolle im Vordergrund standen, machte den Klub in der Region bekannt. 1922 stand der Aufstieg in die höchste Klasse auf der Wunschliste, doch eine von Verband verhängte Sperre verhinderte dies. Trotz vieler Rückschläge formte sich die Mannschaft, die später einmal zu den besten Deutschlands gehören sollte. Sie war eine Einheit aus Arbeiterkönigen, leidenschaftlichen Spielern und einem Teamgeist, der bis heute das Markenzeichen des Vereins ist.
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