Jenson Brooksby überrascht als Lucky Loser, Taylor Fritz jagt den vierten Titel: Das Endspiel ist fest in amerikanischer Hand.
Jenson Brooksby hat in dieser Woche in Eastbourne eine Geschichte geschrieben, die nicht nur Tennisfans mitreißt. Als Lucky Loser war er eigentlich schon aus dem Turnier ausgeschieden, doch dann kam der Anruf. Jetzt steht er im Finale eines ATP-Turniers. Es ist das erste Mal in der Geschichte des Events, dass ein Lucky Loser das Endspiel erreicht. Ein kleines sportliches Wunder auf britischem Rasen.
Sein Weg dorthin war alles andere als bequem. Im Halbfinale rang der 24-Jährige den an Position vier gesetzten Franzosen Ugo Humbert in drei Sätzen mit 6:7 (7), 6:4, 6:4 nieder. Ein Match, das nicht nur Nerven, sondern auch Geduld forderte. Fast drei Stunden dauerte der Krimi. Besonders bemerkenswert: Brooksby führte im ersten Satz bereits mit 5:3, gab diesen Vorsprung aber noch aus der Hand. Doch statt zu zerbrechen, kämpfte er sich zurück ins Spiel. Seine dritte Chance auf den Matchgewinn nutzte er schließlich eiskalt.
„Ich bin einfach nur froh, wieder auf dieser Bühne zu stehen”, sagte Brooksby nach dem Spiel. Für ihn ist es ein sportliches und persönliches Comeback: Anfang des Jahres lag er auf Rang 1091 der Weltrangliste, jetzt katapultiert ihn sein Lauf in Eastbourne auf Platz 101 der Live-Rankings. Bereits in Houston hatte er in diesem Jahr als Qualifikant ein Turnier gewonnen und dabei mehrfach Matchbälle abgewehrt. Der Mann liebt die Dramatik und liefert ab.
Sein Finalgegner ist ihm bekannt. Taylor Fritz, die Nummer eins des Turniers, steht erneut im Endspiel von Eastbourne – und das nicht zum ersten Mal. Der Titelverteidiger hat das Rasenturnier an der britischen Küste bereits dreimal gewonnen: 2019, 2022 und 2024.
Sollte er am Samstag erneut triumphieren, wäre das sein vierter Titel in Eastbourne in Folge und insgesamt sein zehnter ATP-Titel.
Im Halbfinale setzte sich Fritz mit 6:3, 3:6, 6:1 gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina durch. Auch hier war es ein Match mit Höhen und Tiefen. Nach einem starken ersten Satz verlor Fritz den Faden, nur um im dritten Durchgang mit überlegtem Spiel zurückzuschlagen. „Ich musste einen Schritt zurücktreten, alles noch einmal durchdenken und dann den Plan ändern“, sagte er später. Der Plan ging auf.
Schon vor zwei Wochen hatte Fritz ein Rasenturnier in Stuttgart gewonnen, seine Form stimmt also. Besonders beeindruckend: Bei allen seinen bisherigen vier Halbfinalteilnahmen in Eastbourne ging er als Sieger vom Platz.
Das Duell Brooksby gegen Fritz hat nicht nur sportliche Relevanz, sondern auch persönliche Brisanz. Die beiden Amerikaner haben bislang zweimal gegeneinander gespielt und jeweils einen Sieg erzielt. Jetzt steht das dritte Aufeinandertreffen an, im Finale, auf Rasen, mit allem, was dazugehört.
Fritz geht als klarer Favorit ins Match. Seine Erfahrung, seine Erfolge auf Rasen und nicht zuletzt seine Konstanz sprechen für ihn. Doch Brooksby hat in dieser Woche bewiesen, dass er für eine Überraschung gut ist. In Houston gewann er als Qualifikant und könnte nun als Lucky Loser ein weiteres Kapitel Tennisgeschichte schreiben.
Das Turnier in Eastbourne ist traditionell der letzte Test vor dem großen Highlight auf Rasen, Wimbledon. Für Brooksby und Fritz ist es jedoch schon jetzt ein echtes Prestige-Duell. Während Fritz nach seinem frühen Ausscheiden bei den French Open wieder Selbstvertrauen getankt hat, kämpft sich Brooksby eindrucksvoll zurück ins Rampenlicht. Zwei verschiedene Wege, ein Ziel: der Titel.
Am Samstag treffen in Eastbourne also zwei US-Amerikaner aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten: der Rückkehrer mit Kampfgeist gegen den Favoriten mit Rekordhunger. Alles ist angerichtet für ein Finale, das mehr ist als nur ein letzter Test vor Wimbledon.
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