Aryna Sabalenka trifft im Viertelfinale der French Open auf Zheng Qinwen. Es ist das Duell zweier Powerfrauen, die ganz unterschiedliche Wege in die Runde der letzten Acht genommen haben.
Wenn die beiden Spielerinnen am Dienstag den Court betreten, geht es um mehr als nur den Einzug ins Halbfinale. Die Weltranglistenerste aus Belarus steht zum dritten Mal in Folge im Viertelfinale von Paris und peilt ihren 21. French-Open-Sieg an. Ihre Gegnerin? Die Olympiasiegerin Zheng Qinwen, die sich erstmals überhaupt in die Runde der letzten Acht kämpfte und dabei eindrucksvoll Nervenstärke bewies.
Sabalenka, die auf dem Weg ins Achtelfinale nur zehn Spiele abgab, setzte sich auch gegen Amanda Anisimova souverän mit 7:5, 6:3 durch. Zwar schien die Amerikanerin zwischenzeitlich ins Match zurückzufinden, insbesondere beim 5:5-Ausgleich im ersten Satz und einem zähen 11-minütigen Spiel im zweiten, doch Sabalenka blieb stabil, fokussiert und effizient.
Zheng musste gegen Liudmila Samsonova deutlich härter kämpfen: In einem 2:47 Stunden langen Match rang sie ihre Gegnerin mit 7:6 (5), 1:6, 6:3 nieder. Es war ein echter Kraftakt, mit dem sie sich im fünften Anlauf zum ersten Mal bei den French Open in ein Viertelfinale spielte.
Das Viertelfinale der French Open 2025 ist bereits das achte Aufeinandertreffen der beiden Spielerinnen. Sechs dieser Duelle entschied Sabalenka für sich, meist klar. Zheng gelang bisher nur ein Sieg, der jedoch ausgerechnet beim letzten Match in Rom gelang, als sie die Nummer 1 der Welt in zwei Sätzen besiegte. Ein psychologischer Vorteil?
Dieser Erfolg in der italienischen Hauptstadt beendete Zhengs Negativserie gegen Spielerinnen der Top 10 und markierte ihren bislang einzigen Sieg gegen Sabalenka außerhalb Asiens. Zuvor hatte sie in sechs Partien nur einen einzigen Satz gewonnen, und zwar im Finale in Wuhan.
Sabalenka hingegen überzeugt durch beeindruckende Konstanz: Das Viertelfinale gegen Zheng ist ihr zehntes bei einem Grand Slam in Folge, eine Serie, die zuletzt nur Serena Williams zwischen 2014 und 2017 gelang. Nach dem enttäuschenden Ausscheiden gegen Mirra Andreeva im Vorjahr will Sabalenka diesmal unbedingt weiterkommen.
Beide Spielerinnen bringen Momentum mit: Sabalenka die Souveränität einer Nummer eins, Zheng den Mut und die Widerstandsfähigkeit einer Olympiasiegerin. Doch während die Chinesin in Paris Neuland betritt, ist Sabalenka die Bühne bereits bekannt.
Zhengs zehn Siege in Serie in der französischen Hauptstadt, mitgerechnet ihr Goldlauf bei den Olympischen Spielen, sprechen für ihre Form, doch der Grand Slam ist ein anderes Pflaster. Seit Li Na 2011 stand keine Chinesin mehr so weit vorn im Tableau. Zheng will nicht nur das Erbe von Li Na antreten, sondern Geschichte schreiben.
Sabalenka hingegen hat ein klares Ziel: den Titel. Alles andere wäre nach ihrer Entwicklung der letzten Jahre eine Enttäuschung. Ihr Auftritt gegen Anisimova wirkte abgeklärt, von Nervosität oder Hektik war nichts zu sehen. Die 27-Jährige schied 2024 im Viertelfinale aus und könnte diesmal im Halbfinale auf Elina Svitolina oder Iga Swiatek treffen.
Sabalenka gilt zurecht als Favoritin, nicht nur wegen der Bilanz gegen Zheng, sondern auch wegen ihres fokussierten, druckvollen Spiels. Doch Zheng hat bewiesen, dass sie Sabalenka schlagen kann, und hat mit dem Erreichen des Viertelfinals viel Selbstvertrauen gesammelt.
Ob das reicht? Ausschlaggebend wird sein, wie gut Zheng sich von ihrem Marathon-Match gegen Samsonova erholt hat und ob sie ihr Niveau aus Rom erneut erreichen kann. Wer sich ein enges Match erhofft, könnte enttäuscht werden. Sabalenka wirkt derzeit zu stabil, um sich aus dem Konzept bringen zu lassen.
Die meisten Tipps und Erwartungen tendieren zu einem Zweisatzsieg für Sabalenka, mit Blick auf das mögliche Traum-Halbfinale gegen Swiatek.
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