Wer hätte das gedacht? Gleich zwei deutsche Profis haben es in die zweite Runde des Masters in Shanghai geschafft. Doch kaum ist die Freude darüber verklungen, steht mit einem echten Tennis-Giganten bereits die nächste Herausforderung bereit.
Es war ein Auftakt, der Dramatik versprach und diese auch lieferte. Yannick Hanfmann, der Davis-Cup-Spieler aus Karlsruhe, startete gegen den Italiener Lorenzo Sonego sehr holprig. Er verlor den ersten Satz mit 2:6, und die Blicke auf der Tribüne wurden skeptisch. Doch Hanfmann biss sich durch, kämpfte sich zurück ins Match und drehte die Partie zu seinen Gunsten. Der Lohn: ein Ticket für die zweite Runde, durch das er auf einer Stufe mit Daniel Altmaier steht, der bereits am Vormittag sein Weiterkommen perfekt gemacht hatte. Zwei deutsche Namen also in Runde zwei. Ein starkes Signal aus Shanghai.
Während die Freude über das deutsche Doppelpack noch anhält, richtet sich der Fokus sofort auf das nächste Kapitel. Hanfmanns Gegner ist niemand Geringerer als der Wimbledonsieger Jannik Sinner. Der Südtiroler reist mit breiter Brust an, frisch dekoriert mit dem Titel aus Peking, und wird alles daran setzen, seinen Lauf fortzusetzen. Für Hanfmann könnte dieses Duell zur größten Herausforderung seiner Saison werden oder die Chance sein, endgültig aus dem Schatten zu treten. Kann der Außenseiter dem Shootingstar der Szene wirklich gefährlich werden?
Alexander Zverev hält sich derweil noch zurück. Der an Position drei gesetzte Hamburger profitierte von einem Freilos und wird erst später in das Turniergeschehen eingreifen. Die große Frage ist, ob ihm seine zuletzt aufgetretenen Rückenprobleme erneut im Weg stehen werden. In Peking war er im Viertelfinale chancenlos gegen Daniil Medwedew gescheitert, und diese Erinnerung dürfte noch frisch sein. Umso mehr hofft das deutsche Lager, dass Zverev in Shanghai wieder seine gewohnte Stabilität findet.
Auch auf internationaler Ebene sorgt das Turnier für Bewegung. So konnte Taylor Fritz in Tokio zwar keinen Titel holen, doch sein Halbfinal-Lauf zahlte sich trotzdem aus. Der Amerikaner schob 320 Punkte auf sein Konto. Genug, um Novak Djokovic im Ranking zu überholen. Fritz ist nun die neue Nummer vier der Welt und liegt weniger als 1000 Punkte hinter Zverev. Er ist also ein Mann, den man im Rennen um die ATP Finals keinesfalls aus den Augen verlieren darf.
An der Spitze des Rankings bleibt alles beim Alten und doch ist es hochspannend. Carlos Alcaraz thront mit 590 Punkten Vorsprung auf Platz eins vor Jannik Sinner. Dass der Spanier nach seinem Triumph in Tokio auf einen Start in Shanghai verzichtet, macht die Verfolger nur noch hungriger. Bemerkenswert ist vor allem der Abstand zu Alexander Zverev: Dem Deutschen fehlen über 5500 Punkte auf die Spitze. Ein Wert, der die Dominanz der jungen Generation Alcaraz und Sinner eindrucksvoll unterstreicht.
Im „Race to Turin“, also dem Jahresranking für die ATP Finals, hat sich Zverev dennoch eindrucksvoll in Position gebracht. Sein Viertelfinale in Peking reichte, um Djokovic zu überflügeln und Rang drei einzunehmen. Fritz rückte als neuer Fünfter ebenfalls nach vorne und ließ Ben Shelton hinter sich. Das Feld wird derzeit von Alex de Minaur und Lorenzo Musetti komplettiert. Vor allem Musetti hält sich noch wacker im Rennen. Sein Vorsprung auf Felix Auger-Aliassime beträgt 630 Punkte. Für Spieler wie Casper Ruud, Andrey Rublev oder Alexander Bublik wird es damit eng, während Holger Rune mit über 1.000 Zählern Rückstand praktisch keine realistische Chance mehr hat.
Und so ist das Turnier in Shanghai nicht nur ein Turnier, sondern auch ein Brennglas für die großen Kräfteverschiebungen im Herrentennis. Während die Youngsters um Alcaraz und Sinner die Spitze unter sich aufteilen, kämpfen Zverev, Fritz und Co. um jeden Punkt, um im Jahresendspurt nicht den Anschluss zu verlieren. Die deutsche Fans fragen sich: Kann Hanfmann den Favoriten ärgern? Und schafft Zverev nach seiner Pause den Sprung zurück in die Weltspitze?
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