Kann ein Gespräch unter Freunden eine neue Karriere entfachen? Alexander Zverev glaubt daran. Nach seiner Mallorca-Kur will er endlich wieder sportlich glänzen. Auch Daniel Altmaier hatte große Pläne, doch diese platzten bereits wieder.
Ein bisschen Sonne, ein paar ehrliche Worte und ganz viel Hoffnung: In Toronto will Alexander Zverev neu durchstarten. Doch reicht das?
Noch vor wenigen Wochen schien die Tenniswelt von Alexander Zverev aus den Fugen geraten zu sein. In Wimbledon sprach er so offen wie nie über psychische Probleme. Nach dem Erstrunden-Aus herrschte Dunkelheit statt Topspin. Jetzt, beim ATP-Masters in Toronto, ist davon nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Zverev wirkte bei seinem Auftritt vor den Kameras wie verwandelt. Die Miene gelöst, der Ton positiv, die Augen wach. „Ich freue mich, wieder zu spielen“, sagte er, als sei nichts gewesen.
Die Antwort liegt rund 6.000 Kilometer entfernt, in Manacor auf Mallorca. Dort betreibt Rafael Nadal seine legendäre Tennis-Akademie, in der Zverev Zuflucht fand. Der Katalysator für diesen Neustart war eine WhatsApp-Sprachnachricht von Toni Nadal. Kein Coach-Gespräch, keine nüchterne Analyse. Sondern: „Können wir reden?” Und das taten sie – eineinhalb Stunden lang. Über Tennis, das Leben und alles dazwischen. Wenige Tage später stand Zverev als Gast der Nadals in deren Akademie, als Mensch, nicht als Star. Und er fand dort offenbar, was ihm zuletzt auf dem Platz gefehlt hatte: Ruhe, Tiefe und Vertrauen.
„Die Zeit auf Mallorca war fantastisch“, schwärmte er. Bis tief in die Nacht saß er mit Toni und Rafa Nadal zusammen. „Wenn er spricht und wenn Rafa spricht, dann hörst du zu.“ Zverev hörte nicht nur zu, sondern schöpfte auch neue Motivation und Gedanken. Neue Motivation, neue Gedanken. Ob das reicht, um in Toronto und bei den kommenden Turnieren wieder ganz oben mitzuspielen?
Denn sportlich bleibt vieles offen. Eine Zusammenarbeit mit Toni Nadal? Fehlanzeige, zumindest vorerst. Vielleicht braucht es aber gar keinen neuen Coach, sondern nur eine neue Perspektive. In Toronto wird sich zeigen, ob Zverev nicht nur emotional, sondern auch spielerisch bereit für den Neustart ist.
Für Daniel Altmaier lief es weniger erfolgreich. Der Deutsche musste sich beim ATP-1000-Turnier in Toronto bereits in der ersten Runde dem Japaner Yosuke Watanuki geschlagen geben, obwohl es zunächst gut aussah. Mit einem Break und einem soliden 6:3 sicherte sich Altmaier den ersten Satz. Doch dann brach das Spiel des 24-Jährigen komplett ein.
Es folgte ein ernüchternder Einbruch mit Fehler um Fehler, ein 1:6 im zweiten Satz, das keine Fragen offenließ. Und auch im entscheidenden Durchgang machte der 27-jährige Watanuki kurzen Prozess. Früh das Break, dann kühles Ausservieren. Das 4:6 bedeutete für Altmaier die nächste Erstrundenniederlage, nachdem er bereits in Washington gegen Matteo Arnaldi gescheitert war.
Watanuki, der normalerweise auf der Challenger-Tour spielt, bewies an diesem Tag mehr Konstanz, mehr Nervenstärke und vor allem mehr Biss. Altmaier wirkt dagegen momentan wie ein Spieler auf der Suche nach seinem Spiel. Zu oft schwanken seine Leistungen, zu selten belohnt er sich für gute Ansätze.
Auch hier also: ein deutscher Spieler im Übergang. Zwischen Ambition und Realität, zwischen Tour-Ansprüchen und Selbstzweifeln.
Und so lastet in Toronto wieder einmal viel Verantwortung auf den Schultern von Alexander Zverev. Er hat zwar einiges losgelassen in Manacor, doch einiges wird er jetzt mit dem Schläger beantworten müssen. Die Gespräche mit den Nadals mögen ihn mental gestärkt haben, doch auf dem Court gibt es keine Gnade. Keine Sprachnachrichten. Nur Punkte. Nur Druck. Und vielleicht eine neue Richtung.
Die Frage ist nur: Wie lange hält der Frieden im Kopf an, wenn der nächste Tie-Break wartet?
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