Der Kanadier Felix Auger-Aliassime ist nach einem mitreißenden Sieg über Alexander Zverev und einem beeindruckenden Turnaround in Turin erstmals ins Halbfinale der Nitto ATP Finals eingezogen.
Er hat bei den ATP Finals in Turin eine eindrucksvolle Kehrtwende hingelegt. Nach einem schwachen Start in der Gruppenphase kämpfte sich der 24-Jährige zurück, besiegte am Freitagabend den zweimaligen Champion Alexander Zverev mit 6:4, 7:6 (4) und sicherte sich damit das letzte Ticket fürs Halbfinale. Dort wartet nun niemand Geringeres als Carlos Alcaraz.
In der Björn-Borg-Gruppe landete Auger-Aliassime hinter Jannik Sinner auf Rang zwei. Ein Ergebnis, das nach den ersten Tagen kaum jemand erwartet hätte. Noch zu Wochenbeginn schien für den Kanadier nach drei verlorenen Sätzen alles auf ein frühes Aus hinauszulaufen. Doch der Sieg gegen Ben Shelton brachte den Wendepunkt und der Erfolg über Zverev machte das Märchen perfekt.
„Das hier ist ein Turnier mit besonderem Wert für uns Spieler“, erklärte Auger-Aliassime nach dem Match. „Es ist wie ein großes Finale. Wenn man auf die Liste der Sieger blickt, stehen da viele ehemalige Nummer-eins-Spieler. Natürlich will man ins Endspiel, aber um dahin zu kommen, muss ich erst einen großartigen Gegner schlagen. Ich werde meine Chance nutzen, wenn sie kommt.“
Mit seinem Triumph über Zverev feierte der Kanadier seinen 50. Sieg der Saison und schrieb damit Tennisgeschichte. Er ist nach Milos Raonic erst der zweite Kanadier überhaupt, der die Vorschlussrunde beim prestigeträchtigen Saisonfinale erreicht. Und auch in der direkten Bilanz mit Zverev konnte er Boden gutmachen. Zwar führt der Deutsche mit 6:4, doch 2025 hat Auger-Aliassime beide Duelle gewonnen, inklusive ihres Aufeinandertreffens bei den US Open.
Der Sieg in Turin war das Resultat von Nervenstärke und Präzision. Im ersten Satz wehrte Auger-Aliassime zweimal einen Breakball ab und nutzte schließlich Zverevs kurzen Leistungseinbruch im zehnten Spiel. Nach drei vergebenen Satzbällen brachte ein brillanter Crosscourt-Vorhandschuss den Durchbruch, 6:4.
Im zweiten Satz lieferten sich beide Spieler ein Duell auf Augenhöhe, das von Fehlern und verpassten Chancen geprägt war. Zverev wirkte zunehmend frustriert, gestikulierte in Richtung seiner Box und haderte mit dem Belag. Auf genau diesem Court hatte er 2021 den Titel geholt. Auger-Aliassime wiederum ließ einige Breakmöglichkeiten ungenutzt, blieb aber mental stabil. Im entscheidenden Tiebreak war er der coolere Akteur: Zwei Fehler von Zverev bei 4:5 reichten, um das Match nach etwas mehr als zwei Stunden zu beenden.
„Das war ein großartiger erster Satz“, sagte Auger-Aliassime später. „Er hatte seine Chancen, aber ich habe die wichtigen Punkte mit guten Aufschlägen verteidigt. Im zweiten Satz habe ich zwar einiges liegen lassen, aber im Tiebreak war ich bis zum letzten Ball konzentriert.“
Der Erfolg katapultiert ihn im Live-Ranking auf Platz fünf und bringt ihm den vierten Titel des Jahres näher. Bereits in Adelaide, Montpellier und Brüssel hatte er 2025 triumphiert. Zudem führt er eine beeindruckende Statistik an: Kein Spieler hat in diesem Jahrzehnt mehr Matches in der Halle gewonnen als er, 85 an der Zahl, fünf mehr als Jannik Sinner.
Mit diesem Lauf und dem frisch getankten Selbstvertrauen darf sich die Tenniswelt auf ein elektrisierendes Halbfinale freuen: Felix Auger-Aliassime trifft auf Carlos Alcaraz. Kraft, Präzision und Mut treffen auf pure Spielfreude.
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