Drei Deutsche stehen in der dritten Runde der US Open 2025: Zverev souverän, Struff kämpferisch und Altmaier heldenhaft. New York erlebt derzeit ein schwarz-rot-goldenes Tennis-Märchen.
Wer hätte das gedacht? Die US Open 2025 entwickeln sich für deutsche Tennisfans zu einem Turnier voller kleiner Wunder. Alexander Zverev, Jan-Lennard Struff und Daniel Altmaier haben sich allesamt in die dritte Runde gespielt und das auf völlig unterschiedliche Art und Weise. Während Zverev seine Pflichtaufgabe gegen Jacob Fearnley mit der Präzision eines Uhrwerks absolvierte, verwandelte Struff sein Match gegen Holger Rune in ein kleines Volksfest. Und Altmaier? Er machte die Nacht im Grandstand zu einem epischen Drama.
Zunächst also Zverev. Drei Mal 6:4 gegen Jacob Fearnley und doch verbirgt sich hinter diesem glatten Ergebnis ein Moment des Zitterns. Zverev führte im dritten Satz bereits 5:2, hatte Matchbälle auf dem Schläger, doch dann fing Fearnley plötzlich an, wie befreit aufzuspielen. Erst ein Break, dann fünf abgewehrte Matchbälle. Die Arena spürte kurz, dass noch ein Hauch von Spannung in der Luft lag. Doch Zverev ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Nach 2:28 Stunden war der Job erledigt. „Problemlos weiter“, so würde es im Sportteil nüchtern heißen. Tatsächlich war es aber ein Lehrstück darüber, wie selbst Favoritensiege eine unerwartete Dynamik entfalten können.
Anders Struff. Sein Duell mit Holger Rune auf Court 17 war kein glatter Durchmarsch, sondern ein hochemotionaler Schlagabtausch. Rune, das dänische Ausnahmetalent, spielte gegen den Routinier aus Warstein, und plötzlich verwandelte sich die kleine Arena in ein schwarz-rot-goldenes Tollhaus. Struff hatte die Fans im Rücken, jede Rallye wurde gefeiert wie im Davis Cup. Am Ende stand ein Sieg, der nicht nur sportlich überraschte, sondern auch zeigte, welche Energie dieser Spieler mobilisieren kann, wenn er von den Fans getragen wird.
Und dann ist da noch Daniel Altmaier. Schon in der ersten Runde musste er über fünf Sätze gehen, und zwar gegen Hamad Medjedovic. Wer dachte, er könne nun kürzertreten, lag falsch. Gegen Stefanos Tsitsipas, immerhin mehrfacher Grand-Slam-Finalist, kämpfte sich Altmaier über vier Stunden und zwanzig Minuten durch, überwand Tiefs, bäumte sich immer wieder auf und sicherte sich schließlich im fünften Satz mit 7:5 den bislang größten Sieg seiner Karriere. Es war weit nach Mitternacht, als Altmaier die Faust ballte und der Grandstand bebte. Ein Marathon, der in Erinnerung bleiben wird.
Das Schöne daran ist, dass sich die Geschichten verweben. Während Struff schon am Freitag auf Frances Tiafoe trifft, geht es für Zverev am Samstag gegen Félix Auger-Aliassime. Und Altmaier? Er bekommt es mit Alex de Minaur zu tun, einem Spieler, der kaum Fehler macht und ebenfalls in blendender Form ist. Drei völlig verschiedene Herausforderungen und drei deutsche Spieler, deren Spielstile nicht unterschiedlicher sein könnten.
Zverev, die deutsche Nummer eins, wirkt souverän, aber noch nicht am Limit. Er weiß, dass die großen Prüfungen erst noch kommen werden. Struff spielt mit Herz und Power, seine Matches sind immer auch ein Spektakel. Altmaier wiederum verkörpert den Kämpfer, der niemals nachlässt, selbst wenn ihm die Beine schwer werden. Doch zusammen erzählen sie gerade eine Geschichte, die es bei den US Open lange nicht gegeben hat: Deutschland mischt in New York kräftig mit.
Und auch das internationale Teilnehmerfeld bleibt spannend. Jannik Sinner wirkte bislang souverän und Carlos Alcaraz sprühte vor Spielfreude. Die French-Open-Sieger der vergangenen Jahre wurden jedoch noch kaum gefordert. In den frühen Runden der US Open tobt das Geschehen oft eher auf den Nebenschauplätzen und genau dort haben die Deutschen gerade ihre Bühne gefunden.
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