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Tennis
  1. TENNIS

Zverev und Altmaier weiter

Mitternacht, Drama und deutsche Siege: Alexander Zverev und Daniel Altmaier setzen bei den US Open erste Ausrufezeichen, jeder auf seine eigene Art.

Kurz vor ein Uhr nachts ballte Alexander Zverev die Faust. Mit 6:2, 7:6 (3) und 6:4 gegen den Chilenen Alejandro Tabilo schob sich die deutsche Nummer eins in die zweite Runde der US Open. Eine Spätschicht, die sich sehen lassen konnte. Vieles an diesem Auftritt wirkte kontrolliert und souverän, aber nicht ohne jene Ecken und Kanten, die Zverev nach dem Match selbstkritisch ansprach: „Es war nicht alles gut.“ Doch das Entscheidende war: Es war gut genug.

Als Zverev nach Mitternacht den ersten Matchball verwandelte, hatte sich das Publikum im Arthur Ashe Stadium längst gelichtet und viele Plätze waren leer. Wer aber blieb, wurde Zeuge eines Auftakts, der Ruhe und Zielstrebigkeit ausstrahlte. Kein unnötiges Drama, kein Zittern über fünf Sätze. Nur ein schneller Job und das Wissen, dass nun der Brite Jacob Fearnley wartet.

Ein Gegner, der auf dem Papier keine unüberwindbare Hürde darstellt. Zweimal stand Zverev 2025 schon gegen ihn auf dem Platz: in Melbourne bei den Australian Open und in Miami, beide Male ohne Satzverlust. Doch gerade solche Matches bergen ihre eigene Gefahr: Der Außenseiter hat nichts zu verlieren, der Favorit hingegen alles. Ob Zverev die nötige Wachsamkeit behält, wird sich zeigen.

Während Zverev sein Match nachts beendete, hatte Jannik Sinner seinen Schläger bereits wieder im Bag. Der Titelverteidiger und Weltranglistenerste marschierte zuvor mit einer Demonstration der Stärke über Vit Kopriva hinweg. 6:1, 6:1, 6:2 – ein Ergebnis, das keine Fragen offenließ. In der zweiten Runde trifft Sinner auf Alexei Popyrin, jenen Australier, der im Vorjahr Novak Djokovic aus dem Turnier befördert hatte. Ein frühes Duell mit viel Sprengkraft.

Doch nicht nur die Nummer eins der Welt und der deutsche Topspieler setzten in New York Schlaglichter. Daniel Altmaier erlebte ein ganz anderes Abenteuer und spielte vielleicht das intensivste Match des bisherigen Turniers. Fast fünf Stunden lang kämpfte er gegen den Serben Hamad Medjedovic: fünf Sätze, zwei Tiebreaks, unzählige Wendungen. 7:5, 6:7 (4), 7:6 (7), 6:7 (5), 6:4.

Altmaier, der sonst oft im Schatten der größeren Namen steht, biss sich durch, als die Kräfte schon lange schwanden. Er nahm jede Rallye, jeden Rückschlag und jede verpasste Chance hin, um am Ende mit einer Mischung aus Zähigkeit und Mut doch noch den entscheidenden Schlag zu setzen. Es war eine Vorstellung, die nicht nur Punkte brachte, sondern auch Herzen gewann.

Zur Belohnung darf Altmaier nun gegen Stefanos Tsitsipas antreten. Der Grieche ist seit Jahren Stammgast in der Weltspitze und mühte sich zum Auftakt über vier Sätze gegen Alexander Müller. Für Altmaier bedeutet das: Die nächste Herkulesaufgabe steht bevor. Doch wer fast fünf Stunden in der ersten Runde übersteht, dem ist alles zuzutrauen.

Ein Blick in die anderen Stadien zeigte, dass es ein Abend voller Kontraste war. Im Louis Armstrong Stadium setzte sich Tommy Paul locker gegen den Dänen Emil Moler durch. Ein Pflichtsieg, nicht mehr. Lorenzo Musetti hingegen tat sich schwerer, rang Giovanni Mpetshi Perricard in vier Sätzen nieder und sorgte dafür, dass gleich zwei Italiener in der zweiten Runde vertreten sind.

Und Zverev? Er konnte sich bei seiner Premiere in New York nicht nur auf seine Aufschläge verlassen, sondern auch auf jene kühle Effizienz, die bei großen Turnieren gefragt ist. Bis zu einem möglichen Showdown mit den ganz Großen sind es noch viele Schritte, noch kann vieles passieren. Aber der erste Schritt ist getan und der zweite wartet schon.

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