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Tennis
  1. TENNIS

Zverev trotzt Medvedev und steht im Halbfinale von Paris

Zwei Matchbälle abgewehrt, ein Fluch gebrochen, ein neues Kapitel aufgeschlagen: Alexander Zverev hat sich mit einem Kraftakt ins Halbfinale des ATP-Masters in Paris gekämpft und dabei sein persönliches Kryptonit endlich besiegt.

Was für ein Tennisdrama am Freitagabend! In einem Match, das alles bot, Taktik, Nerven, Emotionen, rang Zverev den Russen Daniil Medvedev mit 2:6, 6:3, 7:6 (5) nieder. Es war kein Sieg wie jeder andere. Fünf Mal in Folge hatte Zverev zuvor gegen Medvedev verloren, fünf Mal war der Deutsche am Rätsel des russischen Returnkünstlers gescheitert. Doch diesmal weigerte er sich, die Geschichte ein weiteres Mal zu wiederholen.

Schon im ersten Satz sah es nach einem Déjà-vu aus. Medvedev dominierte von hinten, las Zverevs Aufschläge wie ein offenes Buch und zwang ihn mit seiner unorthodoxen Rückhand tief in die Defensive. Als der Hamburger beim Stand von 3:4 ausrutschte und sich an die linke Oberschenkelrückseite fasste, schien das Spiel in vertraute Bahnen zu geraten. Doch Zverev, der Titelverteidiger von Paris, kämpfte sich in den Schmerz hinein und fand eine Antwort.

„Ich fühlte mich gut, aber ich spielte anfangs taktisch sehr dumm“, gab Zverev später offen zu. „Dann habe ich ein paar Dinge verändert und plötzlich lief es.“ Anstatt den Ballwechseln Medvedevs stumpf zu folgen, suchte er die Initiative: mehr Risiko, mehr Angriff, mehr Mut. Mit einem Break gleich zu Beginn des zweiten Satzes kippte das Momentum, und Zverev war wieder da.

Das Match wurde zu einem Ritt auf der Rasierklinge. Als Medvedev im entscheidenden Satz bei 5:4 zwei Matchbälle hatte, lag die Sensation in der Luft. Doch Zverev, der an diesem Abend so ruhig wirkte wie selten zuvor, wehrte beide ab und gewann die mit 27 Schlägen längste Rallye des Spiels mit einem glücklichen Netzroller. Es war der Moment, in dem der Glaube zurückkehrte.

Der anschließende Tiebreak wurde zu einem Nervenspiel. Zverev vergab beim Stand von 5:3 eine vermeintlich einfache Smash-Chance, fing sich jedoch wieder und holte sich nach zweieinhalb Stunden Hochspannung mit purer Willenskraft den Sieg. Danach blieb er minutenlang auf dem Rücken liegen, die Augen geschlossen, und genoss seinen Triumph. Der Bann war gebrochen.

„Daniil ist irgendwie mein Kryptonit“, sagte Zverev lachend nach dem Match. „Er hatte mich in den letzten Jahren komplett im Griff. Heute war ich einfach nur froh, endlich wieder zu gewinnen.“

Die Statistiken erzählten dabei eine Geschichte des Risikos. Medvedev dominierte mit der Vorhand, schlug 19 Winner bei nur 12 Fehlern. Zverev hingegen hielt mit stabilen Rückhänden dagegen: Er machte neun unerzwungene Fehler, Medvedev hingegen 23. Am Ende war die Nervenstärke entscheidend, nicht die Zahlen.

Mit diesem Sieg steht Zverev nun im Halbfinale des Rolex Paris Masters und trifft erneut auf Jannik Sinner, die aufstrebende Nummer zwei der Welt. Eine Begegnung, die Zverev selbst als „fantastisch“ beschreibt. Erst letzte Woche standen sich die beiden im Finale von Wien gegenüber, das Sinner in drei Sätzen gewann. Nun gibt es die Revanche – auf noch größerer Bühne.

Sinner spielt derzeit das Tennis seines Lebens, doch Zverev hat seine eigene Geschichte im Gepäck: die eines Comebacks, das wie eine Trotzreaktion auf die letzten Jahre wirkt. Paris, die Stadt seines größten Masters-Triumphs, scheint ihm erneut Energie zu verleihen.

Während Medvedevs Hoffnungen auf das ATP-Finale in Turin endgültig begraben sind, darf Zverev weiter vom Titel träumen. Vielleicht ist es genau dieses Gefühl, der Kampf gegen das eigene Kryptonit, das ihn stärker gemacht hat als je zuvor.

Im Halbfinale gegen Sinner geht es nun nicht nur um einen Platz im Finale, sondern auch darum, zu beweisen, dass Zverevs Hunger zurück ist. Wird er erneut zum Meister von Paris? Die Antwort folgt und könnte sein bisher größtes Statement dieser Saison werden.

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