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Olympia/Tennis
  1. TENNIS

Zverev trotzt Frust und Netzpech

Der Ball am Netzband, der Frust, der Ausbruch und doch steht Alexander Zverev im Halbfinale von Toronto. Dort wartet mit Karen Khachanov ein alter Bekannter. Wird Zverev seinen Lauf fortsetzen?

Es war eines dieser Matches, die einen Profi an den Rand der Selbstbeherrschung treiben können. Zverev, Deutschlands Nummer eins, musste im Viertelfinale des ATP-Masters in Toronto nicht nur gegen Alexei Popyrin kämpfen, sondern auch gegen das Netzband und seine eigenen Nerven. Der Australier erwischte Zverev eiskalt im Tiebreak des ersten Satzes, als ein Netzroller bei einem Stand von 9:8 unhaltbar auf Zverevs Seite trudelte. Wutentbrannt drosch Zverev den Ball aus dem Stadion – ein Bild, das vielen Fans noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Doch dieser Frustausbruch war offenbar der Wendepunkt. Denn ab dem zweiten Satz zeigte Zverev, warum er in dieser Partie der klare Favorit war. Gleich zu Beginn gelang ihm das wichtige Break zum 2:0, doch Popyrin, der in Montreal schon einmal das kanadische Masters gewonnen hatte, ließ sich nicht abschütteln. Im siebten Spiel schlug er mit einem Re-Break überraschend zurück. Es war jedoch Zverev, der das letzte Wort hatte: Mit 6:4 holte er sich den Satzausgleich und stellte die Partie endgültig auf Neustart.

Im Entscheidungssatz zeigte Zverev dann die Eigenschaften, die ihn von einem formstarken Außenseiter wie Popyrin unterscheiden: Nervenstärke und Effizienz. Er nutzte seine zweite Chance auf eine 2:0-Führung und ließ ab diesem Moment nichts mehr anbrennen. Während Popyrin sichtlich mit seiner physischen Verfassung kämpfte, dominierte Zverev die langen Ballwechsel, kontrollierte die Aufschlagspiele und entschied das Match nach 2:42 Stunden für sich.

Der Lohn war ein Halbfinale gegen Karen Khachanov, der sich parallel gegen den jungen US-Amerikaner Alex Michelsen durchgesetzt hatte. Auch Khachanov startete schlecht, verlor sein erstes Aufschlagspiel, kämpfte sich aber eindrucksvoll zurück und gewann in zwei Sätzen mit 6:4 und 7:6 (3). Für den Russen ist es eine Rückkehr auf eine Bühne, die ihm liegt. Schließlich war sein letzter Sieg gegen Zverev ebenfalls beim kanadischen Masters, allerdings im Jahr 2019 in Montreal.

Seitdem hat sich die Bilanz jedoch deutlich in Richtung Zverev verschoben: Aus seiner Sicht steht es 5:2, sodass er als Favorit ins Halbfinale geht. Doch genau darin liegt auch die Gefahr. Khachanov hat nichts zu verlieren, Zverev dagegen einiges. Die Erinnerungen an das bittere Aus im Tiebreak gegen Popyrin sind noch frisch, und solche psychologischen Narben können in einem engen Match schnell wieder aufreißen.

Während Zverev und Khachanov ihre Revanche vorbereiten, blickt das Turnier gespannt auf die verbleibenden Viertelfinalpartien der unteren Tableauhälfte. Dort trifft der formstarke Taylor Fritz auf den kraftvollen Andrey Rublev. Anschließend trifft Ben Shelton im Duell der Shootingstars auf den frisch gekürten Washington-Champion Alex de Minaur. Wer von diesen vier Spielern ins Halbfinale vorstoßen wird, könnte für den weiteren Turnierverlauf entscheidend sein, denn Zverevs möglicher Finalgegner wird unter ihnen sein.

Toronto hat sich also erneut als Schauplatz für große Geschichten und emotionale Wendungen erwiesen. Die Frage ist nur: Schreibt Alexander Zverev die nächste? Oder holt Khachanov die Erinnerungen von 2019 zurück? Die Antwort gibt es im Halbfinale, und die Tenniswelt schaut gebannt zu.

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