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Zverev stürmt ins Viertelfinale

Alexander Zverev ist in Paris in Topform, doch ausgerechnet jetzt wartet mit Daniil Medvedev sein kryptonitartiger Rivale. Auch Jannik Sinner überzeugt, zeigt aber kleine Schwächen. Die Spannung beim ATP-Masters steigt.

Zverev hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er in dieser Saison noch lange nicht fertig ist. Mit einem souveränen 6:2, 6:4 über den fehleranfälligen Alejandro Davidovich Fokina zog der Hamburger ins Viertelfinale ein und das mit einer Gelassenheit, die man zuletzt selten bei ihm gesehen hat.

Schon früh stellte Zverev die Weichen. Beim Stand von 1:1 profitierte er von den Unsicherheiten des Spaniers, holte sich das erste Break und ließ von da an kaum noch Zweifel an seiner Überlegenheit aufkommen. Zverev hatte zwar zu Beginn selbst mit der eigenen Konstanz zu kämpfen, doch nachdem er drei Breakchancen abwehrte, fand er seinen Rhythmus: Er spielte präzise, druckvoll und fokussiert. Das zweite Break zum 5:2 war die logische Folge einer Partie, in der Zverev zunehmend das Zepter übernahm.

Auch im zweiten Satz zeigte sich Zverev zunächst von seiner besten Seite. Ein frühes Break schien die Entscheidung anzudeuten, doch Davidovich Fokina schlug kurzzeitig zurück. Nach einem medizinischen Time-out des Spaniers übernahm Zverev wieder die Kontrolle, nutzte im siebten Spiel seine Chance und ließ sich den Vorsprung nicht mehr nehmen. Nach 96 Minuten war der Arbeitstag beendet, sachlich, effizient, ohne Drama.

Mit diesem Sieg baute Zverev seine Bilanz gegen Davidovich Fokina auf 6:1 aus. Nun steht ihm jedoch ein ganz anderes Kaliber bevor: Daniil Medvedev. Der Russe, aktuell Weltranglisten-Dritter, kämpfte sich in einem intensiven Duell mit Lorenzo Sonego (3:6, 7:6, 6:4) ins Viertelfinale. Für Zverev ist Medvedev kein Unbekannter, eher ein unliebsamer Begleiter: Der direkte Vergleich von 7:14 spricht eine deutliche Sprache. In diesem Jahr gingen die Duelle in Halle und Peking beide an den Russen.

Doch Zverev wäre nicht Zverev, wenn er sich von Statistiken einschüchtern ließe. Sein Spiel in Paris wirkte kontrolliert und taktisch klug. Eigenschaften, die er im Spiel gegen Medvedev dringend brauchen wird. Der Hamburger kennt das Rezept gegen den Russen: aggressives Angriffstennis, variable Aufschlagmuster und Geduld in den langen Ballwechseln. Die Frage bleibt: Kann er die Theorie diesmal auch umsetzen?

Während Zverev seine Form steigert, liefert Jannik Sinner weiterhin Bestleistungen ab, auch wenn nicht alles glatt lief. Der Südtiroler besiegte Francisco Cerundolo mit 7:5, 6:1 und steht ebenfalls im Viertelfinale. Besonders im ersten Satz musste der Weltranglistenzweite kämpfen. Zwar startete Sinner mit einem Break zu null, doch leichte Unkonzentriertheiten brachten den Argentinier zurück ins Spiel. Zwei Mal verlor der Italiener den Aufschlag, zwei Mal holte er sich das Break zurück. Ein wilder Ritt durch einen Satz voller Auf und Abs.

Als Sinner beim Stand von 4:4 erste muskuläre Probleme andeutete, schien die Partie kurzzeitig zu kippen. Doch im entscheidenden Moment bewies der vierfache Grand-Slam-Gewinner Nervenstärke: Cerundolo schenkte mit vermeidbaren Fehlern das dritte Break her und Sinner holte sich den Satz mit 7:5.

Im zweiten Durchgang war die Messe dann schnell gelesen: Ein frühes Break, kaum Wackler und nach etwas mehr als einer Stunde stand es 6:1.

Trotz leichter Oberschenkelprobleme setzte Sinner damit seine beeindruckende Serie von 23 Siegen in Folge auf Indoor-Hardcourt fort. Eine Zahl, die selbst in den Statistiken eines Novak Đoković selten auftaucht. Und der nächste Prüfstein steht bereits bereit: Ben Shelton, der mit einem überraschend klaren 7:6 (6) und 6:3 über Andrey Rublev aufhorchen ließ.

Paris erlebt damit ein Viertelfinale, das es in sich hat: Zverev gegen Medvedev. Ein Duell voller Vorgeschichte, Psychospiele und offener Rechnungen. Sinner spielt gegen Shelton: jugendlicher Power-Tennis gegen taktische Reife.

Was sich in den Hallen von Bercy abzeichnet, ist mehr als nur ein Turnier: Es ist der letzte große Schlagabtausch der Saison, bevor der Blick auf die French Open und das kommende Tennisjahr gerichtet wird. Und wer weiß, vielleicht steht Zverev diesmal am Ende nicht vor, sondern über seinem Angstgegner.

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