In Cincinnati brodelt es. Die Favoriten setzen Ausrufezeichen, wanken oder verabschieden sich früh. Was steckt hinter den ersten großen Wendungen des Turniers?
Alexander Zverev hat einen Einstand nach Maß hingelegt. In der zweiten Runde des ATP-Masters-1000-Turniers ließ der Weltranglisten-Dritte dem 19-jährigen Lokalmatador Nishesh Basavareddy, der mit einer Wildcard ins Feld gerutscht war, keine Chance und siegte klar mit 6:3, 6:3. Zuvor hatte Basavareddy Aleksandar Vukic überrascht, gegen Zverev fehlten ihm jedoch die Mittel. „Basavareddy ist solide, aber ihm fehlen die Waffen, um Zverev ernsthaft in Gefahr zu bringen“, fasste ein Beobachter zusammen. Die Versuche mit Stoppbällen liefen ins Leere.
Das Match auf dem Grandstand begann ausgeglichen, bis Zverev im fünften Spiel den ersten Punch setzte. Nach einem weiteren Break war der erste Satz nach nur 31 Minuten durch. Im zweiten Durchgang reichte ein Break zum 4:2, um endgültig die Richtung vorzugeben. Zverev ließ bei eigenem Aufschlag nichts anbrennen und stand nach 66 Minuten in der dritten Runde. Dort wartet Brandon Nakashima, einen Gegner, den Zverev in allen bisherigen vier Duellen bezwungen hat.
Auch die Finalisten von Toronto starteten erfolgreich in Cincinnati: Ben Shelton führte gegen Camilo Ugo Carabelli mit 6:3 und 3:1, als der Argentinier verletzungsbedingt aufgeben musste. Karen Khachanov setzte sich in zwei Sätzen gegen Valentin Royer durch, der in der ersten Runde Sebastian Ofner aus dem Turnier geworfen hatte.
Mehr Mühe als erwartet hatte der Weltranglisten-Zweite Carlos Alcaraz. Gegen Damir Dzumhur startete er mit 6:1 furios, verlor dann aber den Faden. Ganze 44 unerzwungene Fehler leistete er sich, eine Zahl, die man sonst kaum mit dem Spanier verbindet. Dzumhur nutzte jede Breakchance und brachte Alcaraz an den Rand einer Niederlage.
Der Wendepunkt kam im dritten Satz beim Stand von 2:1: Dzumhur hatte die Chance zum Ausgleich, doch Alcaraz konterte einen Lob mit einer spektakulären Vorhand aus der Drehung. Dieses Highlight beflügelte ihn und trotz eines kurzen Aufbäumens seines Gegners verwandelte er den Matchball im Entscheidungssatz nach einem 6:3 erleichtert. „Ich bin einfach glücklich, gewonnen zu haben und die Chance zu bekommen, beim nächsten Mal besser zu spielen“, sagte er. Seine Analyse: schnelle Bälle, schwierige Positionierung, aber am Ende zählte nur der Sieg. In der dritten Runde wartet Hamad Medjedovic, der sich gegen Tallon Griekspoor durchsetzte.
Ein frühes Aus erlebte Daniil Medvedev. Der ehemalige Weltranglistenerste unterlag Adam Walton nach starkem Beginn überraschend mit 7:6 (0), 4:6, 1:6, besonders im dritten Satz wirkte Medvedev fahrig, während der Australier immer sicherer aufspielte.
Die Ausgangslage verspricht Spannung: Zverev hat die Chance, seinen positiven Lauf gegen Nakashima fortzusetzen. Shelton will den Heimvorteil nutzen, Khachanov setzt auf Routine und Alcaraz muss sein Niveau steigern, um weiter im Titelrennen zu bleiben. Für Medvedev dagegen ist Cincinnati bereits Geschichte. Ein Warnsignal, wie schnell sich in der heißen Phase der Saison alles drehen kann.
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