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Tennis
  1. TENNIS

Zverev siegt zum Auftakt

In Turin zeigt Alexander Zverev wieder sein Finals-Gesicht. Mit kühlem Kopf und präzisem Spiel besiegte er den aufstrebenden Ben Shelton und schickte damit ein deutliches Signal an seine Rivalen beim Saisonabschluss.

Kaum ein Turnier scheint Alexander Zverev so sehr zu beflügeln wie die Nitto ATP Finals. In Turin, wo sich die acht besten Spieler des Jahres treffen, hat der Hamburger am Sonntagabend eindrucksvoll bewiesen, warum er zu den prägenden Figuren gehört. Mit 6:3, 7:6 (6) setzte er sich gegen den US-amerikanischen Youngster Ben Shelton durch und das nur acht Tage, nachdem ihn eine Knöchelverletzung im Halbfinale von Paris noch ausgebremst hatte.

Doch von Schonung war nichts zu sehen. Zverev wirkte erholt, fokussiert und in seinem Element. Schon in den ersten Ballwechseln diktierte er das Tempo, traf präzise Aufschläge und kontrollierte die Grundlinie, als wäre die Verletzung nie passiert. Der Auftakt in der Björn-Borg-Gruppe gelang ihm damit perfekt: 1:0 in Matches gegen einen Gegner, der alles andere als leicht zu lesen ist.

„Ben ist unglaublich aggressiv, wahrscheinlich einer der offensivsten Spieler der Welt“, sagte Zverev nach dem Match. „Im Tie-Break hat er fantastisch begonnen, aber ich musste mich auf das konzentrieren, was ich kontrollieren konnte.“ Genau das tat der Deutsche und wie!

Shelton, der sein Debüt bei den Nitto ATP Finals gab, brachte seine Explosivität auf den Platz, blieb aber in puncto Konstanz hinter den Erwartungen zurück. Zverev dagegen ließ über die gesamte Partie keinen einzigen Breakball zu. Besonders bei Sheltons zweitem Aufschlag zeigte sich der Unterschied: 76 Prozent der Punkte holte der Deutsche beim Return dieser zweiten Lieferung. Eine Quote, die in einem Match dieser Klasse fast schon unverschämt stark wirkt.

Und doch hätte das Spiel im zweiten Satz kippen können. Shelton hatte sich in den Tie-Break gekämpft, führte dort schnell mit 4:0 und später mit 6:4 und hatte somit zwei Satzbälle, die das Match hätten verlängern können. Doch dann kam jener Moment, der Zverevs mentale Stärke offenlegte: Der Deutsche blieb ruhig, returnierte sicher, zwang Shelton zu Fehlern und schloss die Partie eiskalt ab. Als der Amerikaner bei einem Stand von 6:5 eine einfache Vorhand ins Netz setzte, nutzte Zverev seine Chance und holte sich mit einem kontrollierten Punktgewinn den Sieg.

Es war kein glanzvoller Sieg, sondern einer der Kontrolle. Ein Sieg, der zeigt, dass Zverev weiß, wie man in Turin gewinnt. Schon 2018 in London und 2021 an gleicher Stelle hatte er den Titel geholt, nun greift er nach dem dritten Triumph. Damit würde er in einen exklusiven Kreis eintreten. Nur sieben Spieler haben zuvor dreimal das Saisonfinale gewonnen.

Für den 28-Jährigen ist Turin längst mehr als nur ein Turnier. Es ist ein Ort, an dem er seine Karrierehöhepunkte neu definiert. Nach einem Jahr voller Höhen und Tiefen, Verletzungen, Comebacks, Frust und Freude, scheint Zverev pünktlich zum Saisonende wieder dort zu sein, wo er sich am wohlsten fühlt: mitten im Titelrennen.

Die Tatsache, dass er in diesem Jahr bereits viermal gegen Shelton gewonnen hat, in München, Stuttgart, Cincinnati und nun in Turin, verleiht dem Duell eine besondere Dynamik. Zverev wirkt wie ein erfahrener Spieler, der seinem aufstrebenden Rivalen stets einen Schritt voraus ist. Doch der kraftvolle und furchtlose Amerikaner könnte schon bald wieder aufschlagen, vielleicht schon bei den French Open oder in der kommenden Saison.

Zverev hingegen schaut nicht zu weit nach vorn. In Turin zählt nur das Jetzt, nur das nächste Match, der nächste Punkt. Sein Blick ist ruhig, sein Auftreten kontrolliert, beinahe stoisch. Doch hinter dieser Ruhe steckt die Energie, die ihn schon zweimal zum Champion gemacht hat und vielleicht bald ein drittes Mal.

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