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Tennis
  1. TENNIS

Zverev scheitert dramatisch

Ein Moment der Entscheidung: Ein Netzband lässt den Traum von Alexander Zverev platzen, während ein US-amerikanischer Youngster in Toronto endgültig durchstartet. Was bedeutet das für das Finale?

Wie schmal der Grat zwischen Triumph und Niederlage im Tennis sein kann, zeigte sich am Freitagabend in Toronto auf tragische Weise. Alexander Zverev hatte alles in der Hand: einen Matchball, den Rhythmus, das Momentum. Und doch stand er am Ende mit leeren Händen da. Karen Khachanov, der lange Zeit wie der zweite Sieger gewirkt hatte, rettete sich mit letzter Kraft in den Tie-Break und besiegelte nach 2:40 Stunden das Aus des deutschen Topspielers.

Ein bitterer Rückschlag für Zverev, der beim ATP-Masters-1000-Turnier in Toronto bereits gegen Matteo Arnaldi und Titelverteidiger Alexei Popyrin mühsam Comebacks feiern musste. Gegen Khachanov war das Glück nicht mehr auf seiner Seite. Zwar glich er den frühen Satzrückstand mit großem Kampfgeist aus, doch im entscheidenden dritten Durchgang fehlte vielleicht das letzte Quäntchen Konzentration oder Fortune.

Zverevs dritter Marathon

Schon der Beginn ließ nichts Gutes erahnen: Zverev verlor sein erstes Aufschlagspiel und lief wie so oft in dieser Woche einem Rückstand hinterher. Doch typisch Zverev. Er kämpfte sich zurück. Mit einem Break zum 6:4 zwang er Khachanov in einen dritten Satz, den es in ihrer bisherigen Rivalität noch nie gegeben hatte. Zverev hatte fünf der sieben vorherigen Matches gegen den Russen gewonnen, und das jeweils in zwei Sätzen.

Doch Khachanov blieb ruhig, profitierte auch von den Doppelfehlern des Deutschen und hielt so die Partie offen. Dann, beim Stand von 6:5: Zverev erspielte sich mutig den Matchball. Seine Rückhand, sein Paradeschlag, knallt an die Netzkante. Aus. Vorbei.

Es war der Wendepunkt. Zverev sah im Tiebreak zunächst besser aus, gewann eine atemberaubende 25-Schläge-Rallye zum 3:1, doch dann kippte das Glück. Drei Punkte später lag Khachanov vorne und machte beim zweiten Matchball den Sack zu. Ein 6:3, 4:6, 7:6 (4) und das dritte Karriere-Aus für Zverev gegen Khachanov. Doch dieses tat besonders weh.

Das US-Duell, das keins war

Während Zverev in Toronto haderte, ließ ein anderer Spieler in Nordamerika endgültig aufhorchen: Ben Shelton. Ben Shelton. Der 22-jährige US-Amerikaner zog mit einem souveränen 6:4, 6:3 gegen den höher gesetzten Taylor Fritz ins Endspiel ein und erreichte damit sein erstes Finale auf Masters-1000-Ebene.

Shelton, der ohnehin schon als eines der größten Talente im US-Tennis gefeiert wird, spielte gegen Fritz nahezu fehlerlos. Er ließ kein Break zu, spielte konstant aggressiv und war mental gefestigt. „Ich habe in dieser Woche so viele große Verbesserungen in meinem Spiel gesehen. Darüber bin ich am glücklichsten“, sagte er nach dem Match. Wer ihn spielen sah, konnte dem nur zustimmen.

Fritz hingegen erwischte einen rabenschwarzen Tag. Symbolisch dafür war der Doppelfehler zum Matchverlust. Das Duell dauerte nicht einmal 80 Minuten. Für Fritz war es eine herbe Klatsche, für Shelton ein Statement.

Finale mit Symbolkraft?

Und jetzt? Ein Finale, das auf dem Papier vielleicht nicht das ganz große Knistern verspricht, aber dafür jede Menge Geschichten bietet: Karen Khachanov hat sich mit all seiner Routine durch das Turnier gekämpft und im Halbfinale einen Matchball abgewehrt. Und Ben Shelton, der Shootingstar, der nun die Chance hat, sich endgültig in der Weltspitze festzubeißen.

Für Zverev bleibt die Erkenntnis, dass oft nur Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entscheiden. Und dass er trotz seiner Konstanz in diesem Jahr noch immer mit den ganz großen Momenten zu kämpfen hat. Kann er bis zu den French Open die nötige Abgebrühtheit finden?

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