Nach dem Wimbledon-Desaster kehrt Zverev mit einem Sieg zurück. Doch was steckt hinter seiner neuen Energie? Und kann Rune auf dem Hartplatz endlich durchstarten?
Ein Monat ist seit dem bitteren Aus in Wimbledon vergangen, doch jetzt scheint Alexander Zverev wieder ganz der Alte zu sein. Beim ATP Masters in Toronto setzte er sich souverän mit 7:6 (6), 6:4 gegen den Australier Adam Walton durch. Das ist zwar kein Riesenname und auch keine Glanzleistung, aber genau der Auftritt, den Zverev gebraucht hat. Ein Start, der Hoffnung macht. Denn für den deutschen Topspieler ist Toronto nicht nur irgendein Turnier, sondern der Auftakt zu seiner Nordamerika-Tour und letztlich die Generalprobe für die US Open.
Und doch war dieser Sieg mehr als nur ein erster Schritt. Es war auch ein Zeichen: „Ich bin wieder da.”
Was sich in den Tagen nach Wimbledon hinter den Kulissen abspielte, zeigt, wie tief der Frust bei Zverev saß. Er sprach offen über mentale Probleme, zog sich zurück und suchte neue Impulse, die er ausgerechnet bei einem alten Rivalen fand: Rafael Nadal. In dessen Akademie auf Mallorca trainierte Zverev unter den wachsamen Augen von Toni Nadal, dem legendären Onkel des 22-fachen Grand-Slam-Champions.
„Er ist eine Persönlichkeit, die dir Selbstvertrauen geben kann“, sagte Zverev in Toronto. Und auch wenn es sich bisher um keine langfristige Zusammenarbeit handelt, hofft der Deutsche auf mehr: „Ich versuche, ihn davon zu überzeugen, weitere Wochen mit mir zu verbringen.“ Ein gewagtes Projekt, aber eines, das wirkt.
In der dritten Runde trifft Zverev nun auf den talentierten Italiener Matteo Arnaldi, der aktuell Platz 32 der Weltrangliste belegt. Kein Selbstläufer. Doch Zverev wirkt fokussiert, frisch und mental klar. Vielleicht war genau das zuletzt die fehlende Zutat.
Ein Finaleinzug wie 2017, als er Roger Federer bezwang, scheint zwar noch weit weg, aber die Marschrichtung stimmt.
Während Alexander Zverev noch nach seiner Form sucht, hat Holger Rune ein ganz anderes Kapitel aufgeschlagen: das Ende seiner Durststrecke auf Hartplatz. Seit dem Finale in Indian Wells im März hatte der Däne keinen Sieg auf diesem Belag eingefahren, bis jetzt. In Toronto setzte er sich souverän gegen den Aufschlag-Giganten Giovanni Mpetshi Perricard durch (7:6 [7], 6:3) und musste dabei keinen einzigen Breakball abwehren.
Bei seinem jüngsten Training schaute niemand Geringeres als Andre Agassi zu, was dem Match einen Hauch von Tennis-Nostalgie verlieh. Ob das Treffen mit der Tennislegende Wirkung zeigt? Die Antwort könnte das Duell mit Alexandre Muller liefern, der sich gegen Miomir Kecmanovic durchkämpfte.
Auch Lorenzo Musetti zeigte zum Auftakt, dass mit ihm zu rechnen ist. Der Italiener ließ James Duckworth kaum Luft zum Atmen und siegte mit 7:5, 6:1.
Musetti, die Nummer drei des Turniers, trifft in der dritten Runde auf den jungen US-Amerikaner Alex Michelsen, der wiederum Tomas Barrios Vera ausgeschaltet hat.
Ein Duell mit Potenzial, denn Musetti liebt es, gegen Spieler mit Power zu kontern. Und Michelsen? Er wird versuchen, genau das zu durchbrechen.
Während sich Zverev, Rune und Musetti in der Favoritenrolle wohlfühlen, mischen auch andere bekannte Namen das Teilnehmerfeld auf: Alexei Popyrin zeigte gegen den Lokalmatador Nicolas Arseneault keine Schwächen und auch Karen Khachanov hatte mit dem argentinischen Qualifikanten Juan Pablo Ficovich leichtes Spiel. Beide stehen verdient in Runde drei und könnten für Überraschungen sorgen.
Zverev ist der letzte deutsche Hoffnungsträger im Feld. Daniel Altmaier schied bereits in der ersten Runde aus. Die Last auf Zverevs Schultern ist also groß, aber vielleicht ist genau das der Druck, den er braucht.
Mit dem Turnier in Toronto beginnt der Countdown. Wer jetzt in Form kommt, kann in New York Geschichte schreiben. Zverev weiß das und hat offenbar einiges vor.
Ob er am Ende wirklich um den Titel mitspielen kann? Die ersten Antworten liefert Toronto und verspricht jetzt schon große Emotionen.´
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