Alexander Zverev kämpft um Platz eins der ATP-Weltrangliste. Wer war der letzte deutsche Tennisprofi als Nummer eins der Welt und welche Deutschen standen zuvor an der Spitze der ATP?
Alexander Zverev steht kurz davor, deutsche Tennisgeschichte zu schreiben. Nach dem vorzeitigen Saisonende des weiterhin auf Platz eins geführten Jannik Sinner hat der Hamburger beste Chancen, erstmals die Spitze der ATP-Weltrangliste zu übernehmen.
Doch welcher Deutsche war vor Zverev bereits die Nummer eins der Welt?
Der letzte und bislang einzige deutsche Weltranglistenerste bei den Herren war Boris Becker im Jahr 1991.
Die letzte deutsche Nummer eins insgesamt war Angelique Kerber, die bis Juli 2017 an der Spitze der WTA-Weltrangliste stand.
Neben Becker und Kerber erreichte auch Steffi Graf den ersten Weltranglistenplatz.
Sollte Zverev die Spitze übernehmen, wäre er damit erst der zweite deutsche Herrenspieler an der Spitze der ATP-Weltrangliste und der erste seit 35 Jahren.
Boris Becker war der letzte und bislang einzige deutsche Herrenspieler, der den ersten Platz der ATP-Weltrangliste erreichte.
Becker übernahm die Führung erstmals am 28. Januar 1991. Vorausgegangen war sein Triumph bei den Australian Open, bei denen er im Finale den damaligen Weltranglistenersten Ivan Lendl besiegt hatte. Es war Beckers fünfter Grand-Slam-Titel und der Erfolg, der ihn endgültig an die Spitze brachte.
Seine erste Amtszeit dauerte 3 Wochen. Im Juli 1991 eroberte Becker den Spitzenplatz ein zweites Mal und verteidigte ihn anschließend weitere 9 Wochen.
Insgesamt stand Boris Becker damit 12 Wochen auf Platz eins. Seine letzte Woche als Weltranglistenerster endete am 8. September 1991, anschließend übernahm der Schwede Stefan Edberg wieder die Führung.
Das Jahr 1991 war eines der bedeutendsten in Boris Beckers Karriere. Mit dem Gewinn der Australian Open erfüllte er sich das lange verfolgte Ziel, erstmals Weltranglistenerster zu werden.
Neben seinem Grand-Slam-Triumph erreichte Becker im selben Jahr das Wimbledon-Finale. Dort musste er sich allerdings seinem deutschen Landsmann Michael Stich geschlagen geben. Zudem gewann Becker das hochklassig besetzte Turnier in Stockholm.
Trotz seiner insgesamt 12 Wochen auf Platz eins beendete er die Saison nicht als Weltranglistenerster. Diese Auszeichnung ging an Stefan Edberg. In der offiziellen ATP-Statistik wird Becker daher mit 0 Jahresabschlüssen auf Platz eins geführt.
Genau in diesem Punkt könnte Alexander Zverev Becker sogar übertreffen: Sollte der Hamburger die Saison 2026 an der Spitze abschließen, wäre er der erste deutsche Herrenspieler, der ein Tennisjahr als Nummer eins beendet.
Jannik Sinner hat offiziell bekannt gegeben, 2026 keine weiteren Tennisturniere zu bestreiten. Der Italiener leidet seit seinem Wimbledon-Triumph im Juli unter anhaltenden Problemen am rechten Knie und wird sich einer Behandlung unterziehen.
Sinner verpasst damit unter anderem die europäische Hallensaison und die ATP Finals in Turin, die er in den vergangenen beiden Jahren gewonnen hatte. Sein Ziel ist es, rechtzeitig zur Vorbereitung auf die Saison 2027 wieder vollständig fit zu sein.
Der Aufstieg erfolgt allerdings nicht automatisch. Zverev muss selbst Ergebnisse liefern, zudem bleibt die Entwicklung der anderen Konkurrenten um die Spitzenposition wichtig. Sinners Ausfall macht den Deutschen jedoch zum großen Kandidaten auf den ersten Weltranglistenplatz.
Seit Einführung der offiziellen ATP-Weltrangliste im Jahr 1973 erreichte nur ein deutscher Herrenspieler den ersten Platz:
Spieler | Erstmals Nummer eins | Letzte Woche auf Platz eins | Wochen insgesamt | Jahresendnummer eins |
Boris Becker | 28. Januar 1991 | 8. September 1991 | 12 Wochen | 0 |
Alexander Zverev erreichte bislang als beste Platzierung Rang zwei. Gelingt ihm jetzt der Sprung an die Spitze, wäre er nach Becker erst der zweite deutsche Weltranglistenerste bei den Herren.
Spieler wie Michael Stich, Tommy Haas, Rainer Schüttler oder Nicolas Kiefer schafften es ebenfalls weit nach vorne, aber niemals auf Platz eins.
Bei den Damen haben bislang 2 deutsche Spielerinnen die Spitze der offiziellen WTA-Weltrangliste erreicht:
Spielerin | Erstmals Nummer eins | Letzte Zeit auf Platz eins | Wochen insgesamt | Jahresendnummer eins |
Steffi Graf | 17. August 1987 | bis 30. März 1997 | 377 Wochen | 8-mal |
Angelique Kerber | 12. September 2016 | bis 16. Juli 2017 | 34 Wochen | 1-mal |
Steffi Graf:
Steffi Graf stand insgesamt 377 Wochen an der Spitze der WTA-Weltrangliste. Sie erreichte Platz eins erstmals am 17. August 1987 und hielt sich über mehrere große Karriereabschnitte an der Spitze.
Graf beendete insgesamt 8 Spielzeiten als Nummer eins. Ihre 377 Wochen waren lange der übergreifende Rekord im Damen- und Herrentennis, ehe Novak Djokovic die Bestmarke 2023 übertraf.
Angelique Kerber:
Angelique Kerber wurde am 12. September 2016 erstmals Weltranglistenerste. Zuvor hatte sie in derselben Saison die Australian Open und die US Open gewonnen.
Kerber stand während dreier verschiedener Zeiträume insgesamt 34 Wochen auf Platz eins. Ihre letzte Amtszeit endete am 16. Juli 2017. Damit ist sie bis heute die letzte deutsche Tennisspielerin, die eine Weltrangliste anführte.
Die Chance ist größer als jemals zuvor. Der Deutsche muss seine Gelegenheit nun bei den letzten großen Wettbewerben nutzen. Besonders die Masters-Turniere und die ATP Finals können im Kampf um die Spitze entscheidend werden.
Sollte Zverev das Jahr tatsächlich auf Rang eins abschließen, hätte er gleich mehrere historische Bestmarken erreicht:
Zweiter deutscher Herrenspieler auf Platz eins
Erster deutscher ATP-Weltranglistenerster seit Boris Becker 1991
Erster deutscher Herrenspieler als Nummer eins zum Jahresende
Erster deutscher Spieler seit Angelique Kerber 2017 an der Spitze einer Tennis-Weltrangliste
Nach seinen beiden Grand-Slam-Titeln besitzt Zverev jetzt die große Möglichkeit, seine außergewöhnliche Saison mit dem wichtigsten persönlichen Meilenstein im Welttennis zu vollenden.
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