Die Bühne ist bereitet für ein rein amerikanisches Tennis-Feuerwerk: Ben Shelton fordert Taylor Fritz im Halbfinale von Toronto heraus. Doch wer stiehlt dem anderen die Show? Der Power-Server oder der Maestro der Nervenstärke?
Wenn am Donnerstag der Sieger des ATP-Masters-1000-Turniers in Toronto gekürt wird, steht schon jetzt eines fest: Ein Amerikaner wird die Hauptrolle spielen. Nach zwei spannungsgeladenen Viertelfinalduellen am Dienstag ist das US-Duell zwischen Ben Shelton und Taylor Fritz perfekt. Während sich Fritz gegen den Russen Andrey Rublev mit 6:3 und 7:6 (4) durchsetzte, stoppte Shelton den aufstrebenden Alex de Minaur mit 6:3 und 6:4 und das mit einer Selbstverständlichkeit, die man von einem Newcomer auf dieser Bühne kaum erwarten durfte.
Shelton, der Linkshänder mit der Kanone im Arm, ließ dem „Demon” de Minaur kaum eine Chance. Besonders beeindruckend: Shelton benötigte pro Satz nur ein Break und hielt sein eigenes Service trotz de Minaurs bekannt bissiger Returns konstant. Und als es im letzten Spiel darauf ankam, blieb der 21-Jährige eiskalt und servierte das Match zu Null aus. In den langen Ballwechseln? Auch hier keine Spur von Nervosität. De Minaur, der sich in Washington noch dramatisch zum Titel gekämpft hatte, wirkte gegen Ende ausgelaugt, während Shelton vor Spielfreude sprühte.
Nun wartet mit Taylor Fritz der bisher größte Prüfstein. Ihr einziges Aufeinandertreffen in Indian Wells 2023 konnte Fritz in drei Sätzen für sich entscheiden. Doch seitdem hat Shelton an Reife gewonnen. Für ihn ist es das erste Halbfinale bei einem Turnier der 1000er-Kategorie, während Fritz bereits den Titel von Indian Wells 2022 in der Vitrine stehen hat. Die Rollen scheinen klar verteilt, doch Shelton liebt Überraschungen.
Während die Amerikaner noch auf ihren Showdown warten, geht es im ersten Halbfinale des Tages zur Sache: Alexander Zverev trifft auf Karen Khachanov. Eine Begegnung, die nach Zverevs Bilanz wenig Raum für Überraschungen lässt. Fünf der sieben bisherigen Duelle konnte Deutschlands Nummer eins für sich entscheiden. Der Weg scheint für Zverev frei, doch Khachanov hat in dieser Turnierwoche bereits einige Male bewiesen, dass Statistiken schnell Makulatur werden können.
Auf der WTA-Tour in Montreal sorgte Naomi Osaka indes für einen emotionalen Moment. Im sogenannten „Mütter-Duell“ traf sie auf Elina Svitolina und ließ der Ukrainerin beim 6:2 und 6:2 kaum Luft zum Atmen. Osaka, die nach ihrer Babypause langsam wieder zu ihrer Topform zurückfindet, dominierte von der Grundlinie und überzeugte mit präzisen Aufschlägen. Besonders symbolträchtig: Beide Spielerinnen sind erst vor Kurzem Mutter geworden. Auf dem Court zeigte sich Osaka jedoch von Beginn an fokussiert und hungrig.
Im Halbfinale trifft Osaka nun auf Clara Tauson, die als Underdog ins Match geht. Doch Vorsicht: Die Dänin hat in dieser Woche bereits für einige Überraschungen gesorgt und könnte auch gegen Osaka befreit aufspielen. Für die Japanerin wäre der Einzug ins Finale ein weiterer Meilenstein auf ihrem Comeback-Weg, doch Tauson wird alles daran setzen, genau das zu verhindern.
Toronto und Montreal liefern also derzeit alles, was Tennisfans lieben. Emotionale Geschichten, nationale Rivalitäten und das ewige Duell zwischen Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit. Besonders das Match zwischen Shelton und Fritz dürfte elektrisieren. Wird Fritz seiner Favoritenrolle gerecht oder gelingt Shelton der endgültige Durchbruch? Die Antwort gibt es morgen, und sie könnte das US-Tennis nachhaltig prägen.
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