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Tennis
  1. TENNIS

Zhu Lin hat sich ins Viertelfinale von Ningbo gekämpft

Wer hätte das gedacht? Vor einem Jahr war sie noch verletzt und weit aus den Top 500 gefallen. Jetzt steht sie plötzlich wieder im Rampenlicht und das mit einem Sieg, der fast bis Mitternacht dauerte.

Es war eine dieser Nächte, die in Erinnerung bleiben: spät, laut und voller Wendungen. Zhu Lin, die einst die Nummer 31 der Welt war, hat sich in Ningbo mit einem dramatischen 4:6, 6:3, 6:2-Sieg über die Topfavoritin Mirra Andreeva ins Viertelfinale gekämpft und damit ihr Comeback endgültig besiegelt.

Dabei schien ihre Karriere vor wenigen Monaten noch auf der Kippe zu stehen. Eine hartnäckige Ellbogenverletzung hatte sie monatelang ausgebremst. Als sie im Januar bei den Australian Open auf die Tour zurückkehrte, war von ihrer alten Form kaum etwas zu sehen. Niederlagen, Unsicherheit, Zweifel. Alles, wovor ein Sportler sich fürchtet. Ihr Ranking rutschte gefährlich ab, bis sie in Montreal plötzlich explodierte: Sie besiegte die damalige Nummer 15, Ekaterina Alexandrova, und erreichte das Achtelfinale beim Canadian Open, ein erster Hoffnungsschimmer.

Doch erst jetzt, auf heimischem Boden in China, hat sie diese Hoffnung in Realität verwandelt. Innerhalb von zwei Tagen holte sie zwei Siege über zwei große Namen: erst Emma Raducanu, dann Mirra Andreeva. Beide Male drehte sie das Match nach einem verlorenen ersten Satz. Das klingt nach Kampfgeist und dem Willen, sich zurück ins Rampenlicht zu schlagen.

Andreeva, die 17-jährige Sensation der Tour, schien nach dem ersten Satz alles im Griff zu haben. Doch dann begann sie zu wackeln: Ganze 67 unerzwungene Fehler, davon 47 in den letzten beiden Sätzen, sprechen eine deutliche Sprache. Zhu hingegen fand ihre Ruhe, ihr Timing und ihre Sicherheit. Punkt für Punkt schob sie sich nach vorn, bis sie nach zwei Stunden und 17 Minuten jubelnd die Faust ballte.

623 Tage hatte Zhu kein Viertelfinale mehr erreicht, zuletzt beim Thailand Open 2024, bei dem sie es bis ins Finale schaffte. Und ausgerechnet dort traf sie auf ihre nächste Gegnerin, Diana Shnaider.

Auch die junge Russin, derzeit Nummer 19 der Welt, musste kämpfen, um in Ningbo weiterzukommen. Gegen Karolina Muchova drehte sie ein fast verloren geglaubtes Match und siegte 2:6, 6:1, 6:2. Ein seltsamer Dreisatz, bei dem kein Satz wirklich eng war, dafür gab es einen klaren Bruch nach dem ersten Durchgang. Ab dem zweiten Satz fand Shnaider ihren Rhythmus, diktierte die Ballwechsel und nutzte fünf von elf Breakchancen. Zudem brachte sie 84 Prozent ihrer ersten Aufschläge ins Feld. Mit dieser Konstanz dominierte sie den dritten Satz fast mühelos.

Nun kommt es also zum dritten Duell auf WTA-Niveau zwischen Zhu und Shnaider. Die Bilanz spricht klar für Shnaider: zwei Siege, darunter jener im Finale von Thailand. Doch diesmal ist die Ausgangslage eine andere. Zhu spielt wieder mit Leichtigkeit, Selbstvertrauen und dem Publikum im Rücken.

Kann sie die Serie brechen? Oder bestätigt Shnaider ihre Favoritenrolle? Das Match verspricht Spannung: Zwei Spielerinnen mit Kämpferherz und Power, zwei unterschiedliche Geschichten, die sich in Ningbo kreuzen. Für Zhu steht mehr auf dem Spiel als nur der Einzug ins Halbfinale, es geht um den Beweis, dass ihr Comeback keine Momentaufnahme ist.

Nebenbei schrieb auch Ajla Tomljanovic eine kleine Heldengeschichte. Nach einem 0:5-Rückstand im ersten Satz kämpfte sie sich gegen Zeynep Sonmez zurück und gewann am Ende in zwei Sätzen. Es ist ihr erstes Viertelfinale seit Mai, als sie in Marokko sogar das Halbfinale erreichte.

Damit entwickelt sich das Turnier in Ningbo zu einer Bühne der Rückkehrerinnen, der zweiten Chancen und stillen Wiederauferstehungen. Vielleicht ist das das Schönste am späten Tennisjahr: Wenn die großen Namen müde sind, erheben sich jene, die keiner mehr auf der Rechnung hatte.

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