Von Sabalenkas Rekordjahr über Andreevas Teenie-Triumph bis zu den Cinderella-Stories von Mboko und Anisimova: 2025 war ein Jahr, in dem Tennisgeschichte neu geschrieben wurde. Hier kommt der große Rückblick auf eine Saison voller Dramen, Rekorde und Aufbrüche.
Nach ihrer Finalniederlage gegen Elena Rybakina in Riad wirkte Aryna Sabalenka auf dem Stuhl wie eingefroren. 6:3, 7:6 (0) lautete das Ergebnis. Ein abruptes Ende einer Saison, in der sie selbst zur Messlatte des Damentennis geworden war. Rybakina servierte 13 Asse, wehrte alle fünf Breakbälle ab und spielte schlicht fehlerfrei. Sabalenka, die sonst als die Abrissbirne der Tour gilt, musste akzeptieren: Diesmal war die andere besser.
Doch wer auf ein gebrochenes Statement wartete, wurde überrascht. „Ich bin stolz auf das, was wir dieses Jahr erreicht haben”, sagte Sabalenka später. Grund zur Trauer gab es immerhin nicht, denn sie schloss die Saison mit den meisten Siegen (63), den meisten Punkten (10 870) und dem höchsten Preisgeld der WTA-Geschichte ab: über 15 Millionen Dollar.
Sabalenka, inzwischen 27 Jahre alt, erlebte 2025 das Jahr ihrer sportlichen Reife. Sie stand in fast allen großen Finals, auch wenn sie die entscheidenden Titel, etwa bei den Grand Slams, verpasste. In Riad stand sie zum zweiten Mal im Endspiel des WTA-Finals, doch wie schon vor drei Jahren unterlag sie einer Gegnerin, die an diesem Abend einfach fehlerlos spielte. Rybakina schaffte dabei sogar ein Novum: Sie gewann den Tiebreak des zweiten Satzes zu null, das hatte es gegen Sabalenka noch nie gegeben.
Trotzdem geht sie als unangefochtene Nummer eins in die Offseason. Mit fast 2.500 Punkten Vorsprung auf Iga Swiatek bleibt sie die Spielerin, an der sich alle messen müssen. „Manchmal ist jemand an dem Tag einfach besser“, sagte sie. Ihren Frust wird sie auf den Malediven bei einem Tequila analysieren, mit Humor, wie es nur echte Champions können.
Während Sabalenka ihre Spitzenposition festigte, sorgte eine 17-Jährige für die bisher lauteste Ansage des Jahres: Mirra Andreeva. Nach ihrem ersten WTA-1000-Titel in Dubai legte die Russin in Indian Wells noch einen drauf. Auf dem Weg zu ihrem zweiten großen Triumph besiegte sie Elena Rybakina, die Titelverteidigerin Iga Świątek und schließlich auch Sabalenka selbst, gegen die sie einen Satzrückstand aufholte. Damit wurde sie die jüngste Siegerin in der Wüste von Kalifornien seit Serena Williams im Jahr 1999.
Ein Jahr, in dem das Teenager-Tennis zurück auf der Landkarte stand, wäre jedoch unvollständig ohne Amanda Anisimova. Die US-Amerikanerin, einst als Wunderkind gefeiert, feierte 2025 ihr großes Comeback. Zwei Grand-Slam-Finals in Wimbledon und bei den US Open krönten eine Saison, die sie mit WTA-1000-Siegen in Katar und Peking veredelte. Endlich wieder in den Top 5 wirkt Anisimova gereift, gelassen und gefährlich.
Auch Coco Gauff war erneut erfolgreich. Die US-Open-Siegerin von 2023 holte in Wuhan ihren dritten 1000er-Titel und festigte damit ihren Status als feste Größe. Gemeinsam mit Anisimova bildet sie nun das dynamischste US-Duo seit den Williams-Schwestern.
Und dann war da noch die wohl schönste Überraschung: Victoria Mboko. Die 18-jährige Kanadierin, die vor dem Turnier in Montreal nur die Nummer 85 der Welt war, spielte sich in einen Rausch, besiegte vier Grand-Slam-Siegerinnen, darunter die topgesetzte Gauff, und holte sich als Lokalheldin den Titel. Eine Geschichte, wie sie nur der Sport schreibt. Sie ist die zweitniedrigst platzierte Spielerin, die je ein WTA-1000-Turnier gewonnen hat.
2025 war eine Saison der Kontraste: Dominanz und Durchbruch, Erfahrung und jugendliche Furchtlosigkeit. Sabalenka mag den letzten Ball des Jahres verloren haben, aber sie bleibt der Maßstab. Und irgendwo zwischen Riad, Indian Wells und Montreal wurde klar: Die Zukunft des Frauentennis ist so aufregend, dass selbst Niederlagen glänzen.
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