Plötzlich lockt die Süper Lig internationale Stars an trotz ihrer Milliardenschulden. Wie passt das zusammen? Ein Blick in die Bilanzen der „Big Four” zeigt, warum Geld in Istanbul, Izmir und Trabzon offenbar noch immer keine Rolle spielt.
Die Süper Lig ist wieder in aller Munde, allerdings nicht wegen sportlicher Erfolge in Europa, sondern wegen prominenter Neuzugänge. Spieler wie Ilkay Gündogan oder Leroy Sane entscheiden sich für einen Wechsel in die Türkei. Dabei ist die finanzielle Lage der großen Klubs katastrophal. Fenerbahce, Besiktas, Galatasaray und Trabzonspor haben in den letzten zehn Jahren zusammengenommen Verluste von rund 1,6 Milliarden Euro angehäuft. Das ist ein Albtraum für jede Bilanz und doch scheint es kein Hindernis für neue Transferoffensiven zu sein.
Besonders dramatisch liest sich das Zahlenwerk bei Fenerbahce. Der Verein aus Kadıköy steht mit einem Defizit von über 500 Millionen Euro an der Spitze der Verlusttabelle. Nur in einer einzigen Saison konnten die Gelb-Marineblauen überhaupt einen Gewinn verbuchen. Damit ist Fenerbahce der Inbegriff eines Systems, in dem die Ausgaben die Einnahmen seit Jahren übersteigen.
Die Rivalen stehen dem kaum nach. Besiktas hat knapp 400 Millionen Euro Verlust gemacht, ohne jemals Gewinn zu erzielen. Galatasaray verlor ähnlich viel, zeigt aber jüngst erste positive Trends, unter anderem durch geschickte Immobiliengeschäfte. Trabzonspor wiederum verbuchte rund 320 Millionen Euro Defizit bei vergleichsweise geringeren Einnahmen als die Istanbuler Großklubs.
Besonders auffällig ist der Umgang der Klubs mit dem Transfermarkt. Zwischen 2015 und 2025 flossen fast 900 Millionen Euro in neue Spieler, während durch Verkäufe nur etwa 590 Millionen Euro hereinkamen. Ein Loch von über 300 Millionen Euro wirkt wie ein Symbol für das Missverhältnis von Anspruch und Wirklichkeit.
Und doch kommen weiterhin Stars. Der Grund dafür sind die üppigen Gehälter, die in der Türkei geboten werden. Während anderswo Sparkurse gefahren werden, setzen die „Big Four” auf Prestige. Wer in Istanbul unterschreibt, darf sich nicht nur über hohe Summen freuen, sondern erlangt auch Heldenstatus bei Millionen Fans.
Dass dieses System funktioniert, liegt auch an der staatlichen Unterstützung. Schulden in Milliardenhöhe wurden bereits mehrfach restrukturiert oder teilweise erlassen. So summiert sich die aktuelle Gesamtverschuldung auf mehr als 1,1 Milliarden Euro. Allein die Steuerschulden der Klubs betragen über sechs Milliarden Lira, die Ankara immer wieder großzügig glättet.
Auch die Einführung von Ausgabegipfeln durch den türkischen Fußballverband brachte keine Besserung. Vielmehr überschreiten die Klubs die Limits regelmäßig und werden dafür kaum sanktioniert. Das System scheint darauf ausgelegt zu sein, weiterzulaufen, solange die Politik ein Auge zudrückt.
Für die Spieler ist die Rechnung einfach. In England oder Deutschland winken vielleicht größere sportliche Herausforderungen, aber in der Türkei locken Verträge, die noch einmal dicker ausfallen, sowie ein Publikum, das seine Helden auf Händen trägt. So wird die Süper Lig trotz ihrer Schuldenberge zu einer Bühne für Stars, die anderswo weniger gebraucht werden oder nach einem letzten großen Zahltag suchen.
Ob die Klubs jemals aus diesem Strudel entkommen, ist fraglich. Beobachter sprechen längst von einem finanziellen Drahtseilakt, bei dem Prestige und Emotionen über die Vernunft regieren. Für die Fans zählt ohnehin nur, dass der nächste Superstar kommt und die Süper Lig damit ein Stück Weltfußballglanz ins eigene Stadion holt.
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