Während in Hamburg die letzte deutsche Hoffnung wackelt, kündigt Eugenie Bouchard ihren endgültigen Abschied an. Es ist eine Woche der Emotionen mit Abschieden, Fragen und einer Prise Nostalgie.
Es hätte ein Heimspiel zum Aufbruch werden können, doch das WTA-Turnier am Hamburger Rothenbaum geriet für das deutsche Damentennis zur Stille statt zum Signal. Tatjana Maria, Jule Niemeier, Tamara Korpatsch und Nastasja Schunk, sie alle schieden früh aus. Von Aufbruchstimmung keine Spur, stattdessen steht erneut ein Fragezeichen über der Zukunft des deutschen Frauentennis. Und ausgerechnet auf Sand, dem Belag, auf dem deutsche Spielerinnen in der Vergangenheit große Triumphe feierten, blieben in dieser Woche in Hamburg die Erfolgsmeldungen aus.
Tatjana Maria, mit 37 Jahren die erfahrenste Spielerin im Feld, war zuletzt in Newport noch ins Finale eingezogen, doch auf dem langsameren Hamburger Sand verfingen sich ihre cleveren Slicebälle wie in einer Zeitschleife. Gegen Wiktorija Tomowa unterlag sie in zwei Sätzen. Das Spiel stand oft auf Messers Schneide, doch am Ende fehlte der letzte Punch.
Jule Niemeier, die einst in Wimbledon gefeiert wurde, kämpft weiterhin mit ihrer Form und vor allem mit dem eigenen Aufschlag. 16 Doppelfehler gegen Dajana Jastremska sprechen Bände. Wieder ein Auftritt voller Fragezeichen. Wieder endet das Turnier in der ersten Runde.
Tamara Korpatsch, Lokalmatadorin aus Hamburg, zeigte im Achtelfinale gegen Loïs Boisson großen Kampfgeist, rettete sich in den Entscheidungssatz, doch nach fast drei Stunden stand auch sie mit leeren Händen da. Nastasja Schunk, die sich mit einer Wildcard für das Turnier qualifiziert hatte, startete stark gegen Dalma Galfi, doch der Blitzstart verflog und der Traum war zwei Sätze später geplatzt.
Damit ist sie die einzige Frau im Turnier. Die Karlsruherin bekommt es im Achtelfinale mit der an Position eins gesetzten Jekaterina Alexandrowa zu tun. Ein Duell David gegen Goliath oder doch die letzte Überraschung dieser enttäuschenden Woche aus deutscher Sicht?
Während in Hamburg das Ende deutscher Beteiligung droht, kündigt sich andernorts ein ganz anderer Abschied an: Eugenie Bouchard, einst Hoffnungsträgerin einer ganzen Nation, erklärt ihren endgültigen Rückzug vom Profitennis. Mit 31 Jahren sagt die frühere Weltranglistenfünfte „Goodbye“ auf der ganz großen Bühne: beim WTA-1000-Turnier in Montreal, ihrer Heimatstadt.
„Du weißt, wann es Zeit ist, für mich ist es jetzt“, schreibt sie in den sozialen Netzwerken. Worte, die nachhallen. Sie erinnern an ein Karrierejahr, das kaum zu toppen war: 2014 erreichte Bouchard das Finale von Wimbledon, das Halbfinale der Australian Open und der French Open und gewann einen Titel in Nürnberg. Sie war auf dem Weg zu den Sternen. Doch was folgte, war ein zähes Ringen mit Verletzungen, Formschwankungen und einer sich wandelnden Tenniswelt.
In den letzten Jahren war es ruhig geworden um Bouchard. Statt auf dem Tennisplatz stand sie vor der Kamera für TV-Analysen, war in den sozialen Medien aktiv und suchte neue Wege. Seit einiger Zeit spielt sie Pickleball und mischt auf der PPA-Tour immerhin unter den besten Zwölf im Einzel mit. Doch Montreal wird ihr letzter Auftritt auf WTA-Ebene sein. „Genie's Last Dance“.
Während das junge deutsche Tennis in Hamburg weiter nach Orientierung sucht, zieht sich mit Bouchard eine Spielerin zurück, die einst zu den aufregendsten Versprechen im Damentennis gehörte. Was bleibt, ist eine Lücke. Und die Frage: Wer füllt sie? Nicht nur in Kanada, sondern auch in Deutschland.
Kann Caroline Werner ein erstes Ausrufezeichen setzen? Oder bleibt Hamburg 2025 erneut ein Turnier ohne deutsche Heldinnen? Und wer wird den Platz einnehmen, den Eugenie Bouchard jetzt endgültig räumt? Sicher ist nur: Der Sand von Hamburg und das Hartplatzlicht von Montreal erzählen in dieser Woche zwei sehr unterschiedliche Geschichten, die jedoch beide Kapitel eines sich wandelnden Frauentennis sind.
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