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Formel 1
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Vergessene Rennställe: Tyrrell

Wie ein Holzhändler einen Rennstall gründete, der zwei Weltmeisterschaften gewinnen konnte.

Der britische Rennstall Tyrrell ist untrennbar mit dem Namen seines Gründers, Ken Tyrrell, verbunden. Ken Tyrrell, ursprünglich Holzhändler und begeisterter Motorsport-Enthusiast, gründete Anfang der 1960er-Jahre zunächst das Tyrrell Racing Team, das in den unteren Formelklassen schnell Erfolge verbuchen konnte. Die offizielle Gründung des Tyrrell-Rennstalls als eigenständiges Formel-1-Team erfolgte im Jahr 1970. Damit legte Ken Tyrrell den Grundstein für eine der faszinierendsten Geschichten der Formel-1-Geschichte.

Die Entwicklung zum Weltmeisterteam

Bereits in den späten 1960er-Jahren engagierte sich Ken Tyrrell als Teamchef des Matra-Teams in der Formel 1 und hatte mit Jackie Stewart einen der talentiertesten Fahrer seiner Zeit unter Vertrag. Doch erst mit dem Schritt zur Eigenständigkeit und dem Bau eigener Fahrzeuge, die ab 1970 unter dem Namen Tyrrell an den Start gingen, begann die eigentliche Erfolgsgeschichte.

Im Debütjahr 1970 fuhr das Team zunächst mit modifizierten March-Chassis, doch noch in der laufenden Saison wurde das erste eigene Auto präsentiert: der Tyrrell 001. Schon im Folgejahr, der Saison 1971, konnte das Team sensationell mit dem Tyrrell 003 und Fahrer Jackie Stewart den Weltmeistertitel feiern. Stewart gewann insgesamt sechs Rennen, das Team holte auch die Konstrukteursweltmeisterschaft – der größte Triumph in der Tyrrell-Geschichte.

Technische Innovationen und Ikonen der Formel 1

Tyrrell war bekannt für Innovation und Mut zur Andersartigkeit. Besonders berühmt wurde der Tyrrell P34 aus dem Jahr 1976, der einzige Formel-1-Wagen mit sechs Rädern, der je in einem Grand Prix siegte. Die vier kleinen Vorderräder sollten die Aerodynamik und die Haftung verbessern. Das unkonventionelle Konzept sorgte weltweit für Aufsehen und verhalf dem Team zu bleibender Bekanntheit, auch wenn das Fahrzeug nur einen Sieg (Schweden-GP 1976) einfahren konnte.

Neben dem P34 brachte Tyrrell viele erfolgreiche Modelle an den Start und arbeitete mit legendären Fahrern  wie François Cevert, Jody Scheckter, Patrick Depailler, Ronnie Peterson, Michele Alboreto und Jean Alesi zusammen. Das Team war in den 1970er-Jahren regelmäßig siegfähig, wobei Jackie Stewart als erfolgreichster Fahrer des Teams drei Weltmeistertitel (1969 mit Matra, 1971 und 1973 mit Tyrrell) holte.

Erfolge und Höhepunkte

Die goldene Ära von Tyrrell lag eindeutig in den 1970er-Jahren. Herausragend war der Gewinn der Fahrerweltmeisterschaften 1971 und 1973 durch Jackie Stewart sowie der Konstrukteurstitel 1971. Bis zum Ende der 1970er-Jahre gelangen Tyrrell insgesamt 23 Grand-Prix-Siege sowie zahlreiche Podestplatzierungen. Besonders emotional war der Sieg von Patrick Depailler beim Großen Preis von Monaco 1978, der als einer der prestigeträchtigsten Siege der Teamgeschichte gilt.

Auch in den 1980ern und frühen 1990ern konnte Tyrrell immer wieder mit technischen Innovationen und Überraschungsergebnissen auf sich aufmerksam machen. Jean Alesis spektakuläre Duelle im Tyrrell 019, der mit der sogenannten „Nasenhöcker“-Frontflügel-Konstruktion eine neue Aerodynamik-Ära einleitete, sind den Fans bis heute in Erinnerung geblieben. Dennoch blieben die ganz großen Erfolge nach dem Aufkommen besser finanzierter Werksteams zunehmend aus.

Die Herausforderungen der Moderne und Rückzug aus der Formel 1

Ab Mitte der 1980er-Jahre wurde es für unabhängige Teams wie Tyrrell immer schwieriger, mit den finanziellen und technischen Ressourcen der großen Hersteller mitzuhalten. Die steigende Komplexität, die Professionalisierung und der Einfluss von Großkonzernen wie Ferrari, McLaren, Williams, später auch Mercedes und Renault, verschärften den Wettbewerb. Tyrrell kämpfte mit begrenzten Mitteln und musste sich oft mit Mittelfeldplatzierungen zufriedengeben.

Die 1990er-Jahre brachten für Tyrrell einige Achtungserfolge, aber auch immer größere finanzielle Probleme. Die Entwicklung neuer Autos und die Suche nach starken Sponsoren  wurden zur immer größeren Herausforderung. Ken Tyrrell, der das Team als Familienbetrieb geführt hatte, sah sich am Ende der Möglichkeiten angelangt.

1997 entschloss sich Ken Tyrrell, das Team zu verkaufen. Die Übernahme erfolgte durch British American Tobacco, das unter dem Namen „British American Racing“ (BAR) ab 1999 mit neuem Konzept und Budget in die Formel 1 einstieg. Damit endete die Geschichte von Tyrrell als eigenständiger Rennstall nach der Saison 1998.

Gründe für den Rückzug

Der Rückzug von Tyrrell aus der Formel 1 war das Ergebnis mehrerer Faktoren: die Übermacht von Werksteams, die wachsende Bedeutung großer Budgets, die Notwendigkeit modernster Infrastruktur und die Schwierigkeiten, langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Ken Tyrrell selbst galt als Symbol für eine Ära des Motorsports, in der Leidenschaft, Ingenieurskunst und Teamgeist entscheidend waren – doch diese Zeiten gingen mit dem neuen Jahrtausend zu Ende.

Das Erbe von Tyrrell lebt jedoch bis heute fort. Nicht nur durch die technischen Innovationen, die das Team geprägt hat, sondern auch durch die Menschen, die unter Ken Tyrrells Führung lernten und später bei anderen Teams zu Führungspersönlichkeiten wurden. Das Werksteam, das aus Tyrrell hervorging, wandelte sich über BAR, Honda und Brawn GP letztlich zu Mercedes-AMG Petronas, einem der erfolgreichsten Teams der modernen Formel 1.

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