Die Geschichte, Erfolge und das Ende von March in der Königsklasse des Motorsports.
March Engineering, kurz March, zählt zu den prägenden Namen der Motorsportgeschichte. Gegründet als innovativer Rennstall und Fahrzeughersteller, stieg March in den 1970er Jahren schnell zum wichtigen Akteur in der Formel 1 auf. Doch trotz eindrucksvoller Erfolge und legendärer Persönlichkeiten verschwand das Team nach rund zwei Jahrzehnten wieder aus dem Rampenlicht. Das ist die Geschichte des Rennstalls von den Anfängen bis zum Ende in der Königsklasse des Motorsports.
March Engineering wurde 1969 im britischen Bicester von vier Motorsport-Enthusiasten ins Leben gerufen: Max Mosley, Alan Rees, Graham Coaker und Robin Herd. Die Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen ergaben den Namen „MARCH“. Ziel der Gründer war es, nicht nur ein eigenes Formel-1-Team aufzustellen, sondern auch Rennwagen für Kundenteams in verschiedenen Motorsportkategorien zu bauen und zu verkaufen.
March positionierte sich von Beginn an als flexibler und innovativer Fahrzeughersteller, der schnell auf technische Trends reagieren konnte. Das junge Team profitierte von der Erfahrung seiner Gründer, insbesondere Robin Herd, der zuvor als Ingenieur bei McLaren und Cosworth tätig war.
Bereits ein Jahr nach der Gründung wagte March 1970 den Sprung in die Formel 1. Das erste Fahrzeug, der March 701, debütierte in der Saison 1970. Diese Offensive war bemerkenswert: Neben dem eigenen Werksteam stattete March auch Kundenteams mit seinen Fahrzeugen aus. Schon bei seinem ersten Grand Prix, dem Saisonauftakt 1970 in Südafrika, standen gleich mehrere March-Boliden am Start, darunter auch das Auto des Tyrrell-Teams mit Jackie Stewart am Steuer.
Der Einstieg war ein Paukenschlag: In der Debütsaison sicherte sich March mit dem Werksteam und mit Kundenteams mehrere Podestplätze. Der erste Sieg gelang jedoch nicht dem eigenen Team, sondern Jackie Stewart im March 701 des Tyrrell-Teams beim Grand Prix von Spanien 1970.
March Engineering war vor allem in den frühen 1970er Jahren äußerst erfolgreich. Das Team war bekannt für innovative Lösungen und technische Vielseitigkeit. Bereits im ersten Jahr belegte man mit Kundenteams und dem Werksauto regelmäßig vordere Plätze. Zu den wichtigsten Erfolgen zählen:
Grand-Prix-Siege: March gewann insgesamt drei Formel-1-Weltmeisterschaftsrennen. Den ersten Sieg errang Jackie Stewart für das Tyrrell-Team im March 701 (Spanien 1970). Der erste Sieg des eigenen Werksteams folgte 1975 durch Vittorio Brambilla beim Großen Preis von Österreich.
Podestplätze: Über die Jahre erzielte March zahlreiche Podestplätze, sowohl mit dem Werksteam als auch durch Kundenteams. Zu den größten Talenten, die für March fuhren, zählen Ronnie Peterson, Niki Lauda, Clay Regazzoni, James Hunt und Hans-Joachim Stuck.
Innovationen: March brachte immer wieder neue technische Konzepte auf die Strecke. Besonders der March 2-4-0, ein experimentelles Modell mit vier Hinterrädern, sorgte für Aufsehen, kam allerdings nie im Rennen zum Einsatz. Die Fahrzeuge waren oft leicht, wendig und einfach zu warten – ein Vorteil für die Kundenteams.
Kundensport: March war nicht nur in der Formel 1 aktiv, sondern auch äußerst erfolgreich in der Formel 2, Formel 3 und der amerikanischen IndyCar-Serie. Viele spätere Formel-1-Stars begannen ihre Karriere in March-Boliden.
In den 1970er Jahren florierte March als Fahrzeugspezialist und Rennstall. Allerdings führte die gleichzeitige Entwicklung von Fahrzeugen für zahlreiche Rennserien zu finanziellen und logistischen Belastungen. Während die Flexibilität in den 1970ern ein Vorteil war, führte sie später zu Ressourcenknappheit und technischen Rückschritten gegenüber der stärker spezialisierten Konkurrenz.
Ende der 1970er Jahre geriet das Team zunehmend unter Druck. Die Konkurrenz rüstete technisch und finanziell auf, während March auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzte. Die Ergebnisse blieben hinter den Erwartungen zurück, und das Team musste sich 1977 vorübergehend aus der Formel 1 zurückziehen.
Doch March gab nicht auf: 1981 kehrte das Team zurück und profitierte ab Mitte der 1980er von einer Partnerschaft mit dem japanischen Motorenhersteller Honda, insbesondere in der Formel 2. In der Formel 1 trat March in den 1980ern und frühen 1990ern erneut an, unter anderem mit dem jungen Ingenieur Adrian Newey, der später als Technischer Direktor zahlreiche WM-Titel mit Williams, McLaren und Red Bull feiern sollte. 1988 gelang mit dem zweiten Platz durch Ivan Capelli in Portugal noch ein Achtungserfolg.
Die letzten Jahre in der Formel 1 waren geprägt von finanziellen Schwierigkeiten und mangelnder Unterstützung durch starke Sponsoren. Die technische Entwicklung blieb zunehmend hinter der Konkurrenz zurück, und die Ergebnisse verschlechterten sich stetig. March wurde 1987 vorübergehend in Leyton House umbenannt, nachdem der japanische Investor Akira Akagi das Team übernommen hatte. Unter dieser neuen Führung gab es 1990 noch einen letzten Lichtblick: Ivan Capelli fuhr in Frankreich zeitweise in Führung und wurde am Ende Zweiter – ein beeindruckender, aber letztlich einmaliger Erfolg.
Die finanziellen Probleme und die anhaltende Erfolglosigkeit führten dazu, dass March 1992 endgültig aus der Formel 1 verschwand. Das Team konnte sich nicht mehr gegen die finanzstarken Großteams behaupten, die technische Entwicklung blieb stehen, und es fehlte an Investoren, um den Anschluss zu halten. Die Firma March Engineering existierte im Kundensport noch einige Jahre weiter, verschwand aber nach und nach aus dem internationalen Motorsport.
March Engineering hat die Geschichte der Formel 1 und des Motorsports nachhaltig geprägt. Als innovativer Fahrzeughersteller, Sprungbrett für junge Talente und Experimentierfeld für technische Neuerungen bleibt der Name March unvergessen. Das Team bewies, dass kreative Ingenieurskunst und Mut zum Risiko auch ohne riesige Budgets zu beachtlichen Erfolgen führen können. Letztlich aber zeigt die Geschichte von March auch, wie schwer es ist, sich in der modernen Formel 1 gegen die Mächtigen durchzusetzen – eine Herausforderung, an der selbst die klügsten Köpfe und größten Enthusiasten scheitern können.
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