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Formel 1
  1. MOTORSPORT

Vergessene Rennställe: Jordan

Die Geschichte eines irischen Außenseiters im Grand-Prix-Zirkus.

Der Jordan Grand Prix war einer der charismatischsten und farbenprächtigsten Rennställe in der Geschichte der Formel 1. Gegründet wurde das Team 1990 vom irischen Geschäftsmann und Motorsport-Enthusiasten Eddie Jordan. Schon vor dem Einstieg in die Formel 1 hatte Eddie Jordan mit seinem eigenen Team in Nachwuchsserien wie der Formel 3 und der Formel 3000 Erfolge gefeiert und Talente wie Jean Alesi und Martin Donnelly gefördert. Mit Mut und Unternehmergeist wagte Jordan schließlich 1991 den Schritt in die Königsklasse.

Die Basis des Teams befand sich in Silverstone, Großbritannien, in unmittelbarer Nähe zur berühmten Rennstrecke. Von Beginn an war das Team für seine freundliche, beinahe familiäre Atmosphäre und seine unkonventionellen Marketingideen bekannt. Gleichzeitig herrschte ein unbändiger Wille, sich im Haifischbecken der Formel 1 zu behaupten.

Die ersten Jahre: Achtungserfolge und Überraschungen

Bereits in der Debütsaison 1991 sorgte Jordan für Aufsehen. Der grün-blaue Jordan 191, angetrieben von einem Ford-Cosworth-Motor, galt als eines der schönsten und technisch anspruchsvolleren Autos des Feldes. In seiner ersten Saison sammelte das Team mit Fahrern wie Andrea de Cesaris und Bertrand Gachot respektable 13 WM-Punkte und belegte einen bemerkenswerten fünften Platz in der Konstrukteurswertung – eine Sensation für einen Neuling.

Nicht zu vergessen: Der spätere Rekordweltmeister Michael Schumacher bestritt 1991 in Spa-Francorchamps sein erstes Formel-1-Rennen für Jordan – ein legendäres Debüt, auch wenn Schumacher das Rennen nicht beenden konnte.

Stetige Entwicklung und berühmte Fahrer

In den folgenden Jahren etablierte sich Jordan als solides Mittelfeldteam, das immer wieder für Überraschungen gut war. Die Fahrer wechselten oft, und neben de Cesaris saßen Persönlichkeiten wie Rubens Barrichello, Eddie Irvine und Heinz-Harald Frentzen am Steuer der Jordan-Boliden. Das Team setzte zu verschiedenen Zeiten auf Motoren von Yamaha, Hart, Peugeot, Mugen-Honda und später Honda selbst.

1994 stand Jordan kurz davor, den ersten Podestplatz zu erreichen, doch zahlreiche technische Ausfälle und Pech verhinderten lange einen wirklichen Durchbruch. Dennoch gelang es dem Team, in der hart umkämpften Formel 1 zu überleben und mit kreativem Sponsoring (legendär: die gelb lackierten „Bienenwagen“ mit Benson-&-Hedges-Aufschrift) stets im Gespräch zu bleiben.

Der Durchbruch: Die goldenen Jahre

Der große Durchbruch gelang 1998, als das Team mit Damon Hill, dem Weltmeister von 1996, und Ralf Schumacher zwei hochkarätige Fahrer verpflichten konnte. In Spa-Francorchamps 1998, bei chaotischen Bedingungen, feierte Jordan den ersten und einzigen Doppelsieg seiner Geschichte: Damon Hill gewann, Ralf Schumacher wurde Zweiter – ein Meilenstein für Team und Chef Eddie Jordan. Dieser Erfolg markierte den Beginn der erfolgreichsten Phase des Teams.

1999 sorgte die Verpflichtung von Heinz-Harald Frentzen für eine weitere Steigerung: Frentzen gewann zwei Rennen (in Frankreich und Italien), erzielte mehrere Podestplätze und kämpfte bis kurz vor Saisonende um die Weltmeisterschaft. Am Ende belegte Jordan sensationell Platz drei in der Konstrukteurswertung – das beste Ergebnis der Teamgeschichte.

Weitere Entwicklung und Herausforderungen

Nach dem Höhenflug Ende der 1990er Jahre begann für Jordan ein schwieriger Abschnitt. Die Konkurrenz wurde stärker, neue Teams mit großen Budgets, vor allem von Herstellern, drängten ins Feld. Sponsoren wie Benson & Hedges blieben zwar noch einige Jahre treu, doch die finanzielle Lage des Teams verschlechterte sich zunehmend.

Technische Rückschläge, mangelnde Kontinuität bei den Fahrern und der Verlust wichtiger Ingenieure machten sich bemerkbar. 2003 sicherte Giancarlo Fisichella dem Team im chaotischen Rennen von Brasilien noch einen glücklichen weiteren und letzten Grand-Prix-Sieg, doch danach ging es stetig bergab.

Der Rückzug

Die immer höheren Kosten in der Formel 1, der Verlust großer Sponsoren und der Rückzug von Motorenpartnern wie Honda führten Jordan in eine finanzielle Schieflage. Eddie Jordan sah sich gezwungen, das Team Anfang 2005 zu verkaufen. Die Midland Group übernahm – und damit verschwand der traditionsreiche Name Jordan aus der Formel 1.

Jordan wurde zu Midland F1, später zu Spyker und schließlich zu Force India. Heute lebt die DNA des Teams als Aston Martin F1 weiter – manche Ingenieure und Strukturen stammen noch aus der Jordan-Ära.

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