Der Benetton-Rennstall war einst eine große Nummer in der Formel 1. Seine Geschichte ist eng mit der von Michael Schumacher verbunden. Heute bleibt nur noch die Erinnerung.
Der Name Benetton ist untrennbar mit leuchtenden Farben, innovativer Mode und einer erfolgreichen Ära in der Formel 1 verbunden. Der Rennstall, der Ende der 1980er und in den 1990er Jahren zu den Top-Teams gehörte, hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Königsklasse des Motorsports. Doch wie kam es zur Gründung, welche Triumphe feierte man und warum verschwand Benetton schließlich aus der Formel 1?
Die Geschichte des Benetton-Teams in der Formel 1 beginnt offiziell im Jahr 1986. Die Familie Benetton, bekannt durch die internationale Modekette „Benetton Group“, hatte sich bereits zuvor als Sponsor im Motorsport engagiert. In den frühen 1980er-Jahren war der Name Benetton zunächst auf den Fahrzeugen anderer Teams zu finden, etwa bei Tyrrell, Alfa Romeo und Toleman. Die Beziehungen zu Toleman sollten schließlich prägend werden, denn als das Team Ende 1985 finanzielle Schwierigkeiten hatte, übernahm Benetton die Kontrolle.
Der Rennstall wurde unter der Bezeichnung „Benetton Formula 1 Racing Team“ gegründet und trat ab der Saison 1986 offiziell als Werksmannschaft in der Formel 1 an. Das Team behielt zunächst die Strukturen von Toleman und die Basis im britischen Witney bei. Die Leitung übernahm der Italiener Flavio Briatore, der das Team mit unternehmerischem Gespür und einem Auge für Talente in eine neue Ära führte.
Schon im Debütjahr 1986 gelang Benetton ein Achtungserfolg: Gerhard Berger gewann für das Team den Großen Preis von Mexiko – der erste Grand-Prix-Sieg für den neuen Rennstall. In den folgenden Jahren etablierte sich Benetton als feste Größe im Mittelfeld und punktete mit einer soliden Fahrerpaarung aus erfahrenen Piloten und aufstrebenden Talenten. Die technische Zusammenarbeit mit verschiedenen Motorenlieferanten, darunter BMW, Ford und später Renault, sorgte für Abwechslung und Weiterentwicklung.
In den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren rückte das Team schrittweise näher an die Spitze. 1992 holte Benetton mit Michael Schumacher einen vielversprechenden, jungen Fahrer ins Team. Schumacher sollte in den kommenden Jahren die Geschichte des Teams entscheidend prägen.
Der endgültige Durchbruch gelang 1994 und 1995, als Benetton zu einem der Top-Teams der Formel 1 aufstieg. In der Saison 1994 feierte der Rennstall mit Michael Schumacher den sensationellen Gewinn der Fahrerweltmeisterschaft. Schon im Jahr darauf folgte der Doppelsieg: Schumacher verteidigte seinen Fahrertitel und Benetton gewann zum ersten und einzigen Mal die Konstrukteursweltmeisterschaft.
Die Jahre 1994 und 1995 waren geprägt von einem hochmotivierten Team, innovativer Ingenieurskunst und dem charismatischen Management von Flavio Briatore. Technische Chefdesigner wie Ross Brawn und Pat Symonds spielten eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Fahrzeuge. Benetton setzte auf eine Mischung aus Effizienz, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit, was sich in konstant guten Ergebnissen niederschlug.
Neben Michael Schumacher, der zweifellos zur Ikone des Teams wurde, spielten auch andere Fahrer eine wichtige Rolle. Johnny Herbert gewann 1995 zwei Grand Prix für Benetton. Auch Piloten wie Nelson Piquet, Alessandro Nannini, Riccardo Patrese und Jean Alesi gehörten zeitweise zum Kader und trugen zum guten Ruf des Teams bei.
Nach Schumachers Abschied zu Ferrari Ende 1995 begann für Benetton eine Phase des Umbruchs. Mit dem Weggang des deutschen Ausnahmefahrers verließ auch ein Großteil des technischen Top-Personals das Team. Die Nachfolgefahrer wie Jean Alesi und Gerhard Berger konnten zwar noch einzelne Achtungserfolge erzielen, doch an die glanzvollen Zeiten der Schumacher-Ära vermochte Benetton nicht mehr anzuknüpfen.
Hinzu kam, dass der Wettbewerb in der Formel 1 immer intensiver wurde. Neue Hersteller und Teams wie McLaren-Mercedes, Williams-Renault oder später auch Ferrari rückten an die Spitze. Die finanziellen und technischen Anforderungen stiegen und Benetton gelang es nicht immer, mit den Innovationen und Investitionen der Konkurrenz Schritt zu halten.
Bereits Ende der 1990er-Jahre zeichnete sich ein grundlegender Wandel ab. Im Jahr 2000 übernahm der französische Automobilhersteller Renault das Benetton-Team vollständig. Der Rennstall trat noch für zwei weitere Jahre unter dem Namen „Benetton-Renault“ in der Formel 1 an, doch die Identität des ursprünglichen Teams verblasste zunehmend.
Mit Beginn der Saison 2002 verschwand der Name Benetton endgültig aus der Formel 1 – das Team trat fortan als Renault F1 Team an. Damit endete die 16-jährige Geschichte von Benetton in der Königsklasse.
Das Aus von Benetton in der Formel 1 war eine Folge verschiedener Faktoren:
Konkurrenz und Investitionsdruck: Die Formel 1 wurde immer mehr zu einem Wettbewerb zwischen globalen Automobilherstellern, die über weit größere Ressourcen verfügten als ein Familienunternehmen wie Benetton.
Technologische Entwicklung: Die Anforderungen an Technik, Personal und Infrastruktur stiegen rapide. Um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben, waren massive Investitionen nötig, die Benetton allein nicht mehr stemmen konnte.
Strategische Übernahme durch Renault: Renault war bereits zuvor als Motorenlieferant eng mit Benetton verbunden. Die Übernahme sollte Renault die Möglichkeit geben, ein eigenes Werksteam aufzubauen und direkt mit anderen Herstellern zu konkurrieren.
Personalfluktuation: Der Weggang zentraler Figuren wie Michael Schumacher, Ross Brawn und Flavio Briatore schwächte das Team nachhaltig.
Trotz seines Verschwindens hinterlässt Benetton ein bedeutendes Erbe in der Formel 1. Das Team prägte die Entwicklung moderner Technik, die Förderung junger Talente und schuf mit zwei Fahrer- und einem Konstrukteurstitel unvergessliche Momente. Viele der Köpfe und Konzepte aus der Benetton-Ära bestimmten auch später unter Renault und anderen Teams den Ton in der Formel 1.
Bis heute bleibt Benetton ein Beispiel dafür, wie Leidenschaft, Innovation und Teamgeist selbst gegen scheinbar übermächtige Konkurrenz zum Erfolg führen können. Die Jahre mit Michael Schumacher gelten als legendär und sind fest im kollektiven Gedächtnis der Motorsportwelt verankert.
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