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Trikotfarbe und Erfolg: Warum Rot im Sport mehr als nur eine Farbe ist

Kann die Farbe des Trikots über Sieg oder Niederlage entscheiden? Studien deuten darauf hin, dass die Farbe Rot mehr ist als ein modisches Statement: Sie könnte der geheime Erfolgsfaktor im Profisport sein.

Wenn es um Fußball, Kampfsport oder Basketball geht, sprechen Fans gerne über Taktik, Formkurven und Transfers. Ein oft übersehener Aspekt rückt jedoch in den Fokus der Wissenschaft: die Trikotfarbe, insbesondere die Farbe Rot. Ist es nur Zufall, dass die erfolgreichsten Teams der Welt auf diese Farbe setzen? Oder hat diese Farbe tatsächlich einen messbaren Einfluss auf den sportlichen Erfolg?

Rot sehen und siegen?

Die Frage mag absurd klingen, doch sie hat Wissenschaftler beschäftigt. Können Farben Spiele entscheiden? Russell Hill und Robert Barton, zwei Forscher der Universität Durham, analysierten alle Kämpfe bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, also Sportarten, in denen die Farbe zufällig zugewiesen wird. Das Ergebnis: Rot gewinnt häufiger.

In Taekwondo-Matches lag die Siegquote für die rote Farbe bei 57 Prozent, beim Boxen bei 55 Prozent und im Ringen zwischen 52 und 53 Prozent. Dies deutet auf einen psychologischen Vorteil sowohl für den Träger als auch gegen den Gegner hin.

Erfolgstrikot in der Premier League

Hill und Barton weiteten ihre Analyse später auf die Premier League aus, von 1947 bis 2003, und stellten auch hier einen ähnlichen Effekt fest. Teams mit roten Heimtrikots, wie beispielsweise Manchester United, der FC Liverpool oder Arsenal London, waren deutlich erfolgreicher als ihre Mitbewerber.

Es gibt jedoch auch Gegenstimmen. So konnte eine Untersuchung von 306 Bundesliga-Spielen aus der Saison 2000/01 keinen Zusammenhang zwischen Trikotfarbe und Erfolg feststellen. Die beiden österreichischen Ökonomen Matthias Sutter und Martin Kocher sahen in den Premier-League-Ergebnissen eher ein Henne-Ei-Problem: Tragen Teams Rot, weil sie erfolgreich sind, oder sind sie erfolgreich, weil sie Rot tragen?

Dominanz durch Farbe: Rot als biologisches Signal

Unabhängig von Statistiken gibt es Hinweise aus der Evolutionspsychologie: Sowohl Menschen als auch Tiere verbinden die Farbe Rot mit Dominanz. Die Farbe signalisiert Aufregung, Erregung und Stärke. Studien zeigen, dass die Haut bei Wut oder Anstrengung rötet, was ein unterbewusstes Signal an andere ist.

Hill und Barton vermuten, dass dieses biologische Muster auch im Sport eine Rolle spielt. Der Träger wirkt stärker und der Gegner wird unbewusst eingeschüchtert. Zudem könne Rot Fans anziehen, was langfristig die Stärke eines Vereins durch Stimmung, Unterstützung und Sponsoring erhöhe.

Rote Trikots und Schiedsrichter: Ein unbewusster Bias?

Noch brisanter wird es, wenn man Schiedsrichter ins Spiel bringt. Eine Studie der Universität Münster testete 42 erfahrene Taekwondo-Schiedsrichter mit manipulierten Videoaufnahmen. Dabei wurden identische Kampfszenen einmal mit roten und einmal mit blauen Schutzausrüstungen gezeigt. Das Ergebnis: Die Träger der roten Kleidung bekamen im Schnitt 13 Prozent mehr Punkte bei gleichem Leistungsniveau.

Besonders stark war der Effekt bei gleichwertigen Gegnern. Dies wirft Fragen zur Fairness auf, denn die Farbwahrnehmung beeinflusst offenbar unbewusst die Urteile von Offiziellen.

Die Schattenseite der Siegerfarbe

Rot kann auch negativ auf diejenigen wirken, die es sehen. Eine im Jahr 2007 veröffentlichte Studie zeigte, dass bereits der Anblick der Farbe Rot die kognitive Leistung verringern kann. Das Gehirn reagiert dabei mit einer Art Vermeidungsmodus, ähnlich wie bei Stoppschildern.

Dieser Effekt könnte erklären, warum Gegner in Rot weniger effektiv spielen und Schiedsrichter sie möglicherweise positiver bewerten.

Bayern, United, Jordan eint die Farbe rot und der Erfolg

Zufall oder Muster? Der FC Bayern dominiert die Bundesliga in Rot. Manchester United wurde 2008 UEFA-Champions-League-Sieger in Rot. Michael Jordan, wohl der größte NBA-Spieler aller Zeiten, spielte in Rot für die Chicago Bulls.

Natürlich reicht Farbe allein nicht für Titel aus. Die Korrelation zwischen dominanten Sportpersönlichkeiten, erfolgreichen Vereinen und der Farbe Rot ist jedoch auffällig und möglicherweise mehr als nur visuelle Wiedererkennung.

Rot ist mehr als nur eine Farbe, es ist ein Statement

Ob die Farbe wirklich den Unterschied macht, bleibt umstritten. Klar ist jedoch, dass die Farbe auf Gegner, Zuschauer und Schiedsrichter wirkt. Wer heute über Erfolg im Sport spricht, sollte daher nicht nur über Taktik und Fitness, sondern auch über Farbpsychologie sprechen.

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