Zwei Rivalen, ein Titel: In Turin trifft Carlos Alcaraz im Endspiel der ATP Finals auf Jannik Sinner. Dieses Duell entscheidet nicht nur über den Saisonabschluss, sondern auch über die Zukunft des Tennissports.
Carlos Alcaraz hat es geschafft. Mit einem spektakulären Auftritt in Turin steht der 22-jährige Spanier erstmals im Endspiel der Nitto ATP Finals und das gegen keinen Geringeren als seinen großen Rivalen Jannik Sinner. Es ist das Finale, das sich Tennisfans auf der ganzen Welt erhofft haben: die Nummer eins der Welt gegen die Nummer zwei, Spanien gegen Italien, Energie gegen Präzision.
Am Samstagabend besiegte Alcaraz den wiedererstarkten Félix Auger-Aliassime mit 6:2, 6:4 und setzte damit den Schlusspunkt unter eine Woche, in der er kaum Schwächen zeigte. Nur eine Stunde und 23 Minuten brauchte der Weltranglistenerste, um sich durchzusetzen und das vor einer restlos ausverkauften Inalpi Arena, in der jeder Schlag bejubelt wurde. „Ich fühlte, dass ich alles machen konnte“, sagte Alcaraz nach seinem Auftritt. „Egal, ob Vorhand, Rückhand oder Stoppball, ich hatte das Gefühl, alles trifft.“
Bereits am Freitag hatte Alcaraz den Pokal für die Jahresend-Nummer eins erhalten, präsentiert von PIF. Am Samstag bestätigte er eindrucksvoll, dass er diesen Titel verdient hat. Mit seinem elften Finaleinzug in diesem Jahr ist er der erste Spanier seit Rafael Nadal im Jahr 2013, der das Endspiel der prestigeträchtigen Saisonabschlussveranstaltung erreicht. Und er will noch mehr: als erster Spanier seit Alex Corretja im Jahr 1998 das Turnier gewinnen.
Doch der Weg zum Titel führt über Jannik Sinner und das auf italienischem Boden. Der 23-jährige Lokalmatador hat eine beeindruckende Serie von 30 Siegen in Folge in der Halle vorzuweisen und wird von einem Publikum getragen, das ihn bedingungslos feiert. Für Sinner ist das Finale die Krönung eines Jahres, das ihn endgültig in die Weltspitze katapultiert hat.
Beide Spieler haben die Saison dominiert. Alcaraz und Sinner teilten sich die vier Grand-Slam-Titel, gewannen zusammen 13 Turniere und holten sich vier Masters-1000-Trophäen. Diese Bilanz lässt auf ein neues Tenniszeitalter hoffen, in dem zwei junge Protagonisten das Spiel neu definieren werden.
In ihren bisherigen Duellen hat Alcaraz leicht die Nase vorn. Der Spanier führt im direkten Saisonvergleich mit 4:1 (insgesamt 10:5). Doch diese Zahlen könnten am Sonntag schnell Makulatur sein, wenn Sinner in seiner Heimat aufschlägt. Der erste Ball des Finales fliegt um 18 Uhr (CET). Ein Termin, den sich kein Fan entgehen lassen sollte!
„Es ist großartig, gegen Jannik zu spielen”, sagte Alcaraz mit einem Lächeln. „Wenn es jemand anderes wäre, wäre es auch okay, aber gegen ihn ist es etwas Besonderes. Ich weiß, dass ich mein bestes Tennis zeigen muss, um ihn zu schlagen.“
Dass er dazu bereit ist, bewies Alcaraz im Halbfinale gegen Auger-Aliassime. Nach einem langen Ballwechsel zauberte er einen Stoppball, sprintete nach vorne und verwandelte im Fallen den Volley. Ein Punkt, der die Halle elektrisierte. Insgesamt schlug er im ersten Satz 13 Winner bei nur zwei unerzwungenen Fehlern. Auger-Aliassime hielt im zweiten Durchgang dagegen, doch vier Fehler im letzten Spiel entschieden die Partie.
Für den Kanadier, der die Saison als Nummer fünf abschließt, war das Halbfinale dennoch ein versöhnlicher Abschluss. Noch im August stand er auf Rang 27, doch mit Erfolgen in Brüssel, Paris und bei den US Open hat er sich zurück in die Weltspitze gespielt.
Nun richtet sich der Blick ganz auf Sonntag: Alcaraz gegen Sinner. Ein Finale, das alles hat. Rivalität, Geschichte und die Aussicht auf den Beginn einer neuen Tennisära.
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