Immer mehr amerikanische und kanadische Investoren kaufen italienische Fußballclubs. Was steckt hinter diesem Boom und was bedeutet er für die Zukunft der Serie A?
Italiens Serie A, einst Heimat purer Fußballtradition, erlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Neun der zwanzig Erstligisten werden inzwischen von amerikanischen oder kanadischen Investoren kontrolliert oder mitfinanziert. Was früher fest in der Hand italienischer Familien war, gehört heute zunehmend internationalen Finanzgruppen. Ein Umbruch, der den italienischen Fußball nachhaltig prägen könnte.
Bis in die 2000er-Jahre waren es italienische Unternehmerdynastien, die das Spiel bestimmten: Silvio Berlusconi machte den AC Mailand zu einem Weltverein, Massimo Moratti investierte Millionen in Inter und Franco Sensi führte die Roma zu Meistertiteln. Doch mit der wirtschaftlichen Krise und ausufernden Spielergehältern gerieten viele Vereine unter Druck. Einige, wie Parma oder Lazio, zahlten mit der Insolvenz.
Während Juventus unter der Agnelli-Familie und Napoli unter Aurelio De Laurentiis bis heute an den alten Eigentümerstrukturen festhalten, öffnete sich der Rest der Liga für frisches Kapital, vor allem aus den USA. Was zunächst wie ein exotisches Experiment wirkte, hat sich längst zu einem klaren Trend entwickelt.
Die Premier League mag kurzfristig höhere Renditen versprechen, doch in Italien wittern Investoren den großen Langzeitgewinn. Die Bewertung vieler Vereine liegt noch vergleichsweise niedrig, während die Marke „Serie A” weltweit ein enormes Wachstumspotenzial hat. US-Investoren hoffen, durch professionellere Strukturen, modernes Marketing und den Ausbau der internationalen TV-Rechte langfristig Wert zu schaffen.
Ein Beispiel ist der amerikanische Milliardär Dan Friedkin, der die AS Rom übernommen und innerhalb kurzer Zeit modernisiert hat. Auch Rocco Commisso bei der AC Florenz und Stephen Pagliuca bei Atalanta Bergamo setzen auf nachhaltige Entwicklung statt auf kurzfristige Gewinne. Dahinter steht ein klarer Gedanke: Die italienischen Vereine sollen wieder konkurrenzfähig werden, wirtschaftlich wie sportlich.
Noch deutlicher zeigt sich der Wandel bei den Mailänder Großclubs. So steht Inter Mailand seit 2024 unter der Kontrolle des US-Fonds Oaktree Capital Management, nachdem die chinesische Suning-Gruppe ihren Kredit nicht zurückzahlen konnte. Der Stadtrivale AC Mailand gehört inzwischen RedBird Capital Partners, einem Investmentunternehmen unter der Leitung des Amerikaners Gerry Cardinale. Diese Fonds bringen nicht nur Kapital, sondern auch Erfahrung aus dem internationalen Sportbusiness mit: RedBird ist beispielsweise auch an den Boston Red Sox beteiligt.
Selbst kleinere Vereine sind längst Teil dieses Trends: Der FC Bologna gehört dem Kanadier Joey Saputo, Parma Calcio 1913 dem US-amerikanischen Unternehmer Kyle Krause, Hellas Verona wird von der amerikanischen Investmentfirma Presidio Investors geführt und der AC Pisa 1909 steht mehrheitlich im Besitz von Alexander Knaster.
Die neuen Eigentümer treffen in Italien jedoch nicht überall auf Begeisterung. Viele Fans fürchten den Verlust der regionalen Identität, die ein zentrales Element der italienischen Fußballkultur ist. Doch ohne frisches Kapital und moderne Strukturen droht die Serie A weiter hinter England, Spanien und sogar Deutschland zurückzufallen.
Ob die Amerikaner den Spagat zwischen Kommerz und Kultur schaffen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Eines ist aber schon jetzt klar: Die Serie A ist kein nostalgisches Museum mehr. Sie ist ein globaler Markt geworden und das neue Spielfeld amerikanischer Investoren, die gekommen sind, um zu bleiben.
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