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Tennis
  1. TENNIS

Tjen schreibt Tennisgeschichte in Sao Paulo

Aus einem 0:3 macht sie einen Triumph: Janice Tjen sorgt für eine Sensation, indem sie als erste Indonesierin seit 23 Jahren ins Halbfinale einzieht. Doch wie weit wird ihr märchenhafter Lauf noch tragen?

Es gibt Matches, die mehr sind als ein bloßes Ergebnis, sie werden zu Wendepunkten. Genau ein solches erlebten die Zuschauer:innen beim SP Open in Sao Paulo, als die Indonesierin Janice Tjen die an Nummer drei gesetzte Alexandra Eala mit 6:4, 6:1 vom Platz fegte. Was sich nach einem klaren Ergebnis anhört, war zunächst alles andere als selbstverständlich: Nach nur wenigen Minuten lag Tjen bereits mit 0:3 zurück. Doch dann drehte sie das Spiel auf eine Art und Weise, die man am ehesten als „einseitige Machtdemonstration“ bezeichnen muss.

Die 23-Jährige gewann zwölf der folgenden vierzehn Spiele in nur 72 Minuten. Damit schrieb sie Tennisgeschichte: Seit Angelique Widjajas Titelgewinn in Pattaya City im Jahr 2002 hatte keine Indonesierin mehr ein Halbfinale auf der WTA-Tour erreicht. Mehr als zwei Jahrzehnte musste Indonesien auf diesen Moment warten.

Und Tjen? Sie scheint selbst noch nicht ganz fassen zu können, was da gerade passiert ist. „Es fühlt sich immer noch unglaublich an, ich habe es noch gar nicht realisiert“, sagte sie nach der Partie. Ihr Geheimnis: Punkt für Punkt spielen und sich nicht von Emotionen überrollen lassen. Gerade gegen eine Gegnerin wie Eala, die für ihre Comebackstärke gefürchtet ist.

Die Begegnung hatte zudem eine besondere Note: Beide Spielerinnen verbindet eine lange Geschichte. Bereits 2018 standen sie sich in Asien bei Juniorenturnieren gegenüber, damals in Jakarta und Makati City. Nach ihrem Sieg schrieb Tjen „SEA“ und malte ein Herz auf die Kameralinse. Ein Gruß an die südostasiatische Tennisgemeinschaft, die einen ihrer größten Momente feierte.

Der Schlüssel zum Erfolg war eindeutig Tjens Vorhand. Kaum hatte sie ihren Rhythmus und ihre Fußarbeit gefunden, dominierte sie die Ballwechsel. Am Ende standen 23 direkte Winner auf ihrem Konto, während Eala lediglich vier erzielte. Vor allem bei eigenem Aufschlag strahlte Tjen plötzlich Stabilität aus. Nur in einem einzigen Spiel musste sie Breakbälle abwehren, was ihr mit einem krachenden Vorhandwinner und einem unreturnierbaren Aufschlag gelang.

Eala, die zuvor sieben Matches in Serie gewonnen hatte und in Guadalajara ihren ersten WTA-125-Titel geholt hatte, fand nie wieder richtig ins Spiel. 15 unerzwungene Fehler, viele davon ins Netz, taten ihr Übriges. Als Tjen beim zweiten Matchball einen Returnwinner platzierte, war der Jubel grenzenlos.

Dabei darf man nicht vergessen: Für Tjen war es erst das zweite Hauptfeldturnier auf WTA-Ebene, nachdem sie sich im vergangenen Monat bei den US Open qualifizieren konnte. Seit ihrem Abschluss an der Pepperdine University hat sie eine beeindruckende Bilanz von 62 Siegen bei nur 12 Niederlagen im Jahr 2025 und insgesamt 103:15 seit Juni 2024 hingelegt. Kaum jemand im Circuit hat aktuell einen steileren Aufstieg vorzuweisen.

Und die Reise geht weiter. Im Halbfinale wartet mit Francesca Jones die nächste Herausforderung. Die Britin kämpfte sich gegen die an Nummer zwei gesetzte Solana Sierra nach Rückständen in beiden Sätzen zurück und gewann 6:3, 6:4; für Jones ist es nach Bogotá 2023 das zweite Halbfinale auf Tour-Level. Sie weiß: Auch für sie winkt das erste große Finale. „Sie spielt momentan richtig gutes Tennis”, sagte Jones über ihre kommende Gegnerin. „Ich mag ihren Stil. Ich glaube, es wird ein richtig spannendes Match, auch weil wir gewisse Ähnlichkeiten haben.“

Es wartet also ein Duell zweier Spielerinnen, die beide hungrig auf den Durchbruch sind. Für Tjen könnte es das nächste Kapitel in einem Tennis-Märchen sein, wie es Indonesien seit zwei Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat. Für Jones ist es die Chance, endlich den ganz großen Schritt zu machen. Egal, wie das Halbfinale ausgeht: Die SP Open haben jetzt schon eine Geschichte, die man so schnell nicht vergessen wird.

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