Drei Sätze. Kein einziges Break. Und am Ende ein historischer Meilenstein: Taylor Fritz setzte sich in einem epischen Tie-Break-Marathon gegen Jiri Lehecka durch und schrieb dabei ein besonderes Kapitel ATP-Geschichte.
Es war der perfekte Abschluss eines ohnehin verrückten Sonntags in Toronto, an dem sämtliche Herreneinzel-Partien über die volle Distanz gingen. Doch was Taylor Fritz und Jiri Lehecka auf dem Center Court ablieferten, sprengte selbst diese Dramatik. 7:6 (4), 6:7 (5), 7:6 (5): ein Krimi ohne ein einziges Break. Fast drei Stunden lang prallten zwei Aufschlaggiganten frontal aufeinander, ohne nachzugeben.
Fritz musste neun Breakbälle abwehren, darunter drei beim Stand von 5:6 im ersten Satz, während Lehecka fünf Breakchancen abwehrte. Besonders brenzlig wurde es im dritten Satz, als der Tscheche bei eigenem Aufschlag 0:40 zurücklag. Doch auch da zeigte er keine Schwäche. Es war ein Match auf Messers Schneide, bei dem die kleinsten Details über Sieg und Niederlage entschieden.
Dass Fritz am Ende als Sieger vom Platz ging, lag nicht nur an seinem sensationellen Aufschlag (82 Prozent Punktgewinne beim ersten Service), sondern auch an einem mentalen Kraftakt. „Ich musste akzeptieren, was heute möglich war“, sagte der Amerikaner nach dem Match. „Natürlich wollte ich aggressiver spielen, aber ich musste diszipliniert bleiben und auf meine Chancen warten.“
Sein Spiel war nicht frei von Fehlern, 48 unerzwungene Patzer sprechen Bände, doch im entscheidenden Moment war Fritz eiskalt. Im finalen Tie-Break lag er bereits mit 2:4 zurück, entschied dann aber fünf der letzten sechs Punkte für sich. Dieser eiskalte Killerinstinkt sicherte ihm den vierten Sieg im vierten Duell gegen Lehecka.
Mit diesem Sieg hat Fritz das erreicht, was bisher nur zehn andere aktive Spieler geschafft haben. Er stand in den Viertelfinals aller neun ATP-Masters-1000-Turniere. Der kanadische Boden war das letzte noch fehlende Puzzlestück. „Das zeigt, wie konstant ich auf allen Belägen und bei allen Turnieren spiele“, sagte Fritz stolz. Doch sein Blick geht schon weiter: „Jetzt will ich auch in allen Masters-Halbfinals stehen.“
Sechs von neun Halbfinals hat er bereits erreicht, nur Rom, Cincinnati und Paris fehlen noch. Mit dem Rückenwind von 35 Saisonsiegen (Bilanz 35:13) und einer beeindruckenden 18:3-Bilanz seit Juni, inklusive Titelgewinne in Stuttgart und Eastbourne sowie einer Halbfinalteilnahme bei den Wimbledon Championships, ist Fritz derzeit so gefährlich wie nie. Kein aktiver Amerikaner hat mehr Siege auf Tour-Level auf dem Konto (319) als er, Frances Tiafoe folgt mit respektvollem Abstand (232).
Doch lange darf Fritz nicht feiern. Bereits am Dienstag steht das Viertelfinale gegen den an Nummer sechs gesetzten Russen Andrey Rublev auf dem Programm. Ein Duell, das nicht nur für Fritz richtungsweisend sein wird. Kann der Amerikaner den nächsten Schritt in Richtung French-Open-Form machen? Oder wird Rublev ihm einen Strich durch die Rechnung machen?
Wenn Fritz weiterhin so serviert und in den entscheidenden Momenten die Nerven behält, könnte in Toronto das nächste große Kapitel seiner Karriere geschrieben werden. Die Tenniswelt wird genau hinschauen.
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