Zunächst gelang Clara Tauson die Sensation, als sie Iga Swiatek zum ersten Mal besiegte und deren Siegesserie beendete. Doch das war nur der Auftakt eines Abends, der auch Madison Keys an den Rand einer Niederlage brachte.
Niemand schlägt Clara Tauson viermal hintereinander. Diese Botschaft hat die 21-jährige Dänin am Sonntagabend in Montreal eindrucksvoll gesendet. Mit 7:6 (1), 6:3 bezwang Tauson im vierten Aufeinandertreffen, im vierten Turnierrundgang, keine Geringere als Wimbledon-Siegerin Iga Swiatek. Ausgerechnet in jener Runde, in der die Polin Tauson zuletzt in Wimbledon aus dem Turnier befördert hatte. Revanche geglückt.
Schon im ersten Satz zeigte sich, dass Tauson nicht bereit war, den Platz als Verliererin zu verlassen. Sie führte mit 3:1 und später mit 4:2, ließ sich aber trotz eines vergebenen Satzballs beim Stand von 5:4 nicht aus der Ruhe bringen. Im Tiebreak brillierte sie förmlich, Swiatek holte sich nur einen einzigen Punkt und der kam auch noch durch einen Doppelfehler Tausons zustande.
Wer dachte, Swiatek würde im zweiten Satz zurückschlagen, sah sich nur kurz bestätigt. Zwar kämpfte sich die Weltranglistenzweite zurück ins Match, doch Tauson, die in Dubai bereits Aryna Sabalenka ausgeschaltet hatte, konterte mit kühlem Kopf. Sie entschied acht der letzten elf Ballwechsel für sich. Ein Zeichen von Reife und Nervenstärke.
„Ich wusste, dass sie nie aufgeben würde. Also musste ich einfach weiter pushen”, erklärte Tauson nach dem Match. „Nach Wimbledon hatte ich das Gefühl, dass ich mit meiner Form Swiatek gefährlich werden kann.“ Das hat sie eindrucksvoll bewiesen.
Damit steht Tauson zum zweiten Mal in ihrer Karriere in einem WTA-1000-Viertelfinale. Dort wartet mit Madison Keys eine Grand-Slam-Siegerin, die sich am selben Abend in einen wahren Tennis-Krimi verwickelt sah.
Das Duell Keys gegen Muchova sorgte für Herzrasen. Die an Position 6 gesetzte US-Amerikanerin sah sich gegen Karolina Muchova (Nr. 11) zwei Matchbällen gegenüber. Beim Stand von 4:5 im zweiten Satz schien das Aus greifbar nah. Doch Keys, die für ihre Comeback-Qualitäten bekannt ist, wehrte beide Chancen mit furchtlosem Angriffsspiel ab. Eine Disziplin, die sie 2025 perfektioniert hat. Bereits bei den Australian Open gegen Swiatek und bei den French Open gegen Kenin hatte sie Siege von Matchbällen abgewehrt.
Was folgte, war eine dramatische Aufholjagd. Keys gewann die letzten drei Spiele der Partie und setzte sich mit 4:6, 6:3, 7:5 durch. Damit ist sie in die Viertelfinals von Montreal eingezogen, einen Ort, an dem sie 2016 schon einmal im Endspiel stand. Seitdem war für sie jedoch nie mehr als die dritte Runde drin.
Das Spiel gegen Muchova bot Tennis-Action der Extraklasse: Power gegen Finesse, Präzision gegen Kreativität. Besonders ein Schlag ging viral: Muchova zauberte in einem der längsten Ballwechsel des Matches einen Schlag hinter dem Rücken. Doch Keys blieb cool und machte den Punkt.
Entscheidend war schließlich das Spiel zum 5:5 im dritten Satz. In einem nervenaufreibenden Vier-Einstand-Marathon hielt Keys ihren Aufschlag und wehrte dabei erneut einen Matchball ab. Den letzten Punkt erzwang sie mit einem präzisen Linienspiel, bevor Muchova bei der Rückgabe patzte.
Das Viertelfinale zwischen Keys und Tauson verspricht jetzt schon, ein hochspannendes Match zu werden. Beide Spielerinnen haben in Montreal ihre mentale Stärke und pure Willenskraft unter Beweis gestellt. Wer wird als Siegerin vom Platz gehen? Die Dänin, die ihre Rache-Story weiterschreiben will, oder Keys, die erneut als Matchball-Queen auftritt?
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