Iga Swiatek pflügt durch das Korea Open und greift in Seoul nach ihrem ersten Titel. Im Finale wartet mit Ekaterina Alexandrova ein Showdown, der mehr als nur Routine zu werden verspricht.
Der Regen hatte das Programm in Seoul durcheinandergewirbelt, doch was für andere ein Albtraum gewesen wäre, wurde für Iga Swiatek zur Bühne ihres nächsten Statements. Gleich zwei Matches standen am Samstag für die Weltranglistenzweite auf dem Programm, die sie beide mit einer fast schon beängstigenden Selbstverständlichkeit absolvierte.
Zunächst musste Barbora Krejcikova dran glauben. Eigentlich war ein enger Schlagabtausch erwartet worden, schließlich ist die Tschechin Grand-Slam-Siegerin. Doch Swiatek machte kurzen Prozess: 6:0 im ersten Satz. Ein Lehrstück in Sachen Dominanz. Krejcikova wehrte sich im zweiten Satz kurzzeitig, doch ein Break zum 4:3 reichte Swiatek, um das Match nach einer Stunde und 23 Minuten für sich zu entscheiden.
Kaum hatte sie verschnauft, stand die Polin schon wieder auf dem Platz. Dieses Mal spielte sie gegen Maya Joint, die am Vormittag für Aufsehen gesorgt hatte. Die 19-Jährige hatte Clara Tauson, immerhin an Nummer drei gesetzt, glatt aus dem Turnier geworfen. Mit demselben Ergebnis, das Swiatek kurz zuvor gegen Krejcikova erzielt hatte: 6:0, 6:3. Ein Überraschungscoup, der die Hoffnungen auf einen neuen Stern am Tennis-Himmel nährte.
Doch gegen Swiatek endete der Höhenflug abrupt. Gleich das erste Aufschlagspiel von Joint ging zu Null verloren und von da an diktierte die Polin das Geschehen nach Belieben. Nach 25 Minuten war der erste Satz mit 6:0 gewonnen. Zwar konnte Joint zu Beginn des zweiten Satzes erstmals anschreiben, doch Swiatek ließ ihr kaum Luft zum Atmen. Vier Spiele in Serie, ein Doppelbreak. Das klare Zeichen: Hier gibt es keine Märchenstunde. Zwar gelang Joint noch ein Break zum Zwischenstand, doch die Antwort von Swiatek kam prompt. Sie schloss das Match mit einem Smash am Netz ab. Endstand: 6:0, 6:2.
Zwei Siege, kaum eineinhalb Stunden Pause dazwischen und keine Spur von Müdigkeit. Swiatek zeigte eine Mischung aus Konzentration, Effizienz und Gelassenheit, die verdeutlicht, warum sie zu den absoluten Fixsternen der Tour gehört. Entsprechend gelassen klangen ihre Worte nach dem Match: „Das Finale ist immer etwas Besonderes, es bringt auch andere Emotionen mit sich. Aber ich fokussiere mich auf mich selbst und darauf, was bisher funktioniert hat.“
Mit Seoul erreicht Swiatek bereits ihr viertes Einzelfinale dieser Saison, allesamt seit Juni. Sie hat zwei Titel (Wimbledon und Cincinnati) gewonnen, eine Niederlage kassiert und eine Bilanz von 24 Siegen in Endspielen ihrer Karriere vorzuweisen. Noch fehlt der Name „Korea Open” auf ihrer Liste.
Und doch wird es nicht einfach. Im Finale wartet nämlich Ekaterina Alexandrova, die Nummer zwei der Setzliste, die sich ihrerseits am Samstag zweimal durchkämpfen musste. Zunächst traf sie auf die deutsche Qualifikantin Ella Seidel. Das 6:2, 6:3 klingt deutlich, doch Alexandrova musste mehr investieren, als es die Zahlen verraten. Es gab druckvolle Ballwechsel und lange Grundlinienduelle. Die Russin brauchte Geduld und Nerven, um die 19-jährige Hamburgerin in Schach zu halten.
Doch Alexandrova ließ sich nicht beirren und zog souverän ins Halbfinale ein, in dem Katerina Siniakova auf sie wartete – ebenfalls eine Qualifikantin, jedoch mit reichlich Erfahrung und Doppelerfolgen im Gepäck. Wieder ging Alexandrova über ihre Grenzen und zeigte, warum sie im Tableau ganz oben gesetzt ist.
Damit steht das Traumfinale fest: Die Nummer eins gegen die Nummer zwei, Swiatek gegen Alexandrova. Ein Duell, das nicht nur über den Titel der Korea Open entscheidet, sondern auch ein Fingerzeig für die kommenden Wochen sein könnte. Beide Spielerinnen haben bewiesen, dass sie an einem langen Turniertag bestehen können. Doch wer behält im Showdown die Nerven?
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