Ein Deja-vu? Ganz sicher nicht! Iga Swiatek schreibt auf dem heiligen Rasen von Wimbledon Geschichte und entfacht dabei ein Feuer, das noch lange lodern könnte.
Was für ein Triumphzug! Iga Swiatek, sonst bekannt als Sandplatz-Königin und vierfache French-Open-Siegerin, hat das geschafft, was ihr auf Gras viele nicht zugetraut haben: den Einzug in ihr erstes Wimbledon-Halbfinale. Und das mit einer Mischung aus Dominanz, Nervenstärke und beeindruckender Reife.
Mit einem 6:2, 7:5-Erfolg über Liudmila Samsonova, die an Position 19 gesetzt war, katapultierte sich die Polin in die Vorschlussrunde. Dabei ließ sie ihrer Gegnerin auf dem traditionsreichen Court Nr. 1 in London zumindest bis zum dramatischen zweiten Satz kaum eine Chance.
„Dieses Jahr habe ich mich als Spielerin weiterentwickelt“, erklärte Swiatek nach dem Match mit leuchtenden Augen. „Match für Match wächst mein Selbstvertrauen.“ Und das strahlt sie auch aus.
Der Sieg war nicht nur ihr erster Einzug ins Halbfinale von Wimbledon, sondern auch ein weiterer Meilenstein einer bislang märchenhaften Rasensaison. Acht Siege auf Gras in diesem Jahr, so viele wie nie zuvor in ihrer Karriere. Noch vor wenigen Wochen galt sie auf diesem Belag als Außenseiterin. Doch nach dem Einzug ins Finale in Bad Homburg, wo sie nur Jessica Pegula unterlag, schickt sie sich nun an, den wohl prestigeträchtigsten Titel im Tennis zu gewinnen.
Dabei war Samsonova nicht irgendeine Gegnerin. Die kraftvolle Russin stand erstmals in einem Grand-Slam-Viertelfinale und hatte im zweiten Satz kurzzeitig die Oberhand. Nach einem schnellen 6:2 und einer klaren 4:2-Führung Swiateks schien alles auf ein schnelles Ende hinauszulaufen, doch dann konterte Samsonova plötzlich mit knallharten Grundschlägen, schaffte den Anschluss und machte bei 4:3 wieder alles offen.
Doch genau hier zeigte Swiatek, warum sie bereits fünf Grand-Slam-Titel gewonnen hat: Sie bewahrte die Ruhe, wehrte kritische Punkte ab und stellte beim Stand von 6:5 die Weichen endgültig auf Sieg. Nach fast zwei Stunden Spielzeit versenkte sie den Return zum Matchgewinn, riss die Arme in die Höhe und schrieb damit Geschichte. Geschichte geschrieben! Sie ist die erste Polin seit Agnieszka Radwanska im Jahr 2015, die das Wimbledon-Halbfinale erreicht hat.
Die Zahlen? Beeindruckend: Swiatek ist nun 5:0 im direkten Duell mit Samsonova und gehört seit Mittwoch zu einem elitären Kreis. Sie ist erst die vierte aktive Spielerin neben Aryna Sabalenka, Victoria Azarenka und Karolina Pliskova, allesamt ehemalige Nummer 1 der Welt, die bei allen vier Grand Slams mindestens einmal im Halbfinale stand.
Doch Swiatek denkt bereits an das nächste Kapitel, das den Namen Belinda Bencic trägt. Die Schweizerin, aktuell Nummer 35 der Welt, wird ihre Halbfinalgegnerin. Swiatek führt in den direkten Duellen mit 3:1, darunter ein Sieg auf Gras in Wimbledon 2023.
Vorab zollte Swiatek Bencic bereits Respekt: „Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie schwer es ist, nach einer Schwangerschaft zurückzukommen.“ „Aber sie wirkt, als wäre sie voll im Rhythmus, und sie hat definitiv das Spiel, um hier erfolgreich zu sein.“
Was also erwartet uns jetzt? Ein Halbfinale, das gleich mehrere Geschichten schreibt: Swiatek, die das Märchen vom Sandplatz-Ass zur Wimbledon-Heldin weiterschreiben will, trifft auf Bencic, die als junge Mutter für eines der emotionalsten Comebacks der jüngeren Tennisgeschichte sorgt.
Fakt ist: Wimbledon bebt. Und Swiatek hat längst klargemacht, dass sie mehr will, als nur den Halbfinal-Eintrag in ihrer Vita. Sie wirkt gereift, fokussiert und hungrig und weiß genau, was zu tun ist, wenn das Momentum kippt.
„Wenn deine Gegnerin zwei Spiele in Folge gewinnt, musst du etwas ändern. Du kannst sie nicht einfach weiterlaufen lassen“, sagte sie selbstbewusst. „Du musst zurück an die Arbeit und besser werden. Punkt.“
Der nächste Punkt? Er könnte sie ins Finale bringen und vielleicht sogar den ganz großen Coup auf Rasen ermöglichen.
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