Was tun, wenn Alexander Zverev absagt? Ganz einfach: Jan-Lennard Struff und Daniel Altmaier springen in die Bresche und könnten diese Turnierwoche spannender machen, als zunächst gedacht.
Während die Sandplätze von Gstaad in der morgendlichen Alpenluft noch im Nebel liegen, bringt Jan-Lennard Struff seinen Aufschlag schon auf Temperatur. Der Warsteiner, Deutschlands Nummer zwei im Einzelranking, eröffnet heute ab ca. 10:30 Uhr seine Mission Wiedergutmachung. Letztes Jahr scheiterte er im Halbfinale an Quentin Halys, dieses Jahr soll gegen den Argentinier Juan Manuel Cerundolo ein besserer Auftakt gelingen. Nach einer eher mäßigen Rasensaison braucht Struff dringend einen Erfolg, und Gstaad, wo er fast schon Stammgast ist, scheint der perfekte Ort dafür zu sein.
Struffs Spiel lebt von der Kraft und der Wucht seiner Präsenz am Netz. Gegen Cerundolo, einen variablen, aber nicht immer konstanten Sandplatzspezialisten, könnte das genau das richtige Rezept sein. Und wer weiß: Vielleicht bringt ihn das wieder in Form für größere Aufgaben in der Sandplatzsaison, bevor es in Richtung Nordamerika geht.
Auf der anderen Seite des Globus, in der flirrenden Hitze von Los Cabos, wartet eine ganz andere Herausforderung auf Daniel Altmaier. Der Kempener wagt den frühen Wechsel auf Hartplatz. Eine bewusste Entscheidung, um sich auf den American Swing mit den US Open als Ziel früh einzustimmen. Doch der Auftakt hat es in sich. Altmaier muss in der Nacht gegen den US-Amerikaner Mitchell Krueger antreten, ein gefährlicher Gegner, den man nicht unterschätzen sollte.
Ein Einzug ins Achtel- oder gar Viertelfinale wäre nicht nur ein Prestigeerfolg, sondern würde auch das Punktekonto deutlich verbessern. Denn die Konkurrenz in Mexiko ist hochkarätig. An der Spitze steht Andrey Rublev, der topgesetzte 17-fache ATP-Titelträger und potenzielle Gegner von Überraschungsmann Alex Hernandez.
Apropos Hernandez: Die mexikanische Wildcard sorgte für eine der emotionalsten Geschichten des Turniers. Der 26-jährige Lokalmatador lag gegen den favorisierten Taro Daniel bereits mit 3:6 und 2:5 zurück, ehe er das Match mit einer mitreißenden Aufholjagd noch drehte (3:6, 7:5, 6:4).
Es war erst sein zweiter Sieg auf der ATP-Tour und ausgerechnet in seinem Heimatland und in seinem Lieblingsstadion.
Für Altmaier könnte diese Geschichte ein Fingerzeig sein. Wer in Mexiko spielt, muss mit Herz, Hitzeschlacht und Heimfans rechnen. Und mit Gegnern, die trotz niedrigerer Platzierung über sich hinauswachsen.
In Gstaad sind die deutschen Farben allein Struff überlassen, nachdem Zverev kurzfristig abgesagt hat. In Bastad versuchen die Österreicher Filip Misolic und Sebastian Ofner, ihre Spuren zu hinterlassen. Vor allem Ofner steht mit dem Spiel gegen Damir Dzumhur (Nummer 7 der Setzliste) vor einer echten Prüfung. Auch wenn sie nicht auf den ganz großen Bühnen spielen, könnten es ihre Matches sein, die am Ende für Schlagzeilen sorgen.
In den kommenden Tagen wird vieles davon abhängen, ob Struff zu alter Stärke findet und ob Altmaier auf Hartplatz rechtzeitig den Rhythmus erwischt. Denn beide Turniere bieten die Chance, sich nach dem Trubel von Wimbledon und vor den Höhepunkten der US Open neu zu positionieren.
Und wer weiß: Vielleicht steht am Wochenende doch wieder ein deutscher Spieler in einem ATP-Finale, nur eben nicht der, den alle erwartet haben.
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